Handball

„Schlimmer hätte es nicht kommen können“

Die Füchse Berlin müssen im EHF-Cup gleich gegen das französische Spitzenteam aus Nantes antreten

Das passt so richtig schön ins Bild, das die Füchse Berlin gerade abgeben. Deshalb sagt Geschäftsführer Bob Hanning auch: „Ich habe nichts anderes erwartet als ein schweres Los im EHF-Cup.“ Und so kam es am Dienstagvormittag in Wien auch. In der 3. Runde des unter der Champions League angesiedelten europäischen Wettbewerbs wurde dem Berliner Handballklub der französische Vertreter HBC Nantes zugeteilt. Ein sehr schweres Los für die Füchse, die zurzeit bekanntlich von Verletzungen gebeutelt sind und mit 10:10 Punkten einen schwachen Saisonstart in der Bundesliga hingelegt haben.

„Schlimmer hätte es nicht kommen können“, stellt Trainer Dagur Sigurdsson fest. Nantes ist Zweiter in der französischen Liga hinter der Millionentruppe von Paris St. Germain. 2013 unterlag der HBC im Finale um den EHF-Cup gegen die Rhein-Neckar Löwen, 2014 scheiterte Nantes im Viertelfinale am späteren Zweiten Montpellier. „Für die Zuschauer ist das ein Leckerbissen, sportlich eher eine Herkulesaufgabe“, erklärt Hanning.

Dass die Berliner zuerst in der Schmeling-Halle (voraussichtlich 23. November/17.15 Uhr) anzutreten haben, ist auch nicht unbedingt ein Vorteil. Es gilt, sich ein Torepolster herauszuwerfen für das Rückspiel im Westen Frankreichs (29./30. November). Der Sieger zieht in die Gruppenphase ein, in der vier Gruppen mit jeweils vier Teams gebildet werden. In der vergangenen Saison hatten es die Berliner bis ins Final Four in eigener Halle geschafft, am Ende wurden sie Dritter.

Doch erst einmal ist für die Füchse Europa ganz weit weg, aktuell ist hingegen Essen. Beim Traditionsklub Tusem, nach vielen Turbulenzen in den vergangenen Jahren inzwischen in der 2. Liga gelandet, haben die Berliner am Mittwochabend in der 2. Runde um den Pokal des Deutschen Handballbundes (DHB) zu spielen. Natürlich sind die Füchse Favorit, natürlich haben sie als Titelverteidiger auch diesmal höchste Ambitionen. Vor gut sechs Monaten feierte der Berliner Klub den ersten Titel seiner Geschichte. Zudem weist Hanning auf einen anderen Aspekt hin: „Der Pokal ist elementar wichtig für die Finanzierung der Mannschaft.“

Essen darf da kein Stolperstein für die instabilen Berliner sein, bei denen eventuell wieder Pavel Horak zum Kader gehören wird. Die Tusem-Mannschaft von Trainer Mark Dragunski war von Saisonbeginn an von Verletzungssorgen geplagt. Langsam kam zuletzt aber der eine oder andere der Verletzten zurück. Dennoch steht Tusem momentan auf dem drittletzten Tabellenplatz. Das Ziel des Zweitligisten, ein oberer Mittelfeldplatz, ist in weiter Ferne.

Am Mittwoch im Pokal gegen Essen

Die Partie ist für Hanning „etwas Besonderes“. Für ihn ist es eine Reise in die Vergangenheit. Schließlich wurde der Geschäftsführer vor 46 Jahren in der Stadt an der Ruhr geboren, er wuchs dort auf. Als A-Jugendtrainer und Co-Trainer der ersten Mannschaft war er einst bei Tusem tätig. „Natürlich sind da viele Emotionen mit verbunden.“

Die Füchse werden in Essen im Handball-Leistungszentrum untergebracht sein, dort, wo Hanning „vor knapp 30 Jahren den Lehrgang für meinen ersten Trainerschein“ absolvierte. Manchmal sei ein „Zurück zu den Wurzeln“ gar nicht so schlecht, meint Hanning. Er selbst ist in Essen am Mittwochnachmittag bei einer Trainerfortbildung aus alter Verbundenheit als Referent aktiv.