Krise

Therapiesitzung in der Champions League

Mit einem Sieg über Istanbul wäre der kränkelnde BVB für das Achtelfinale der Königsklasse qualifiziert

Für Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist es „ein Alptraum“, Verteidiger Lukasz Piszczek glaubt an „eine Seuche“. Nach dem Absturz auf einen Abstiegsplatz herrscht bei Borussia Dortmund Alarmstimmung. Von Vorfreude auf das Duell am Dienstag (20.45 Uhr, Sky) mit Galatasaray Istanbul kann wahrlich keine Rede sein. Angesichts der prekären Lage gerät die Champions League zur Nebensache. Stattdessen genießt die Bundesliga von nun an absolute Priorität. Aus Sorge um den BVB hofft Verteidiger Neven Subotic, dass sich die Türken als Aufbaugegner erweisen: „Wir können Selbstvertrauen tanken für das Heimspiel am Sonntag gegen Gladbach.“

Die Chancen auf eine Mut machende Therapie stehen gut. Anders als auf nationaler Bühne lief für den BVB in Europa bisher alles nach Plan. Nach drei Siegen über den FC Arsenal (2:0), den RSC Anderlecht (3:0) und über Galatasaray (4:0) führt der Bundesliga-Vorletzte die Tabelle der Gruppe D mit makelloser Bilanz an. Mit einem weiteren Erfolg über den türkischen Meister wäre der Achtelfinal-Einzug bereits nach vier Vorrundenspielen perfekt – so früh wie nie zuvor. Doch damit allein will sich Sportdirektor Michael Zorc nicht begnügen: „Wir wollen den Gruppensieg.“ Schließlich würde der erste Platz die Chance auf einen leichteren Gegner in der ersten K.o.-Runde erhöhen. Die Zeit internationaler Festtage dürfte schon bald vorerst vorbei sein. Spätestens nach dem 1:2 beim FC Bayern erscheint es bei einem Abstand von bereits zehn Punkten auf den Tabellenvierten Hoffenheim illusorisch, weiter an einen erneuten Einzug in die europäische Königsklasse zu glauben. Zum Leidwesen von Vereinschef Watzke wird der BVB mittlerweile sogar als Abstiegskandidat gehandelt. „Das ist auch für mich ein Alptraum“, gestand der Vereinschef in der ARD.

Von in solchen Krisensituationen üblichen Mechanismen hält Watzke jedoch wenig. Zum wiederholten Mal stärkte er Trainer Jürgen Klopp demonstrativ den Rücken: „Er hat keinen einzigen Fehler gemacht.“ Hektische Maßnahmen wären nach Einschätzung des Geschäftsführers ohnehin kontraproduktiv: „Es hilft, dass der Verein in dieser Situation ruhig und besonnen ist – nicht gelassen.“ Bezeichnenderweise reden derzeit alle Beteiligten mehr über die anstehende Aufgabe gegen Mönchengladbach als über das Duell mit Galatasaray. So wird darüber spekuliert, welche Profis gegen Istanbul fehlen und für das wichtigere Spiel gegen den in dieser Saison seit 17 Pflichtspielen unbesiegten Bundesliga-3. geschont werden. Eine radikale Rotation ist jedoch nicht zu erwarten. „Solange wir rechnerisch noch nicht durch sind, sollten wir uns vor allem damit befassen, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen“, sagte Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang dem „Kicker“.

Leverkusen in St. Petersburg

Mit viel Frust im Gepäck brach Leverkusen nach St. Petersburg (18 Uhr, Sky) auf, wo schon winterliche Temperaturen um null Grad Celsius herrschen. „Wenig Pause, der Wetterumschwung, die Reisestrapazen und weiterhin einige Ausfälle: Es ist nicht so, dass es für uns eine einfache Arbeit wird“, sagte Trainer Roger Schmidt. Das 0:1 beim Hamburger SV zerrte an den Nerven und offenbarte einige Schwächen. Für das Spiel in St. Petersburg forderte Schmidt: „Wir müssen an unsere Grenzen gehen, wenn wir etwas holen wollen.“