Hertha BSC

Aus der Traum nach Elfmeter-Drama

Schieber und Wagner versagen die Nerven: Hertha scheitert im DFB-Pokal an Drittligist Bielefeld

Thomas Kraft hatte sich für die rechte Ecke entschieden, doch der Elfmeter des Arminen Marc Lorenz flog nach links – es war das Aus für Hertha BSC. Wieder einmal hat der Fußball-Bundesligist seiner Serie vom Scheitern an unterklassigen Gegnern ein unrühmliches Kapitel hinzugefügt. Beim Drittligisten Arminia Bielefeld unterlagen die Berliner 2:4 im Elfmeterschießen. Auch im 30. Anlauf ist Hertha weit entfernt vom Ziel – dem Pokalfinale im heimischen Olympiastadion – auf der Strecke geblieben.

Nach dem entscheidenden Schuss explodierte trotz empfindlich kühler Temperaturen die Stimmung der 23.100 Zuschauer in der Arena. Die Bielefelder feierten Lorenz, der direkt vor der Arminen-Kurve unter einer Spieler-Traube begraben wurde.

60 Meter weiter gab es an der Hertha-Bank versteinerte Mienen zu sehen. Die Jubel-Arien wurden lauter und lauter, als Hertha-Trainer Jos Luhukay als erster die Reihe der Berliner verließ und in der Kabine verschwand. „Ein riesiges Kompliment an die Arminia“, sagte der Niederländer. „Im Elfmeterschießen brauchst du die stärksten Nerven. Die hatte Bielefeld. Wenn man das ganze Spiel betrachtet, ist der Sieg nicht unverdient.“

Torwart Kraft platzt der Kragen

Es hatte nicht gereicht, dass Thomas Kraft im Elfmeterschießen den Versuch von Stephan Salger pariert hatte. Julian Schieber scheiterte mit seinem Schuss ebenso an Bielefelds Torwart Alexander Schwolow wie Sandro Wagner. Das war ein Fehlschuss zu viel. Somit verabschiedete sich Hertha wieder einmal in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Wie schon 2013 (1:3 beim Zweitligisten Kaiserslautern). Wie 2012 (1:2 beim Regionalligisten Worms). Wie 2010 (1:2 beim Viertligisten Koblenz). Wie 2009 (3:4 im Elfmeterschießen beim Zweitligisten 1860 München).

„Es ist enttäuschend, frustrierend, bitter“, sagte Luhukay. „Wir müssen so ehrlich sein zu sagen, dass wir uns keine echte Chance erarbeitet haben.“ Hertha hatte sein seit Jahren bekanntes Pokal-Gesicht bereits im ersten Durchgang gezeigt: Irgendwie bemüht, aber ohne Durchschlagskraft.

Luhukay nahm gegenüber dem 3:0 gegen den Hamburger SV vier Veränderungen vor. Die verletzten Nico Schulz, Per Skjelbred und Änis Ben-Hatira wurden ersetzt durch Marcel Ndjeng, Jens Hegeler und Genki Haraguchi. Außerdem rückte John Brooks für John Heitinga in die Innenverteidigung.

Der Favorit war zunächst feldüberlegen. Da sich Bielefeld aber weit zurückzog, bot Hertha eine Art Breitwand-Fußball, wo der Ball jeweils über diverse Stationen von rechts nach links wanderte und wieder zurück. „Wir wussten, dass Herthas große Stärke das schnelle Umschaltspiel ist“, sagte Bielefelds Ex-Herthaner Peer Kluge, „das haben wir unterbunden, indem wir tief standen.“

Die Arminen verlegten sich auf Konter. Die waren durchweg torgefährlicher als das Ballgeschiebe der Berliner. Torwart Kraft bewahrte Hertha mit starken Paraden bei Kopfbällen von Tom Schütz (13.) und Julian Börner (14.) vor einem Rückstand. Als sechzig Sekunden später erneut ein gefährlicher Bielefelder Angriff nur haarscharf das Berliner Tor verfehlte, reichte es Kraft. Wütend rannte er 35 Meter aus seinem Kasten und brüllte Roy Beerens an, der die Chance mit einem Ballverlust ermöglicht und dann nicht nach hinten gearbeitet hatte.

In der Folge bügelte John Brooks einen Patzer von Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger aus (28.). Glück für Hertha, dass Bielefelds Christoph Hemlein den Ball freistehend aus sechs Metern über das Berliner Tor drosch (32.). In der Offensive war Hertha schwach, nur ein Kalou-Kopfball, der auf der Linie geblockt wurde, sorgte für Gefahr (25.).

Im zweiten Durchgang ging der Bundesligist deutlich konzentrierter zu Werke. Einbahnstraßen-Gekicke in Richtung Arminen-Tor. Bielefeld wurde keine einzige Chance gestattet. Über weite Strecken kamen die Gastgeber nicht mal aus der eigenen Hälfte heraus. Ein Problem von Hertha: Hegeler auf der Schalter-Position im Mittelfeld stand erneut neben sich. Keine Impulse, kein Tempo, keine Dynamik. Die Verfassung des Ex-Leverkuseners, im Sommer eigentlich als Wunschspieler des Trainers geholt, ist nach einem Vierteljahr in Berlin ein Rätsel.

Plötzlich Spiel auf ein Tor

Nach einer guten Stunde brachte Luhukay dann Ronny für Valentin Stocker. Ein Wechsel, der Wirkung zeigte. Hertha spielte nun direkter, und der Brasilianer zog gleich mal ab. Sein Schussversuch landete zwar nur am Außennetz, aber immerhin war es eine Torannäherung (64.). Peinlich für den Erstligisten: Alexander Schwolow, der Torwart des Drittligisten, musste in der regulären Spielzeit nicht eine einzige Parade zeigen. Der Hertha-Anhang murrte: „Wir woll’n euch kämpfen sehen.“

Zur Verlängerung ging Salomon Kalou, der kaum eine gute Szene hatte. Für ihn kam Julian Schieber. Weiter ging es stets und ausschließlich auf das Bielefelder Tor zu. Ndjeng flankte von der rechten Seite, Beerens von der linken. In der Mitte versuchte Ronny das Spiel schnell zu machen, aber die Berliner fanden keine Lücke in Arminias Abwehrbollwerk. „Wer im Pokal kein Tor schießt“, sagte Schieber, „kann nicht weiterkommen. Wir waren einfach nicht zwingend genug.“

Im finalen Abschnitt sendete Bielefeld doch noch ein Lebenszeichen und fuhr nach 60 Minuten Abwehrfußball einen Konter. Torwart Kraft lenkte die Eingabe von Dennis Mast noch aus der Gefahrenzone (112.). Schon da war Herthas Aus zum Greifen nah.