Motorsport

Red Bull vollzieht Trennung von Vettel in rasendem Tempo

Rosberg holt sich Pole Position in den USA vor Hamilton

Ein letztes Mal drehte Sebastian Vettel Pirouetten. Mit durchdrehenden Reifen und viel Qualm brannte er am Mittwoch Gummispuren auf die Congress Avenue von Austin/Texas. Der WM-Fünfte hatte sichtlich Spaß, ließ den Acht-Zylinder-Motor kreischen, mit dem er insgesamt vier Titel gewonnen hatte. Es wirkte wie ein letztes Abschiedssignal an den Arbeitgeber.

Ein dürres Statement, veröffentlicht einen Tag vor dem Großen Preis von Japan, löste die rasende Entfremdung zwischen Vettel und dem österreichischen Team aus. „Nach 15 erfolgreichen und schönen Jahren mit Red Bull habe ich mich dazu entschlossen, Ende des Jahres das Team zu verlassen“, hieß es da. Der Wechsel zu Ferrari gilt als ausgemacht; nur die offizielle Verkündung steht noch aus. Für Vettel ist es ein Schritt ins Ungewisse. Die neuen Regeln und die frisch angebrochene Ära der Hybridmotoren haben ihm schon in dieser Saison zugesetzt. Bei der Scuderia, die sich unter dem neuen Boss Sergio Marchionne im Total-Umbruch befindet, werden die Problemfelder zumindest zu Beginn eher größer als kleiner werden. Vettel braucht Geduld.

Verzicht auf die Qualifikation

Wie schwer ihm das fällt, ist seit der Bekanntgabe seines Abschieds von Red Bull zu beobachten. Der 27-Jährige startet am Sonntag in den Großen Preis der USA (21 Uhr, RTL und Sky) nach einem Motorenwechsel aus der Boxengasse. „Es macht keinen Sinn, unnötige Kilometer zu sammeln“, erklärte er seinen Verzicht auf die Qualifikation. Kein anderer Pilot läuft derzeit so lustlos durch das Fahrerlager wie der einstige Strahlemann.

Auch sein Noch-Arbeitgeber reagiert unterkühlt, wenn er auf den Mann angesprochen wird, der die Trophäenvitrine in der Fabrik in Milton Keynes gefüllt hat. „Ich glaube, dass der Moment richtig ist“, sagte Motorsportberater Helmut Marko und erklärte den Australier Daniel Ricciardo zur Nummer eins: „Wenn wir keinen Teamleader hätten, dann sähe es anders aus. Wir wussten aber, dass Daniel in diese Fußstapfen treten kann.“ In der Qualifikation wurde Ricciardo diesmal Fünfter.

Den ersten Platz in der Startaufstellung für den Großen Preis der USA sicherte sich Nico Rosberg. Der deutsche WM-Zweite war in der Qualifikation zum drittletzten Formel-1-Rennen der Saison nicht zu schlagen, der Mercedes-Pilot verwies seinen Teamkollegen Lewis Hamilton auf Rang zwei. Es war Rosbergs neunte Pole der Saison. Den dritten Platz auf dem Circuit of The Americas holte Williams-Mann Valtteri Bottas. Sauber-Pilot Adrian Sutil (Gräfelfing), der bei seinem Team offenbar vor dem Aus steht, startet von einem starken zehnten Platz. „Das war ein großartiger Tag, ich bin sehr zufrieden. Unser Plan ist voll aufgegangen“, sagte Rosberg, „aber ich muss auf das Rennen fokussiert bleiben, das wird sicher hart.“ Vor den letzten drei Saisonrennen hat Rosberg 17 Punkte Rückstand auf WM-Spitzenreiter Hamilton.