Basketball

Vom Himmel geholt

Alba Berlin kassiert in der Europaliga gegen ZSKA Moskau die erste Saisonniederlage: „Unser schlechtestes Spiel“

In der Basketball-Bundesliga Tabellenführer, in der Europaliga noch ein Lehrling: Alba Berlin hat am Freitagabend in der O2 World seine erste Saison-Niederlage hinnehmen müssen. Schämen muss sich die Mannschaft von Sasa Obradovic dafür nicht, denn das 68:84 (38:44) kam gegen einen Kontrahenten zustande, der in den vergangenen zwölf Jahren elf Mal im Final Four dieses Wettbewerbes gestanden hat. Und der auch jetzt wieder zu den Favoriten zählt. Allerdings fiel das Resultat gegen ZSKA Moskau zu hoch aus.

Der erfolgreichste Mann beim russischen Meister ist der Trainer – fünf Mal hat der Grieche Dimitris Itoudis bereits die Euroleague gewonnen. Allerdings war der 44-Jährige da noch bei Panathinaikos Athen Co-Trainer des legendären Zeljko Obradovic, dem er insgesamt 13 Jahre lang assistierte. Nun steht er bei ZSKA in verantwortlicher Position vor keiner geringeren Aufgabe, als diesen Erfolg dort zu wiederholen. Geld genug für die Verpflichtung erstklassiger Spieler steht ihm dabei zur Verfügung, wie ein Beispiel zeigt. ZSKA musste in Berlin ohne den verletzten US-Amerikaner Demetris Nichols, dessen russischen Leidensgenossen Victor Khryapa und den ebenfalls ausfallenden französischen Europameister Nando de Colo antreten. Allesamt haben bereits in der NBA Erfahrungen gesammelt, alle würden bei Alba vermutlich in der Startformation stehen. Aber ihr Fehlen schien den Gästen nicht wirklich Probleme zu bereiten. Es sind ja genügend andere Stars da.

Umstrittene Schiedsrichterpfiffe

Itoudis leistete sich zudem den Luxus, den serbischen Vizeweltmeister Milos Teodosic zunächst auf der Bank zu lassen. Doch auch ohne ihn dominierte Moskau die Partie von Beginn an. Schneller, athletischer und nicht weniger verbissen in der Abwehr als Alba drückten die Russen aufs Tempo und gingen schnell mit 19:10 in Führung. Allerdings ließen sich die Berliner nicht beeindrucken und kämpften nimmermüde gegen den überlegenen Kontrahenten an. Beim 21:21 in der elften Minute herrschte prächtige Stimmung unter den 8886 Zuschauern in der O2 World. Sollte dem Erfolg gegen Bayern München im Champions Cup und der Sensation beim 94:93-Sieg gegen NBA-Champion San Antonio Spurs eine weitere positive Überraschung folgen?

Was folgen sollte, war die erste Saison-Niederlage in einem Pflichtspiel. Denn ZSKA reagierte sofort, erhöhte erneut den Druck und verstand es auch sehr gut, die Schiedsrichter ins Geschehen einzubeziehen. Eine Unschuldsmiene hier, eine kurze Diskussion dort – die Unparteiischen trafen just in dieser wichtigen Phase einige für Alba sehr ärgerliche Entscheidungen. Aber das gehört wohl zu den Dingen in der Euroleague, die sie noch lernen müssen: Die Champions genießen dort einen gewissen Bonus, den sie sich über die Jahre erarbeitet haben. Nicht schön, peinlich für die Schiedsrichter, aber nicht neu.

Alba versuchte unerschrocken dagegenzuhalten und wehrte sich nach Kräften. Ein Dreier mit der Halbzeitsirene durch Reggie Redding zum 38:44 machte den nun immer wütender pfeifenden Fans wieder Hoffnung.

Aber in der zweiten Hälfte wurde es nicht besser. Die merkwürdigen Pfiffe setzten sich fort. Wenigstens traf der bis dahin noch punktlose Clifford Hammonds nun erstmals. Dennoch zog ZSKA erstmals auf einen zweistelligen Vorsprung davon (51:40, 24. Minute) und erhöhte gar auf 16 Punkte (62:46), nachdem Alex Renfroe ein fragwürdiges unsportliches Foul kassiert hatte.

Noch einmal gelang es Leon Radosevic, kurz nach Beginn des Schlussviertels die Berliner auf zehn Zähler heranzubringen (52:62). Doch die Entscheidung über den Sieger, der von Teodosic (15 Punkte), den Amerikanern Aaron Jackson (10) und Sonny Weems (15) hervorragend geführt wurde, war jetzt schon gefallen, zu bestimmend traten die Gäste auf. Und die Alba-Defense war jetzt auch keine entschlossene Verteidigung mehr, zu viele leichte Körbe wurden ZSKA gestattet. Beste Werfer bei den Berlinern waren Reggie Redding (11), Niels Giffey und Jamel McLean (je 9). Leon Radosevic war sauer: „Das war unser schlechtestes Spiel, seit ich im vergangenen Sommer zu Alba gekommen bin. Wir haben nicht unser wahres Gesicht gezeigt und Moskau viel zu viel erlaubt.“ Am Sonntag bei Bundesliga-Aufsteiger Crailsheim Merlins wird Alba es leichter haben.