Bundesliga

Signale aus der Chefetage

Hertha braucht einen Sieg gegen Hannover, um Ruhe zu finden. Manager Preetz bietet Trainer Luhukay eine Vertragsverlängerung

Dass eine Situation kritisch für einen Bundesligaklub ist, erkennt man meist am Verhalten seiner Verantwortlichen. In den Chefetagen dieser Republik sind sie dann oft sehr bemüht, sich symbolisch „hinter den Trainer“ zu stellen – was sich wiederum, das zeigt die Vergangenheit, manchmal auch als Anfang vom Ende herausstellt.

Bei Hertha ist nun so eine kritische Situation eingetreten, nachdem sich die Berliner durch zwei hergeschenkte Spiele innerhalb von einer Woche gegen Bielefeld im DFB-Pokal und gegen Paderborn in der Liga aus dem Tritt gebracht haben. Das ist einerseits ziemlich verwunderlich, weil davor mit drei Heimsiegen am Stück alles endlich besser zusammenzupassen schien. Andererseits entstehen Krisen in Berlin schneller, weil man damit hier nun einmal Erfahrungen hat. Vor diesem Hintergrund sind die Äußerungen von Herthas Manager Michael Preetz im Fachmagazin „Kicker“ zu verstehen: „Wir haben jahrelang einen Trainer gesucht, der sich zu 100 Prozent einlässt auf Hertha BSC. Den haben wir jetzt – und den behalten wir“, sagte der 47-Jährige und ergänzte dies mit einem Angebot: „Luhukay ist der richtige Trainer. Wenn er will, kann er hier sofort seinen Vertrag verlängern.“

Hoffen auf die Heimstärke

Nun soll dieses öffentliche Rückenstärken, wenn es nach Preetz geht, auf keinen Fall der Anfang vom Ende der Zusammenarbeit sein. Aber es ist auch nicht so, dass aktuell wirklich eine Ausdehnung von Luhukays Kontrakt über 2016 hinaus geplant ist. Jene Sätze sollen vielmehr hervorheben, dass es intern keine Zweifel am Niederländer gibt. Sie sind medial gemorste Signale an die Basis, denn ein Teil der Anhänger ist sich nach den durchwachsenen Ergebnissen 2014 nicht mehr sicher, ob Luhukay noch der Richtige ist. „Wir haben aktuell keine Notwendigkeit zu verlängern“, sagte Preetz am Donnerstag vor dem Heimspiel gegen Hannover 96 heute (20.30 Uhr, Liveticker bei immerhertha.de). Aber: „Wir haben eine Grundüberzeugung und sind froh, wie Jos seit über zwei Jahren die Mannschaft leitet. Wir vergessen nicht, wo wir herkommen und werden schwierige Phasen gemeinsam durchstehen“, sagte Preetz, um dann noch darauf hinzuweisen, dass man sich sehr wohl wünsche, länger als die bisher ausgehandelte Laufzeit bis 2016 mit Luhukay zu arbeiten: „Wenn sich eine Verlängerung ergibt, werden wir das machen.“

Als Preetz diese Worte sprach, saß Luhukay einen halben Meter neben ihm, und obwohl man vom 51-Jährigen weiß, dass er seine Arbeit stets von einem starken Vertrauensverhältnis zu seinen Vorgesetzten abhängig machte, hatte man das Gefühl, dass er eigentlich gar keine Lust auf dieses Thema hat: „Seit ich in Berlin bin, ist unsere Zusammenarbeit hervorragend. Aber wir sehen uns nicht so wichtig, dass wir uns mit Lob bekleckern müssen“, sagte Luhukay. Vielmehr lenkte er die Aufmerksamkeit auf die Partie gegen Hannover, denn er weiß: Viel wichtiger als ein Signal des Managers ist jetzt ein Signal der Mannschaft. „Ich hoffe auf eine Reaktion des Teams. Jeder will die letzten Tage wegwischen, damit wir uns wieder aufrichten können“, sagte er.

Die Partie gegen die defensiv starken Niedersachsen (erst elf Gegentore in zehn Spielen), die sich zuletzt mit zwei Siegen gegen Dortmund und Frankfurt bis auf Platz sechs in der Tabelle geschoben haben, darf für Hertha als eine Art Tendenz-Spiel gelten: Mit elf Zählern auf Rang 13 stehend sind es nach oben zu den Europapokalplätzen fünf Punkte Abstand, nach unten zu den Abstiegsrängen vier. Sollten die Berliner diese Partie verlieren, würde sich in der anschließenden Länderspielpause nicht nur die Unruhe steigern, es würden sich auch die Aussichten verschlechtern, sich von den Niederungen der Tabellen fern halten zu können. Denn nach einem Duell gegen Köln warten der FC Bayern, Mönchengladbach und Dortmund. „Wir stehen als Team in der Verantwortung. Ich hoffe, dass meine Mannschaft mental stark genug ist“, sagte Luhukay.

Beruhigend dürfte wirken, dass die Partie im Olympiastadion stattfinden wird, wo sich die Berliner zuletzt wesentlich leichter taten als auswärts. Wiederholt sich dies, dann braucht es womöglich auch keine Signale mehr aus der Chefetage. Vorerst zumindest.