Bundesliga

Neuer Hoffnungsschimmer für die Liga

Mutige Gladbacher zeigen, wie man die Bayern schlagen kann

– Das war so recht nach Manuel Neuers Geschmack. Wenn der FC Bayern München schon keine Tore schießt, dann muss der Keeper eben dafür sorgen, dass die Null steht. „Da musste ich mal ein bisschen mehr Präsenz zeigen“, sagte der Fußball-Weltmeister nach der Nullnummer im Spitzenspiel bei Borussia Mönchengladbach.

Seinen Mitspielern war klar, bei wem sie sich bedanken mussten. „Wir wissen, was wir an Manuel Neuer haben“, meinte Philipp Lahm. Vorgänger Oliver Kahn sagte bei „Sky“: „In seinem Alter war ich keineswegs so gut.“ Trainer Pep Guardiola kommentierte die Leistung seines Schlussmannes kurz und knapp: „Er ist der Beste!“ Und in der Liga seit 658 Minuten ohne Gegentreffer.

Auch die Gladbacher sahen im Torwart den entscheidenden Mann im Top-Duell. Vor allem Gladbachs torgefährlicher Flügelflitzer Andre Hahn konnte kaum fassen, dass Neuer in der 52. Minute seinen platzierten und harten Flachschuss noch abwehren konnte. „Ich habe den Ball perfekt getroffen, er hat das überragend gemacht“, sagte Hahn.

Es war symptomatisch, wie Lucien Favre kurz nach dem Schlusspfiff zwar lächelte, aber dann auch erst einmal kräftig durchpusten musste, um seinen Körper von all der Anspannung zu befreien. Der Gladbacher Trainer hatte einen stabilen und taktisch bestens eingestellten Abwehrverbund aufs Feld geschickt. „Sie haben hervorragend gespielt, wir haben hervorragend verteidigt“, sagte er. Lahm, Xabi Alonso und David Alaba konnten sich den Ball in der Münchner Schaltzentrale zwar elegant zuspielen, aber gegen die kompakte Borussia fehlte vorn sowohl bei Robert Lewandowski als auch bei Mario Götze und Thomas Müller die Durchschlagskraft.

Wenn die Borussia ihr Hochgeschwindigkeits-Konterspiel zeigte, wirkte die Münchner Defensive um Rafinha, Medhi Benatia und Dante keineswegs sicher. In der 34. Minute verpasste Max Kruse es nach einem Zuspiel des brillanten Andre Hahn freistehend vor dem noch brillanteren Manuel Neuer, sogar vor der Pause die Führung zu erzielen.

Eine Vitalitätsinjektion war diese Szene für die Borussia trotzdem, das zeigte sich nach dem Seitenwechsel, als plötzlich jene Balance zwischen Defensive und Angriff zu sehen war, die in dieser Saison ein Schlüssel zum Erfolg und zur Stabilität von Favres Mannschaft ist. Die Gladbacher hatten trotz des Torschussverhältnisses von 11:20 die besseren Gelegenheiten. Dass Pep Guardiola zu Protokoll gab, er sei „sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft“ – auch das sagt einiges über die Anerkennung für den Auftritt der Mönchengladbacher.

In gewisser Weise war dieses Spiel dann also sogar ein Hoffnungsschimmer für die Bundesliga. Häufig ist es ja so, dass damit gerechnet wird, ein Gegner könne es mit den Münchnern aufnehmen, und dann gehen die Herausforderer doch regelmäßig unter. Aber die Gladbacher haben gezeigt, wie es aussieht, wenn eine Mannschaft mit höchster taktischer Disziplin, Leidenschaft und später auch Mut alles unternimmt, um der Übermacht aus Süddeutschland die Stirn zu bieten. „Wir haben es einer richtig starken Mannschaft sehr schwer gemacht“, sagte Christoph Kramer: „Nach neun Spieltagen lügt die Tabelle nicht, wir sind die zweitbeste Mannschaft in Deutschland.“