Interview

„Der Erfolg des Vereins steht über allem“

Schalke-Manager Horst Heldt über neue Hierarchien unter Trainer Di Matteo und Titelträume

Seit 2011 trägt Horst Heldt im Vorstand des FC Schalke 04 Verantwortung für die sportlichen Geschicke seines Klubs. Vier Trainer hat der Manager in dreieinhalb Jahren schon geholt – dauerhaft glücklich wurde Schalke mit Ralf Rangnick, Huub Stevens und Jens Keller allerdings nicht. Seit zwei Wochen versucht sich nun der Italiener Roberto Di Matteo daran, der Mannschaft endlich die nötige Stabilität zu vermitteln. Am Freitag empfängt Schalke den FC Augsburg (20.30 Uhr, Sky).

Berliner Morgenpost:

Drei Punkte aus zwei Bundesligaspielen, ein Sieg in der Champions League – hat Roberto Di Matteo auf Schalke schob etwas bewegt?

Horst Heldt:

Auf jeden Fall. Jeder neue Trainer setzt zu Beginn gewisse Schwerpunkte. Robert Di Matteo hat erkannt, dass wir in der Vergangenheit zu viele Tore bekommen haben, es dem Gegner teilweise zu leicht gemacht haben. Da hat er angesetzt. Und in den drei Spielen unter seiner Leitung hat sich die Organisation des Teams schon deutlich verändert. Sicherlich kann dies zunächst auch zu Lasten der Offensive gehen. Aber es ist richtig, sich einem Thema intensiv zu widmen und schnelle Verbesserungen herbeizuführen. Das ist der Grundstein für weitere Verbesserungen, auch im Offensivspiel. Eine gute Organisation zu haben, bedeutet nicht automatisch, dass man auch Catenaccio spielt.

Warum fehlte es denn der Mannschaft an Organisation?

Einer der Gründe ist ähnlich wie bei anderen Vereinen auch. Wir hatten von Saisonbeginn an zu viele Verletzte zu beklagen. Teilweise leiden wir immer noch darunter. Durch die WM sind zudem in der Sommerpause viele Spieler später zur Mannschaft gestoßen. Dadurch fehlte Stabilität.

Sie wollen den Eindruck vermeiden, gegenüber Jens Keller nachzukarten. Aber wären Organisation und Struktur denn so ein wichtiges Thema, wenn es in diesem Bereich nicht Versäumnisse gegeben hätte?

Sie können sicher sein, dass wir uns bei der Analyse der Situation nicht selbst in die Tasche lügen. Jens Keller hat hervorragende Arbeit geleistet, hat die Mannschaft in der vergangenen Saison auf Platz drei geführt. Natürlich ist dabei das eine oder andere auch nicht gut gelaufen. Aber das ist kein Thema, das wir in der Öffentlichkeit diskutieren.

Haben klare Regeln gefehlt? Der neue Trainer hat jedenfalls auffällig betont, dass er die einführen will.

Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie. Aber es geht nicht darum, die unterschiedlichen Ansätze zu vergleichen. Der neue Trainer hat uns Punkte aufgezeigt, die er verändert und verbessert haben möchte. Wir folgen ihm da, sehen ebenfalls diesen Verbesserungsbedarf. Wir wissen jedoch, dass es auch eine gewisse Zeit braucht. Auch für die Spieler ist das eine veränderte Situation, an die sie sich gewöhnen müssen.

Di Matteo hat gesagt: „Es gibt nur einen Boss.“ Ist diese Vorstellung von der Hierarchie einer Mannschaft ein Grund gewesen, dass Sie sich für ihn entschieden haben?

Absolut. Er trägt die Verantwortung als Trainer, deshalb ist es wichtig, dass das auch erkennbar ist. Das heißt nicht, dass er keine anderen Meinungen zulässt, aber am Ende entscheidet er. Nicht nur der Teamgedanke ist wichtig, sondern auch eine klare Hierarchie. Das war einer von vielen Gründen, warum wir uns für ihn entschieden haben.

Sie sind seit 2010 im Vorstand bei Schalke 04, tragen seit dem Frühjahr 2011 Verantwortung für den sportlichen Bereich. Sind Sie eigentlich zufrieden mit dem, was Sie bislang erreicht haben?

Es geht immer noch besser. Wir haben auch in der Rückrunde der vergangenen Saison, die die beste in unserer Vereinsgeschichte war, Spiele absolviert, in denen wir Fehler gemacht haben. Natürlich war es schwierig, im Achtelfinale der Champions League gegen Real Madrid zu bestehen. Aber im Jahr davor hätten wir im Achtelfinale gegen Galatasaray Istanbul weiterkommen müssen. Trotzdem haben wir die meisten unserer Saisonziele erreicht. Aber ich möchte es nicht daran allein festmachen.

Sondern?

Wir haben eine klare Vorgabe: Wir wollen sportlich erfolgreich sein, nach Möglichkeit in der Champions League spielen. Aber gleichzeitig wollen wir auch unsere Verbindlichkeiten abbauen. Das ist ein Spagat, der nicht immer einfach zu bewerkstelligen ist. Aber nur wenn uns beides gelingt, können wir den Verein auch für kommende Generationen erfolgreich ausrichten.

Wie sehr erschwert die Emotionalität, die Schalke 04 umgibt, ihre Arbeit generell?

Wir wissen um die intensive Begleitung, die Schalke durch seine Fans und die Medien erfährt. Das hat nicht immer nur positive Aspekte, aber doch überwiegend. Niemand, der auf Schalke arbeitet und Fußball spielt, möchte darauf verzichten: Die Intensität, mit der die Menschen Anteil nehmen, macht den Verein einzigartig.

Eine intensive Begleitung erfahren Sie auch durch die Vereinsgremien. Obwohl der Aufsichtsrat ein Kontrollgremium ist, unterbreitet Clemens Tönnies, der Vorsitzende, ja auch gern mal Vorschläge für das operative Geschäft. Ist das hilfreich?

Die Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand und dem Aufsichtsrat ist klar definiert. Für mich ist es unheimlich wichtig, einen regelmäßigen Austausch mit dem Aufsichtsrat zu haben, ebenso Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Ich will einen starken Aufsichtsrat haben mit einem starken Vorsitzenden. Eitelkeiten spielen in der Zusammenarbeit von Clemens Tönnies und mir keinen Rolle. Wir haben in der Vergangenheit unsere Entscheidungen gemeinsam getroffen und werden das auch in der Zukunft tun. Denn der Erfolg des Vereins steht über allem.

Die Bayern spielen aus Sicht der Konkurrenz beängstigend stabil. Können Sie den Schalke-Fans trotzdem Hoffnung machen, dass Ihr Verein irgendwann auch mal wieder um die Meisterschaft mitspielen kann?

In den letzten zehn Jahren ist nicht nur der FC Bayern Meister geworden. Schalke ist in dieser Zeit dreimal Vizemeister geworden, jeweils relativ knapp gescheitert. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es möglich ist. Schalke ist ein Verein, der viel Kraft und viele Möglichkeiten hat, deshalb wird es auch in der Zukunft möglich sein.