DFB-Pokal

St. Pauli empfängt den BVB zum Spiel Not gegen Elend

Hamburger setzen gegen Dortmund auf Underdog-Rolle

Wenn es derzeit zwei Trainer im deutschen Profifußball gibt, die sich von ihrer Mentalität ähneln, dann sind es wohl Thomas Meggle und Jürgen Klopp. Beide arbeiten hoch emotional mit ihrer Mannschaft – und sind in der Spielzeit 2014/15 doch so erfolglos. Da kommt das Duell in der zweiten Runde des DFB-Pokals am Dienstagabend (20.30 Uhr, ARD) gerade recht. Auch wenn die Partie zwischen dem FC St. Pauli und Borussia Dortmund aktuell nicht mehr ist als das Spiel Not gegen Elend.

Der Zweitliga-16. fordert den Bundesliga-15. – da ist es gut, wenn man einen Mutmacher parat hat. St. Paulis Coach Meggle hat einen: „Das Spiel kommt für uns gerade recht. In der Liga ist es nicht gut gelaufen, aber der Pokal ist ein vollkommen anderer Wettbewerb. Hier sind wir ungeschlagen.“ Das riecht nach immer noch vorhandenem Selbstbewusstsein. Kann es auch angesichts der Dortmunder Pleitenserie in der Liga. Vier Niederlagen in Folge, sechs insgesamt - keiner der 36 Profiklubs hat öfter verloren. Selbst St. Pauli nicht, trotz zwei Spielen mehr. Das will schon etwas heißen.

Zumal der Hamburger Kiez-Klub gegen den Champions-League-Teilnehmer ohnehin kaum etwas zu verlieren hat. So ist vor allem im Lager der Schwarz-Gelben die Sorge vor einem Anhalten des Negativtrends groß. Oder wie Trainer Klopp es formulierte: „Die Angst vor dem Nicht-Gewinnen ist bei uns sicher da. Unsere Aufgabe ist es nun, ein positives Selbstbild zu bewahren.“

Diskussionen ausblenden

Klopp hofft, dass seine Profis die jüngsten Diskussionen um verpasste Saisonziele ausblenden und sich in den kommenden Wochen voll und ganz auf die nächste Aufgabe konzentrieren: „In solch einer Situation würde überall vom Abstiegskampf gesprochen. Wir werden gefragt, ob wir noch Chancen auf die Champions League haben.“ Unter allen Umständen soll verhindert werden, dass die Misere nun auch auf andere Wettbewerbe übergreift. Klopp: „Es geht bei uns um Arbeit und den Kampf um Leichtigkeit.“

Zwei Attribute, die man auf St. Pauli nur zu gut kennt. Es werden - wie so oft als Motivation in einer prekären Situation – zahlreiche Erinnerungen an alte Erfolge aufgefrischt. An die Saison 2005/06 zum Beispiel, als sich die Hamburger als Pokalschreck einen Namen machten. Als damals drittklassiger Regionalligist stürmte man bis ins Halbfinale (0:3 gegen den FC Bayern) , ließ auf dem Weg dorthin Wacker Burghausen (3:2 n.V.), den VfL Bochum 4:0, Hertha BSC (4:3 n.V.) und Werder Bremen (3:1) hinter sich.

Meggle will sich davon aber nicht blenden lassen. Denn andererseits hat Dortmund in der Champions League alle drei Gruppenspiele gewonnen, noch dazu ohne Gegentor: „Wir haben Respekt vor Dortmund. Wir müssen uns in dem Spiel in jeden Zweikampf werfen, vor jeden Schuss noch ein Bein bekommen und einfach eklig sein“, forderte der Ex-Profi. Und appellierte an die Fans: „Wir alle wissen, was man als Underdog am Millerntor schaffen kann, deshalb sollten wir uns auf die Partie freuen.“