Leistung

Eisbären ohne Selbstbewusstsein

Bei seiner Rückkehr nach Berlin nimmt Erfolgstrainer Don Jackson die Punkte mit. EHC nach Niederlage gegen München nur noch Elfter

Sehr höflich, wie ein perfekter Gast, verhielt sich Don Jackson. Zunächst begrüßte er alle beim EHC Eisbären vor seinem Statement zum Spiel sehr herzlich. Es sei für ihn schon emotional gewesen, jetzt als Trainer von Red Bull München zurückzukehren, schließlich habe er in keiner anderen Stadt so lange gearbeitet wie in Berlin. Und dann gab es Lob für die Eisbären und ihren Trainer Jeff Tomlinson. „Sie haben sehr gut und hart gespielt. Sie waren der schwerste Gegner für uns bisher“, erzählte der 58-Jährige. Tomlinson bedankte sich, fand aber natürlich weniger gut, dass Jackson alle Punkte mitnahm. Mit 2:3 (1:1, 0:2, 1:0) unterlag der EHC.

Niemand weiß, wie ernst Jackson das gemeint hat mit dem guten Spiel der Berliner. Dafür weiß jeder, dass es die vierte Niederlage des EHC in Folge war in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Und dass die Eisbären in der Tabelle auf den elften Rang zurückgefallen sind. Damit befinden sie sich außerhalb der Play-off-Plätze. „Das ist keine gute Situation für uns“, sagte Stürmer Marcel Noebels. Die Krise ist da, die Eisbären haben sich festgefahren – und zwar in der Mittelmäßigkeit.

Ein warmer Empfang für die ehemaligen Berliner blieb aus diesem Grund wohl aus. Richie Regehr, in seiner Zeit beim EHC ein wichtiger Akteur, wurde bei der Nennung der Startaufstellung der Münchner ausgepfiffen. Für Mads Christensen und Trainer Jackson machten die Berliner Fans sich nicht mal diese Mühe. Offenbar passte die freundliche Begrüßung von früheren Wegbegleitern nicht in die Zeit, da das eigene Team alle Unterstützung braucht. Die offerierten die Anhänger bedingungslos, nur half das nicht gegen den Tabellenzweiten.

Pohl sorgt nur kurz für Hoffnung

Schwer auszurechnen waren die Münchner nicht, die meisten im Kader der Berliner kennen Trainer Jackson aus seiner Zeit beim EHC. Als ehemaliger Assistent von Jackson weiß EHC-Coach Jeff Tomlinson zudem um dessen taktische Kniffe. An der Handschrift des US-Amerikaners hat sich nichts verändert, die Münchner traten offensiv auf, sehr aggressiv, auch wenn sie den Puck nicht hatten. Teilweise versuchten drei Spieler, die Berliner im eigenen Drittel am Aufbau zu hindern.

Einem selbstbewussten EHC-Team käme das entgegen. „Man sieht, dass beide Mannschaften mitspielen wollten, keiner hat sich hinten reingestellt“, sagte Verteidiger Jens Baxmann. Schließlich ergeben sich so viele Räume, die eine technisch starke Mannschaft zu ihrem Vorteil nutzen kann. Nur fehlt den Eisbären das Selbstvertrauen. Das wirkt sich nachteilig auf das Zusammenspiel aus, die resultierenden individuellen Lösungsversuche scheitern wie gegen München meist. Dazu mangelte es eklatant an Durchsetzungsvermögen in den Zweikämpfen.

Anfangs immerhin machten die Eisbären gut mit, zeigten sich engagiert und gewillt, sich teuer zu verkaufen. „Wir hatten ein sehr gutes erstes Drittel“, so Noebels. Tomlinson brachte sogar die junge vierte Reihe kurzfristig. Zuvor hatte er geklagt, dass die zahlreichen Verletzungen ihn zwingen, mit drei Reihen zu spielen, was an die Substanz geht. Gegen München reichte die Kraft zunächst, das 0:1 durch Yannick Seidenberg (9.) auszugleichen. Darin Olver, der den Gegentreffer durch zu passives Verhalten mitverschuldete, erkämpfte sich den Puck an der Bande und spielte ihn zu Mark Bell. Dessen Schuss bugsierte Petr Pohl vor 11.160 Zuschauern in der O2 World im zweiten Anlauf über die Linie (13.).

Mit der Ausgeglichenheit war es allerdings nicht weit her. Ohne sechs Verletzte traten die Berliner an, am Freitag beim 3:5 in Straubing fiel auch noch Kapitän André Rankel mit Adduktorenproblemen aus. Das gleiche Handicap ereilte im Spiel gegen die Bayern Verteidiger Henry Haase, der im zweiten Drittel ausschied. Zuvor hatte er auf der Strafbank gesessen, als Michael Wolf die Gäste wieder in Führung brachte (25.). Danach bestimmte München die Partie.

Sicher bemühten sich die Eisbären mit ihren erfahrenen Kräften, die vierte Reihe kam nun nicht mehr, sie kämpften. „Das war bei diesem Aufgebot unsere einzige Chance“, so Tomlinson. Durch ein paar Aussetzer aber wurde der Einsatz sabotiert. „Gegen so eine Mannschaft wie München hinterherzurennen, ist schwer“, sagte Noebels. Benedikt Brückner traf kurz nach Wolf zum 3:1 für München (31.). Umständlich trugen die Berliner ihre Angriffe vor, taten sich schwer beim Abschluss. „Uns hat der Verkehr vor dem Tor gefehlt“, sagt Tomlinson und erklärte damit die Harmlosigkeit der Berliner, für die kurz vor Ende noch Antti Miettinen zum Anschluss traf (58.).

Zwei Wochen Länderspielpause

Tomlinson will diesen letzten Akt als Aufschwung bewerten, ihn als Indiz dafür nehmen, dass alles gut wird, wenn die Verletzten zurück sind und mehr Tiefe im Kader ist. Mit etwas Glück sind schon ein paar Spieler zur nächsten Partie wieder dabei, jetzt ist erst einmal gut zwei Wochen lang Länderspielpause. „Die Spieler brauchen diesen Abstand jetzt, sie müssen regenerieren“, sagte der Trainer. Er selbst betreut beim Deutschland-Cup die kanadische Mannschaft. Auch für ihn eine Möglichkeit, etwas Abstand zu finden.