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Die BR Volleys sind noch ein Puzzle ohne Verpackung

Lebedew sucht die perfekte Aufstellung seiner Mannschaft

Auch wer gerade den Sprung an die Tabellenspitze geschafft hat, muss nicht immer ganz glücklich aussehen. So ging es am Mittwochabend den BR Volleys nach ihrem 3:2-Sieg gegen den TV Bühl. Eher war Erleichterung zu spüren. Der Deutsche Meister versucht gerade, das Modell für eine Saison zu entwickeln, an deren Ende ehrgeizige Ziele erreicht werden sollen: erfolgreiche Titelverteidigung, Pokalsieg und am liebsten auch noch das Final Four der Champions League. Das Spiel gegen Bühl hatte gezeigt, dass der Weg dorthin sehr lang ist. Aber auch, dass so viel Substanz in der Berliner Mannschaft steckt, dass sie in der Lage ist, einer Partie durch personelle Wechsel noch einmal eine Wende zu geben.

13 Profis hat Trainer Mark Lebedew in seinem Team. Die vier Neuen Erik Shoji, Christian Dünnes, Rob Bontje und Francesco de Marchi müssen integriert werden und sollen zugleich Druck auf die Etablierten ausüben. Jeder der 13 ist für sich stark genug, um in der Startformation zu stehen – und durfte es auch schon in den ersten drei Saisonspielen. Aber wer harmoniert mit wem am besten? „Die Krux ist“, sagt Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „unser Trainer muss diesen Kader optimal ausnutzen.“

Das kann im dritten Pflichtspiel noch nicht perfekt funktionieren. Ein kleines Luxusproblem. Die BR Volleys hatten noch nie eine derart ausgeglichen und stark besetzte Mannschaft. „Es ist noch nicht so klar, wer am besten zusammen passt, welche die beste Gruppe ist“, sagt Lebedew, „heute konnten wir aber in vielen Konstellationen sehr gut spielen.“ In anderen weniger gut.

Es ist wie ein Puzzle ohne Verpackung. Die Teile liegen bereit, nur das Bild, das am Ende aus ihnen entstehen soll, ist unbekannt. Auf die Realität der BR Volleys bezogen, soll es ja auch nicht fest sein, sondern immer aufs Neue zusammengefügt. Gut soll es in möglichst jeder Variante aussehen. Lebedew ist zuversichtlich: „Das ist ein Punkt, der sich entwickeln wird im Lauf der Saison.“ Andere haben auch noch nicht zu Ende gepuzzelt, wie sich an Bühl zeigte. Als der Trainer der BR Volleys seine beste Formation des Abends im vierten und fünften Satz beieinander hatte, zerfiel das schöne Bild der neu formierten Mannschaft aus Südwestdeutschland in Einzelteile.

Die Frage stellt sich: Wie gehen die Spieler damit um, wenn sie mal hier, mal da eingesetzt werden? Oder auch mal gar nicht? Bisher scheinen alle überzeugt vom Experiment. „Das wird. Wir müssen nur noch den Weg finden, das am besten zusammenzufügen“, sagt der Australier Paul Carroll, mit 30 Punkten der Mann des Abends. Libero Martin Krystof, der in Erik Shoji einen Weltklassemann an die Seite gestellt bekam, findet die Situation gut: „Erik ist ein starker Konkurrent“, so der Tscheche, „aber wenn man Pokal, Meisterschaft und Final Four will, dann braucht man große Konkurrenz.“

Alle loben das Trainingsniveau, das „extrem hoch“ ist, wie Zuspieler Sebastian Kühner festgestellt hat. Der WM-Dritte mit der Nationalmannschaft war so etwas wie der zweite Gewinner beim Sieg gegen Bühl, weil er den glücklosen Kawika Shoji nicht nur ersetzte, sondern dem Spiel neue Impulse gab. „Wir wissen jetzt, woran wir arbeiten müssen“, sagt er, „mehr Emotionen aufbauen, mehr Druck im Aufschlag entwickeln, in allen Elementen mehr Sicherheit bekommen.“ Damit bei den nächsten Aufgaben am Sonntag in Friedrichshafen und am kommenden Donnerstag im ersten Vorrundenspiel der Champions League gegen Ljubljana nicht erneut so eine lange Durstrecke beschritten wird wie in den ersten drei Sätzen gegen Bühl. „Die Mannschaft“, sagt Sportdirektor Roko Sikiric, „hat zwei Gesichter gezeigt.“ Eines davon strahlte große Zuversicht aus.