Champions-League-Pleite

Schalke wartet auf den Di-Matteo-Effekt

Handschrift des Nachfolgers von Jens Keller ist noch nicht zu erkennen

Nach seiner ersten Champions-League-Pleite mit Schalke bat Roberto Di Matteo um Geduld, doch sein Kapitän schlug bereits Alarm. „Jetzt ist das schlimmste Szenario eingetreten“, sagte Weltmeister Benedikt Höwedes nach dem 2:4 (1:1) bei Sporting Lissabon. Der Trainerwechsel hat noch nicht den gewünschten Effekt gezeigt: Den Königsblauen droht unter ihrem neuen Coach das Aus bereits in der Gruppenphase – wie zuletzt vor neun Jahren.

„Es braucht Zeit“, mahnte Di Matteo und behauptete: „Wir haben Fortschritte gemacht.“ Im Estadio José Alvalade, in dem Schalke bereits den entscheidenden Schritt Richtung Achtelfinale hätte gehen können, war davon wenig zu sehen: Das Defensivkonzept des Italieners, in der Bundesliga relativ erfolgreich, ging nicht auf. Lektion eins des Champions-League-Siegers von 2012, die „defensive Organisation“, hat offenbar längst noch nicht jeder verstanden.

„Wir haben ein paar Fehler gemacht“, gab Di Matteo zu, „die uns viel gekostet haben.“ Torjäger Klaas-Jan Huntelaar diagnostizierte ein mentales Problem: „Die Angst zu verlieren war größer, als der Wille zu gewinnen.“ Mit fatalen Folgen: Noch hat Schalke als Tabellenzweiter zwar einen Zähler Vorsprung. Punkten die Gelsenkirchener am 25. November aber nicht gegen den Topfavoriten FC Chelsea, könnte selbst ein Sieg zum Abschluss bei NK Maribor zu wenig sein. „Dann könnte Chelsea gegen Sporting mit einer C-Mannschaft antreten“, befürchtet Sportvorstand Horst Heldt.

Dass Schalke in diese knifflige Lage geraten ist, kreidet Kapitän Höwedes nicht Di Matteo an, sondern eher dessen Vorgänger. Unter Jens Keller sei zu wenig an der Fitness gearbeitet worden, ließ der Weltmeister durchblicken: „Wir müssen schon noch ein bisschen was aufholen. Wir können nicht jedes Spiel in dieser intensiven Phase über 90 Minuten gehen.“

Unübersehbar ist aber auch, dass es Di Matteo in seinem ersten Monat als Schalke-Trainer noch nicht gelungen ist, die Defensive dauerhaft zu stabilisieren. In der Bundesliga kassierten die Königsblauen zwar in drei Spielen nur ein Gegentor, in den beiden Champions-League-Duellen mit Sporting in zwei Partien allerdings gleich sieben Treffer. „Das hat mit der Qualität des Gegners zu tun, aber auch mit den Fehlern, die wir gemacht haben“, sagte der 44-Jährige.

Neben den Abwehrschwächen ärgerte Huntelaar auch die mangelhafte Offensivleistung. „Wir sind nicht in der Lage, viel Druck auf den Gegner auszuüben“, klagte der Niederländer. „Wir haben erst angefangen zu spielen, als wir hinten lagen.“ Die größte Chance, die Niederlage noch abzuwenden, hatte Chinedu Obasi. Der Ersatz für den verletzten Weltmeister Julian Draxler blieb nach Huntelaar-Pass am Fünfmeterraum aber an Torhüter Rui Patricio hängen (66.). Schon vor der Pause hätte Jungstar Max Meyer Schalke in Führung bringen können (36.). „Hätte, hätte, Fahrradkette“, meinte Heldt dazu nur.