Streithähne

Bilanz eines Duells: 50 Fouls und neun Gelbe Karten

HSV-Sieg über Leverkusen erhitzt noch lange die Gemüter

Die Streithähne wurden sich auch nach dem Schlusspfiff nicht mehr grün. Joe Zinnbauer und Roger Schmidt saßen auf der Pressekonferenz nach dem 1:0 (1:0) des Hamburger SV gegen Bayer Leverkusen nur etwa einen Meter voneinander entfernt, würdigten sich aber kaum einen Blickes. Der Aufreger aus der Nachspielzeit der ersten Hälfte wirkte noch immer nach. „Es hat vielleicht so ausgesehen, dass ich ihm an die Wäsche wollte, aber das war nicht so“, sagte Zinnbauer zu den Szenen rund um den Pausenpfiff, als er aufgebracht auf Schmidt losstürmte und schließlich vom Mediendirektor des HSV eingebremst wurde: „Ich wollte nur sprechen.“

Auslöser des Disputs vor den Trainerbänken war ein hartes Foul von Leverkusens Verteidiger Giulio Donati, der Marcell Jansen resolut gelegt hatte. Schmidt witterte anschließend eine „Treibjagd“ auf seinen Profi. „Das fand ich nicht in Ordnung und habe es so artikuliert, wie es in solch einer Situation möglich ist“, meinte der 47-Jährige zum verbalen Schlagabtausch. Trotz besagter Szene hatte Schmidt in den 90 umkämpften Minuten den Eindruck gewonnen, dass der HSV zu hart zu Werke gegangen war. „Was auf dem Platz veranstaltet wurde, hatte wenig mit Fußball zu tun“, meinte der Bayer-Trainer: „Ich glaube, dass das Spiel entglitten ist – auch dem Schiedsrichter. 90 Prozent unserer Angriffe wurden mit Fouls unterbrochen, für die es dann keine Karten gab.“ Wenig überraschend war es, dass Zinnbauer die Partie nicht so einseitig einschätze: „Der Kollege sagt, dass sie oft durch Fouls unterbrochen wurden. Ich denke wir auch.“

Recht hatten beide. Zwar bot der HSV keine fußballerische Feinkost, das Abwehrverhalten der ganzen Mannschaft war aber vorbildlich. Vor allem Rückkehrer Hakan Calhanoglu hatte nichts zu lachen: Mindestens zwei Gegenspieler kümmerten sich stets um den Deutsch-Türken, wenn er am Ball war. 50 Fouls und neun Gelbe Karten waren Ausdruck der Aggressivität in einem Spiel, das die „Hamburger Morgenpost“ am Sonntag als „Gift-und-Galle-Gipfel“ bezeichnete. „Die Hütte hat gebrannt, der Rasen hat gebrannt“, fasste Heiko Westermann zusammen. Rudi Völler, Leverkusens Sportdirektor, sah das differenzierter: „Wir hatten den Eindruck, dass der Schiedsrichter uns in einigen Situationen mehr hätte schützen müssen. Manchmal war es zu viel der Aggressivität.“