Titelverteidigung

Carlsen startet nach Höhentraining in die Schach-WM

In Sotschi kommt es erneut zum Duell gegen Inder Anand

Magnus Carlsen, 23, verblüffte wieder einmal alle. Wochenlang bereitete sich der jüngste Schach-Weltmeister der Geschichte in den Alpen auf seine Titelverteidigung in Sotschi vor und ging dabei sogar bis auf 3000 Meter. „Wie die Langläufer setze ich auf Höhentraining“, sagte der Norweger vor seiner Reise in die Olympia-Stadt zur Revanche gegen den Inder Viswanathan Anand, 44. Am Sonnabend beginnt der Konzentrationsmarathon an der Schwarzmeerküste. Das Duell, das Carlsen vor einem Jahr in Chennai/Indien mit 6,5:3,5 Punkten für sich entschied, ist für drei Wochen angesetzt.

Bei seiner Ankunft in Sotschi gab sich Carlsen gelassen. „Ich sehe mich als Favorit, wenn ich gut spiele“, erklärte der Titelverteidiger. Die Aura der Unbesiegbarkeit hat er inzwischen aber eingebüßt, obwohl er sich auch noch den WM-Titel im Blitzschach sichern konnte. Gleich mehrmals verlor der Shootingstar – unter anderem auch gegen den deutschen Großmeister Arkadij Naiditsch.

Und Anand? Eigentlich war allein die Qualifikation des Inders schon eine Überraschung. Nicht wenige hatten nach dem Verlust des WM-Titels das Karriereende des 44-Jährigen vorausgesagt. Doch Anand, in seiner Heimat ebenfalls ein nationales Idol, kämpfte sich zurück. Er gewann im März das Kandidatenturnier in Chanty-Mansijsk und schrieb damit Geschichte: 19 Jahre nach seinem ersten WM-Duell (1995 gegen Garri Kasparow) kämpft er wieder um den Titel. „Chennai ist ein abgeschlossenes Kapitel“, sagte Anand: „Sotschi ist ein neues Spiel, eine neue Herausforderung.“ Vor allem aus psychologischer Sicht ist die Ausgangslage diesmal leichter für ihn. Der Druck im vergangenen Jahr vor den heimischen Fans und die Bürde des Titelverteidigers schienen ihn zu lähmen. Seit dem Verlust des WM-Titels spielt Anand wieder frischer und vor allem: besser. „Ich will einfach spielen“, sagte der Inder: „Ich hoffe, dass ich stärker spielen kann – und dann verbessern sich automatisch meine Chancen.“

Der Austragungsort Sotschi bereitete Carlsen übrigens Kopfschmerzen wegen der Ukraine-Krise. Erst kurz vor Ende eines Ultimatums von Kirsan Iljumschinow, Präsident des Weltverbandes FIDE und Freund des Kreml-Chefs Wladimir Putin, sagte der Norweger seine Teilnahme zu – ansonsten hätte er seinen Titel abgeben müssen. „Es ist ein seltsamer Zeitpunkt für eine Weltmeisterschaft in Russland“, sagte Carlsen dazu nur: „Zumal ja kein Russe mitspielt ...“