Basketball

Nowitzkis Traum vom großen Wurf

Der Basketball-Star will mit Dallas noch einmal den NBA-Titel gewinnen. Dafür verzichtete er auf viele Millionen Dollar

Den ersten Titel gewann Dirk Nowitzki noch vor dem ersten Sprungball. In der vergangenen Woche wählten die NBA-Manager den Deutschen vor dem Franzosen Tony Parker zum derzeit besten ausländischen Profi der nordamerikanischen Profiliga. Diese Ehrung wird den 36-jährigen Basketball-Star aus Würzburg sicher freuen – allzu viel bedeuten wird sie ihm nicht. Viel wichtiger sind ihm der Erfolg mit den Dallas Mavericks und der große Traum, im Spätherbst seine Karriere mit den Texanern nach 2011 noch ein zweites Mal Champion zu werden.

Diesem Ziel ordnet er alles unter – und verzichtete auf viel Geld. Mit seinem neuen, bis 2017 laufenden Vertrag hätte Nowitzki insgesamt 30 Millionen Dollar mehr verdienen können. Er gab sich für diesen Zeitraum mit 25 Millionen Dollar zufrieden, um seinem Klub finanziellen Spielraum zu verschaffen, Verstärkungen zu verpflichten, mit denen er „noch mal richtig angreifen“ kann. Die Saison beginnt in der Nacht zu Mittwoch mit der Partie bei Titelverteidiger San Antonio Spurs, an denen die Mavericks zuletzt in der ersten Play-off-Runde 3:4 gescheitert waren.

Mavericks deutlich verstärkt

Während der 36-jährige Kobe Bryant seinen Vertrag bei den Los Angeles Lakers noch einmal äußerst lukrativ verlängerte, musste Nowitzki sich seinen ungewöhnlichen Schritt nicht lange überlegen. Klubbesitzer Mark Cuban sei in seiner ganzen Karriere „wahnsinnig loyal“ zu ihm gewesen. „Er hat mich super bezahlt, mich mit 24 Jahren zu seinem Franchise-Player gemacht. Deshalb war es für mich kein Problem.“ Ein Vereinswechsel kam sowieso nicht infrage: „Ich gehöre in diese Stadt.“ In der er seine Frau Jessica kennenlernte, und in der 2013 die gemeinsame Tochter Malaika geboren wurde.

Cuban bedankte sich bei seinem Kapitän und holte mit Center Tyson Chandler einen Profi von den New York Knicks zurück, der zum Dallas-Meisterteam von 2011 gehörte. Für die Position machten die Mavericks auch dem deutschen Nationalspieler Tibor Pleiß ein Angebot. Doch Oklahoma City Thunder, das die NBA-Rechte an dem 2,16-Meter-Mann hält, hatte andere Pläne, so dass Pleiß zum FC Barcelona ging. Außerdem verpflichtete Dallas mit Flügelspieler Chandler Parsons von den Houston Rockets einen starken Werfer, der Nowitzki mehr Räume verschaffen soll. Das ist auch nötig, denn der große Blonde geht in seine 17. NBA-Saison, die sehr kräftezehrend wird. Im Herbst 2015 will er mit dem deutschen Nationalteam bei der EM antreten. Die Vorrunde wird in Berlin gespielt – und bei optimalem Verlauf winkt die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio.

Nowitzki blickt optimistisch auf die neue Spielzeit: „Die letzten drei Jahre sind etwas dahingeplätschert, das muss man leider so sagen.“ Doch jetzt habe sich durch die Verstärkungen vieles geändert: „Wir haben Qualität ohne Ende und werden eine richtig gute Mannschaft haben.“ Dabei müssen die neuen Mavericks jedoch noch die richtige Balance finden: „Offensiv wird es gut laufen, da haben wir jede Menge Optionen. Aber in der Defensive müssen wir noch besser werden.“ Der Kader scheint jedenfalls so stark wie zuletzt beim Titelgewinn. Nicht ohne Grund hofft er auf die „Magie von 2011“.

Nowitzki spielte 2013/14 mit im Schnitt 21,7 Punkten pro Partie seine individuell stärkste Saison seit drei Jahren und rückte mit 26.786 Zählern auf Platz zehn der ewigen Topscorerliste der NBA vor, am Saisonende könnte er sogar auf Rang sieben stehen. Trotzdem und ungeachtet der vielen PR-Termine für die Kinodokumentation über sein Leben („Der perfekte Wurf“) arbeitete er im Sommer wieder mit seinem Entdecker Holger Geschwindner an der Weiterentwicklung seines Spiels – und studierte eine neue Wurftechnik ein: „Ich glaube nicht, dass man es mit bloßem Auge sieht. Das ist ein kleiner Trick für mich, schneller zu werfen.“

Topfavoriten sind andere

Trotz der Verstärkungen gehört Dallas nicht zu den Topfavoriten. Bessere Chancen haben die Spurs, die ihr Meisterteam um Parker, Tim Duncan, Manu Ginobili und Kawhi Leonard kaum veränderten. Auch Oklahoma mit dem Duo Kevin Durant (MVP der vergangenen Saison) und Russell Westbrook sowie die Los Angeles Clippers mit dem Top-Point-Guard Chris Paul sind stärker besetzt. Den Lakers hingegen droht mit einem kaum konkurrenzfähigen Kader eine ganz bittere Saison.

Im Osten gehen alle Blicke zu den Cleveland Cavaliers, die durch die Rückkehr von LeBron James aus Miami und die Verpflichtung von Kevin Love zum Titelkandidaten aufstiegen. Ihr härtester Konkurrent sind die Chicago Bulls mit dem wiedergenesenen Spielmacher Derrick Rose und dem neu verpflichteten Spanier Pau Gasol. In dieser traditionell schwächeren Conference haben die Atlanta Hawks mit Dennis Schröder gute Chancen auf das Erreichen der Play-off-Runde.

Für den deutschen Nationalspieler geht es in seiner zweiten NBA-Saison darum, den nächsten Schritt zu machen: 49 von 82 Spielen in der regulären Saison mit durchschnittlich 13 Minuten Einsatzzeit sowie 3,7 Punkten und 1,9 Vorlagen sind ausbaufähig. Der 21-Jährige spielte in der Vorbereitung meist stark, er ist überzeugt, dass er sich deutlich steigern wird. Denn er hat viel an seinem Wurf gearbeitet und daran, wie er seine enorme Schnelligkeit noch besser einsetzen kann: „Ich will der Mannschaft helfen, Spiele zu gewinnen. Statistiken sind für mich nicht so wichtig“, sagt er. Die zweite Play-off-Runde scheint ein realistisches Ziel.

Die wäre für die Mavericks zwar auch eine kleine Verbesserung gegenüber der Vorsaison, für Nowitzki aber viel zu wenig: „Das Gefühl von 2011, die Wahnsinnsfreude in Dallas, die gigantische Freude in Würzburg, als Zehntausende Leute vor der Residenz standen und mir zugejubelt haben. Das Gefühl noch mal zu erleben, wäre das Ultimative.“ Der lange Weg zu diesem großen Ziel beginnt für Nowitzki und die Mavericks in San Antonio.