Zuversicht

Nächste Station: Startelf

Marvin Plattenhardt erlitt viele Rückschläge, jetzt greift der Hertha-Profi wieder an

In Zeiten sozialer Medien geben Fußballer vieles von sich preis. Auch Herthas Sommerzugang Marvin Plattenhardt zählt zur Gattung Profi, die ihren Fans bereitwillig Einblicke in das Privatleben gewährt. Wer den Instagram-Account des 22 Jahre alten Linksverteidigers besucht, entdeckt zum einen, dass Plattenhardt die Biografie von Cristiano Ronaldo liest; vor allem aber, wie er sich in den vergangenen Wochen ins Hertha-Team zurückgearbeitet hat.

Auf einen Schnappschuss vom Trainingsgelände und ein Bild von der Tribüne des Olympiastadions folgte am vergangenen Dienstag, vor der Pokalblamage in Bielefeld, ein Selbstporträt in entspannter Pose. „Kräfte sammeln für heute Abend“, stand darunter geschrieben. Zum ersten Mal seit Ende August hatte ihn Trainer Jos Luhukay wieder in den 18er-Kader berufen. „Es hat gutgetan, mal wieder dabei zu sein“, sagt Plattenhardt.

Der frühere Nürnberger hat bereits 64 Bundesligaspiele absolviert. Im Hertha-Trikot allerdings nur eins. Am 2. Spieltag in Leverkusen wurde er eingewechselt. Hertha verlor trotzdem 2:4. Dass er sich fortan auf der Tribüne wiederfand, lag jedoch nicht an seiner Leistung, sondern vielmehr an den widrigen Umständen. Anfang September wurde sein Auto auf dem Weg zum Training von einem anderen Fahrzeug gerammt. Während der Wagen schweren Schaden nahm, kam Plattenhardt mit einem Schleudertrauma davon. Das Pech aber blieb ihm treu. Nur fünf Tage später zog er sich im Training eine Zerrung im Hüftbereich zu. Die Folge: zwei Wochen Pause und die ernüchternde Erkenntnis, sich wieder ganz hinten anstellen zu müssen. „Dafür, dass es sportlich noch nicht lief bei mir, gab es ja Gründe“, sagt Plattenhardt. Mittlerweile sei er wieder bei 100 Prozent. In zwei Partien für Herthas U23 hat er Spielpraxis gesammelt, hinzu kam ein Testkick gegen Erzgebirge Aue. Am trainingsfreien Donnerstag habe er eine Sonderschicht eingelegt, berichtet Plattenhardt. Das macht er zwar häufiger, verdeutlicht aber umso mehr, wie sehr er auf einen Einsatz brennt.

Die Konkurrenten sind verletzt

Seine nächste Station könnte nun sogar die Startelf sein. Nico Schulz, der sich auf der linken Abwehrseite als erste Option etabliert hat, muss wegen muskulärer Probleme pausieren. Und Johannes van den Bergh, Stammkraft der Vorsaison, fällt mit einem Muskelfaserriss vier Wochen aus.

Im Spiel gegen den Hamburger SV, als Schulz zur Halbzeit vom Platz musste, behalf sich Luhukay mit einer kreativen Lösung. Rechtsverteidiger Peter Pekarik rückte nach links, die rechte Seite beackerte stattdessen der eingewechselte Marcel Ndjeng. Eine Variante, die gegen den HSV besser funktionierte als zuletzt im Pokal. In Bielefeld spielten sich die Arminen-Angriffe meist in Ndjengs Aufgabenbereich ab. Das dürfte auch Luhukay nicht entgangen sein. Beordert er Pekarik am Sonntag beim SC Paderborn (17.30 Uhr, Sky und im Liveticker auf immerhertha.de) zurück auf seine Stammposition, bietet sich auf der anderen Seite die große Chance für Plattenhardt.

„Natürlich würde es mich riesig freuen, wenn ich Einsatzzeit bekomme“, sagt der Schwabe. Im zweiten Spiel in Ostwestfalen binnen einer Woche will Hertha Wiedergutmachung betreiben. „In unserer Situation sind drei Punkte sehr wichtig“, betont Plattenhardt. „Wir werden Paderborn nicht unterschätzen.“

Der Mann mit der modischen Frisur teilt übrigens nicht nur Fotos mit seinen Fans, sondern auch seinen Musikgeschmack. Das „11 Freunde“-Magazin druckte gerade seine Lieblingssongs ab. An erster Stelle: „Money on my Mind“ von Sam Smith. „Es geht mir nicht ums Geld“, heißt es im Refrain. Auch Plattenhardt dürfte sein Kontostand derzeit wenig interessieren. Er will nur eins. Endlich wieder in der Bundesliga spielen. Gut möglich, dass sein nächstes Instagram-Bild aus Paderborn kommt – und einen abgekämpften Fußballer zeigt.