Bundesliga

Auf den Spuren von Hennes Weisweiler

Gladbach wie in der Meistersaison 1970/71 auch im 17. Pflichtspiel in Folge ungeschlagen

Als aus 50.000 Kehlen das Geburtstagsständchen erklang, strahlte Lucien Favre über das ganze Gesicht. „Das ist fantastisch“, sagte der Trainer von Borussia Mönchengladbach, der nach dem 3:1 (2:1) gegen 1899 Hoffenheim gleich doppelten Grund zur Freude hatte: An seinem 57. Geburtstag wandelte der Schweizer auf den Spuren des legendären Hennes Weisweiler. Wie in der Meistersaison 1970/71 blieb Gladbach auch im 17. Pflichtspiel ungeschlagen. Nicht nur den Uralt-Rekord stellte Favres Team ein, als Tabellendritter blieb es auch mit nur vier Punkten Rückstand dem Rekordmeister Bayern München auf den Fersen.

Im Mittelpunkt der Ovationen stand Favre, für den die Fans nach dem Schlusspfiff „Happy Birthday“ anstimmten. Auch wenn er die Glückwünsche sichtlich genoss, blieb der Schweizer gewohnt bescheiden. „Ich arbeite gut“, sagte er, „aber allein mache ich nichts. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr, sehr gut. Zusammen sind wir gut.“

Wie gut, bekamen die zuvor ebenfalls noch ungeschlagenen Hoffenheimer im Verfolgerduell zu spüren. André Hahn (12.) und Patrick Herrmann (32./52.) bescherten Favre mit ihren Toren beim Gegentreffer von Anthony Modeste (30.) einen rundum gelungenen Jubeltag. „Er ist fußballfanatisch, die drei Punkte sind das größte Geschenk“, meinte Sportdirektor Max Eberl und lobte seinen Coach in den höchsten Tönen: „Er ist ein fantastischer Trainer, der unglaublich analytisch arbeitet.“ Ganz zufrieden war der Perfektionist Favre dennoch nicht: „Wir haben bis zum Schluss gelitten, wir hätten das vierte Tor machen müssen. Wir machen zu wenig Tore bei unseren Chancen. Daran müssen wir arbeiten.“

Das Topspiel erfüllte die hohen Erwartungen der 52.409 Zuschauer im Borussia-Park im ersten Durchgang nur ansatzweise. Beiden Teams war der Respekt voreinander anzumerken, zudem leisteten sich beide Mannschaften einige Fehlpässe im Aufbau. Zahlreiche Fouls hemmten zudem den Spielfluss.

Im Gegensatz zum Duell mit den Bayern (0:0) vor einer Woche musste Gladbach das Spiel machen, Hoffenheim zog sich zunächst zurück und lauerte auf Konter. Die Passivität der Gäste wurde von den Gladbachern mit dem ersten gelungenen Angriff bestraft. Nach schönem Zusammenspiel zwischen Raffael, Christoph Kramer und Herrmann traf Hahn per Direktabnahme zur Führung.

Nach rund 20 Minuten wurde Hoffenheim offensiver und kamen zum Ausgleich. Doch das Selbstvertrauen der Gladbacher ist enorm, der Gegentreffer wurde sofort weggesteckt. Nach einer flachen Hereingabe von Hahn überwand Herrmann 1899-Schlussmann Oliver Baumann aus kurzer Distanz zur erneuten Führung. Nach dem Wechsel kam Gladbach bärenstark aus der Kabine und suchte sofort die Entscheidung. Herrmann erzielte schließlich seinen zweiten Treffer. Und dann sangen die 50.000 zu Ehren von Lucien Favre.