Niederlage

Lehrstunde für Alba gegen Tel Aviv

Berliner Basketball-Team kassiert gegen den Titelverteidiger die dritte Euroleague-Pleite

Alba ist in der Europaliga weiterhin ohne Sieg. Nach dem 68:94 gegen ZSKA Moskau und dem 84:87 in Malaga kassierte das Team von Sasa Obradovic gegen das dritte Schwergewicht der Gruppe, Maccabi Tel Aviv, sogar die bislang deutlichste Niederlage, auch wenn es das Resultat nicht wirklich ausdrückt. Berlins Basketball-Team verlor vor 10.657 Zuschauern in der O2 World gegen den Titelverteidiger der Königsklasse mit 69:84 (29:46). „Maccabi war klar besser, und wir haben wie schon gegen ZSKA zu viel Respekt gezeigt“, sagte Coach Sasa Obradovic. „Gegen einen Gegner, gegen den wir eigentlich nichts zu verlieren haben.“

Alba war eigentlich nicht schlecht drauf, auch zu Beginn nicht. Aber es zeigte sich recht bald der Unterschied zwischen einem Team, das wie Alba schon mal in Europas Top 16 war und einem, das den Wettbewerb schon fünf Mal gewonnen hat. Maccabi blieb gegen den gewohnt hohen Druck der Berliner Verteidigung eiskalt und verschaffte sich gleich mit zwei Dreiern Respekt. Einen davon ließ Devin Smith fliegen, den anderen Brian Randle, der vor zwei Jahren mal kurz in Berlin war, sich aber schnell verletzt hatte.

Von Beginn an in Rückstand

So ins Spiel gekommen, lief Alba vom Start weg hinterher, blieb zwar durch Leon Radosevic, Reggie Redding und fünf Punkte von Alex King noch halbwegs im Spiel, lag aber mit 16:23 (10.) zurück.

„Wir waren nicht locker“, erklärte Niels Giffey grübelnd, „und sie sind zu leicht durch unsere Verteidigung gegangen. Mit einem extrem hohen Tempo, da war aber auch die individuelle Klasse zu sehen.“

Erstaunlich war, dass die Gäste aus Tel Aviv ihre Punkte weitestgehend aus der Distanz machten, obwohl sie mit 150-Kilo-Center „Big“ Sofoklis Schortsanidis eine der Urgewalten des europäischen Basketballs in ihren Reihen haben. In der Folge deckten sie die Hausherren sogar mit Distanzwürfen wie vom Fließband ein. Ob Guy Pnini, Yogev Ohayon, Randle oder Jeremy Pargo, sie alle zogen ab und trafen – das zweite Viertel wurde für Alba zum Debakel. Als Obradovics Männer ihre Fassung wieder erlangt hatten, lagen sie nach einer 0:17-Serie mit 20:40 (16.) zurück. Redding, Jamel McLean und Alex Renfroe konnten nur dafür sorgen, dass der Rückstand nicht weiter anwuchs – 29:46 zur Halbzeit.

Ganz klar, es ging für Alba jetzt um Schadensbegrenzung gegen den Titelverteidiger, der wie ein Champion aufgespielt hatte. Auch weil die Partie von rund 150 TV-Sendern in aller Welt als das „Spiel der Woche“ der Europaliga gezeigt wurde.

Der Wille der Berliner war da, aber sie hatten das Pech, dass es dem Maccabi-Team sichtlich Spaß machte, eine Gala hinzulegen. Die ersten drei Körbe der Gäste nach der Pause waren furchterregende Dunkings, ein einarmiger von Alex Tyus und zwei von Randle, der mit 25 Punkten Maccabis bester Werfer war.

Für Alba traf in der Anfangsphase der zweiten Hälfte lediglich Leon Radosevic. Keine Frage, Alba war mit zu großem Respekt ins Spiel gegangen. Jetzt war die Mannschaft auch von dem beeindruckt, was ihr bislang widerfahren war. Wille und Biss aber blieben, was auch die positive Rebound-Bilanz von 36:31 zeigt.

So gelang es den Berlinern auch, von ihren Fans vorbildlich angefeuert, den Rückstand von 34:58 (25.) auf immerhin 48:63 (31.) zu verkürzen. Ein Achtungserfolg: Alba hatte im dritten Viertel genauso viele Punkte erzielt wie die Israelis, nämlich 17.

Maccabis Dreier fanden jetzt längst nicht mehr so selbstverständlich ihr Ziel. In Gefahr gerieten die Gäste aber nicht mehr, dazu waren sie einfach zu clever und zu gut besetzt. Und Randle schien zeigen zu wollen, was den Berlinern vor zwei Jahren entgangen war. Der Rückstand pendelte sich in etwa bei 15 Punkten ein. Die Schadensbegrenzung war geglückt, Comeback und Sieg aber außer Reichweite. Beste Berliner Werfer waren Redding mit 15, Radosevic mit 13 und Mc Lean mit zwölf Punkten.

Ein wirklicher Rückschlag waren die drei Auftaktniederlagen nicht, und „sie kamen gegen die Top-Teams auch nicht überraschend“, sagte Obradovic. Am kommenden Freitag ist CSP Limoges aus Frankreich in der O2 World zu Gast (20 Uhr), eine Woche später reist Alba zu Cedevita nach Zagreb (19.30 Uhr). Gewinnt Alba dort, sind die Top 16 weiterhin drin.

Zuvor allerdings (Sonntag, 17 Uhr) werden die Berliner bei Alba-Legende und TBB-Coach Henrik Rödl in Trier versuchen, in der Bundesliga den sechsten Sieg im sechsten Spiel klar machen.