Fußball

Real entzaubert Barcelona

Madrid gewinnt den Clasico trotz der Rückkehr von Beißer Suarez mit 3:1

Carlo Ancelotti ist ein Edelmann mit Gespür für die Details, und so wechselte der Trainer von Real Madrid sie in der Schlussphase einen nach dem anderen aus – die Helden des Abends. Erst Isco, dann Karim Benzema, schließlich Luka Modric. Richtig, dieser Clasico muss nicht über Messi erzählt werden, nicht über Ronaldo, nicht mal über Rückkehrer Luis Suarez. Ein Spektakel war er trotzdem. Ein enorm vitales, bisweilen euphorisches Real schlug den FC Barcelona mit 3:1 (1:1), schraubte die Allzeit-Bilanz auf 92:89 Siege und verkürzte den Rückstand im spanischen Liga-Klassement auf einen Punkt hinter den Katalanen.

Vom „Rey de Reyes“, dem „König der Könige“, hatten die Fans schon vor dem Anpfiff in einer Choreographie gekündigt. Ihr ja sowieso nie geringes Selbstbewusstsein schlug bis zur Grenze der Galaxis aus – ein 3:0 beim FC Liverpool vorangegangen von diversen Schützenfesten gegen die Laufkundschaft der Liga machten es möglich. Dem Hochgefühl schuldete sich dann wohl auch der überhebliche Einstieg in die Partie. Weltstar Neymar ließen Carvajal und Pepe in der vierten Minute gewähren, als handele es sich um einen Stürmer von Almeria. Schon stand es 0:1.

Die präzise Vorarbeit mit einem Flügelwechsel exakt auf den rechten Fuß des Brasilianers hatte Suarez gegeben. Am Tag des Ablaufs seiner viermonatigen Biss-Sperre erfuhr der Uruguayer anderthalb Stunden vor Spielbeginn von seinem Einsatz, okkupierte verlässlich die rechte Angriffsseite und sprach später von einem „bittersüßen“ Abend – der sicher anders verlaufen wäre, hätte auch sein anderer Sturmkollege eine seiner Vorlagen genutzt. Doch ein Reflex von Iker Casillas verhinderte in der 23. Minute das 0:2 durch Messi, der damit den Rekord von 251 Ligatoren egalisiert hätte. Zu diesem Zeitpunkt orchestrierte Barca bequem seine Passstafetten, während Reals wütende Drangphase nach dem Rückstand nur zwei Lattentreffer von Karim Benzema produziert hatte – beide in derselben Szene, mit Kopf und Fuß (11.). Es wurde still im Bernabeu.

Doch dann gab es Elfmeter. Es war eine richtige Entscheidung, Piqué hatte eine Flanke von Marcelo am Boden mit der Hand abgewehrt (35.). Cristiano Ronaldo ließ sich die Chance nicht entgehen. Wer sonst als er (16 Saisontreffer) sollte die Unverwundbarkeit von Barca-Keeper Claudio Bravo beenden, der in allen acht Saisonspielen zu Null gespielt hatte. Bald bescherte ein Kopfball von Pepe nach wunderbar gedrehtem Eckball von Toni Kroos die Führung (50.) und bereitete das Terrain für die beste Kontermannschaft der Welt. Das Spiel wurde nun zum Monolog der Madrilenen – des jungen Isco, aufgeboten statt des verletzten Gareth Bale, der mit einem furiosen Laufduell gegen Andres Iniesta den Angriff zum 3:1 provozierte. Des atemberaubend kompletten Mittelstürmers Benzema, der den Angriff vollendete (61.). Des Kroaten Modric, der ein paar technische Details der Extraklasse zelebrierte.

Delikatessen, wie man sie früher von Barca sah. Das Publikum feierte mit olé-Rufen einen Sieg, den Gäste-Trainer Luis Enrique „verdient“ nannte und deren Meriten Ancelotti, ganz Gentleman, an die gesamte Elf weitergab: „Ich bin stolz auf diese Mannschaft, ihre Professionalität ist einmalig.“