Volleyball

Der nette Typ mit dem Hammeraufschlag

Mit seiner großen internationalen Erfahrung soll der Niederländer Rob Bontje die BR Volleys zu neuen Erfolgen führen

Nein, nein, sagt Rob Bontje lachend, „die sind nicht gefärbt. Das ist Natur.“ Schon, als er noch 18 Jahre jung war, kamen die ersten grauen Haare bei ihm zum Vorschein, 15 Jahre später ist der neue Mittelblocker im Team des deutschen Volleyball-Meisters BR Volleys komplett ergraut. Das passt jedenfalls ganz gut zu der Rolle, die er bei den Berlinern übernehmen wird: Mit seiner internationalen Erfahrung soll Bontje einer der Anführer einer sowieso schon sehr routinierten Mannschaft werden.

„Man weiß, was man von ihm bekommt“, sagt Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand über den Zugang, der in der vergangenen Saison noch für Jastrzebski Wegiel spielte und mit den Polen das Final Four der Champions League erreichte. Drei Jahre Polen, davor sieben Jahre Italien, wo er mit Sisley Treviso den CEV-Pokal gewann, den zweithöchsten europäischen Klub-Wettbewerb: „Rob hat in den besten Ligen Europas gespielt und kann mit Druck umgehen“, glaubt Niroomand.

Genau das erwarten die Berliner vom ersten Niederländer in ihren Reihen, der den nach Polen zurückgekehrten Srecko Lisinac ersetzt. Er soll dem Klub helfen, seine hohen Ziele zu erreichen, die laut Sportdirektor Roko Sikiric klar definiert sind: „Meister werden, Pokalsieger werden, das Final Four der Champions League erreichen.“ Bontje hat von Anfang an gefallen, wie ambitioniert der Verein ist. Und wie gut strukturiert. „Die beste Organisation meiner Kariere“, lobt der langjährige Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft, mit der er bereits 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen dabei war.

Von Gegner Bühl noch nie gehört

Die ersten beiden Bundesligaspiele in Dresden und beim VC Olympia haben die Volleys 3:0 gewonnen. An diesem Mittwoch (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) allerdings wartet schwereres Kaliber auf den Meister. Der TV Bühl ist ebenfalls noch ohne Satzverlust und einer der wenigen Herausforderer des Titelverteidigers in Deutschland. Was er erwartet? Bontje ist ehrlich: Bis zur ersten Videoanalyse am Dienstag hatte er noch nie von denen gehört. Sollen sie kommen. „Ich hoffe, dass viele Leute da sind. Meine Mitspieler haben mir erzählt, dass die Spiele in der Schmeling-Halle ein großes Happening sind.“

Sportlich scheint sich der lockere Niederländer keine großen Sorgen zu machen. „Wir sind eine sehr komplette Mannschaft“, hat er festgestellt, „in den ersten beiden Bundesligapartien haben wir alle 13 gespielt. Alle können und alle sollen – das ist eine sehr positive Entwicklung für das Team.“ Es gebe zwei starke Liberos, zwei starke Zuspieler, drei starke Mittelblocker – das setze sich auf allen Positionen fort. Hat einer mal einen schlechten Tag erwischt, ist immer gleichwertiger Ersatz da – die beste Voraussetzung, nachhaltig Erfolg zu haben.

Immer mit der Rückennummer 17

Ein bisschen wundert sich Bontje inzwischen über sich selbst. Im Urlaub ist er an die verschiedensten Orte gefahren, Barcelona, London, Paris, aber nie nach Berlin. Weil er in diesem Sommer, als sein Wechsel nach Deutschland feststand, zum ersten Mal in zehn Jahren nicht mit der Nationalmannschaft unterwegs war, hatte er genug Zeit, sich seine neue Heimat anzuschauen. Und war sofort begeistert. „Eine tolle Stadt“, hat er festgestellt, „für mich war alles ganz neu, aber bisher ist alles sehr positiv.“ Besonders glücklich war der 33-Jährige, weil seine Söhne Max und Dan, fünf und sechs Jahre alt, die sonst in den Niederlanden bei der Mutter leben, eine Woche bei ihm zu Besuch waren.

Jetzt aber gilt die Konzentration wieder ganz dem Volleyball. Viel wird von ihm erwartet, die ersten Eindrücke auch seines Trainers waren positiv. Als „netten, angenehmen Typ“ beschreibt Mark Lebedew den 2,06 Meter langen, neuen Mann, und, nicht weniger wichtig: „Rob ist super athletisch. Probleme im Spiel löst er mit Geschick, nicht nur mit Kraft.“ Ein Schlitzohr auf dem Feld, dessen Schmetteraufschlag eine echte Waffe ist. Wie bei fast allen seinen Stationen trägt Bontje die Nummer 17 auf dem Trikot. „Das war die Nummer, die ich bei meinem ersten Einsatz für die Nationalmannschaft bekam. Wenn sie in meinen Vereinen frei war, habe ich sie mir auch dort immer gewünscht.“

Eine Frage noch: Wie ist das mit dem Vornamen Rob? In seinem Ausweis heißt er doch Johannes Cornelius Bontje. Da lacht er wieder: „Mein Vater hat die Schuld.“ Nach der Geburt ist der zum Amt gegangen, um seinen Stammhalter anzumelden. Und hat in der Aufregung zwar den Zweit- und den Drittnamen eingetragen, jedoch den Rufnamen vergessen. Im wahren Leben ist es bei Rob geblieben.