Radsport

EM in der Karibik sorgt für Probleme bei Bahnrad-Assen

Hitze, Regen und Betonbahn stören Starter in Guadeloupe

Nach zwei Tagen Dauerregen im Urlaubsparadies war die Stimmung bei Bahnrad-Bundestrainer Detlef Uibel auf dem Tiefpunkt. „Es ist mehr als fragwürdig, was man hier macht und eigentlich nicht ganz nachvollziehbar“, sagte Uibel. Ab Donnerstag geht es bei den Europameisterschaften im französischen Übersee-Département Guadeloupe nicht nur um Medaillen, bei den Wettkämpfen in der Karibik werden auch die ersten Punkte in der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio vergeben.

Doch die Bedingungen vor Ort drohen den Wettbewerb zu verzerren. Das Klima ist tropisch, von glühender Hitze bis zu heftigen Regenfällen haben die 17 Athleten des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) das sich schnell ändernde Wetter bereits kennengelernt. Am Dienstag war gar die komplette Trainingseinheit wegen Starkregens ausgefallen. Dazu fällt die 333 Meter lange zementierte Freiluft-Bahn im Vélodrome Amédée Detraux in Baie-Mahault aus dem Rahmen. Ausdauer-Bundestrainer Sven Meyer schimpfte indes eher über die Bahn: Schon die Weltmeisterschaft im Frühjahr auf der halboffenen 250-Meter-Holzbahn in Cali (Kolumbien) sei grenzwertig gewesen, doch die EM sei nur „ein Witz. Das jetzt ist ganz weit weg vom internationalen Standard“.

Angesichts des Wettkampfes unter freiem Himmel könnten sich die Bedingungen sogar während der Rennen ändern. „Es kann klare Benachteiligungen geben“, befürchtet Uibel. Der Weltverband UCI hatte lange vergeblich nach einem EM-Ausrichter gesucht, bis sich die Verantwortlichen aus Guadeloupe meldeten. Bei den Sportlern herrschte im Vorfeld bei aller Skepsis aber auch Vorfreude. „Ich war noch nie in der Karibik“, sagte etwa Miriam Welte.

Die Teamsprint-Olympiasiegerin will an der Seite ihrer Erfolgspartnerin Kristina Vogel einen Makel in der Titelsammlung beseitigen. „Ich habe noch keinen EM-Titel mit Kristina. Es wäre echt cool, wenn wir es schaffen, Europameister zu werden und auch in den Einzeldisziplinen gute Platzierungen erreichen“, sagte die 27-Jährige.

Bei den Männern ruhen die Hoffnungen vor allem auf Sprinter Robert Förstemann, der Kraftprotz dürfte von der längeren Bahn profitieren. Der EM-Zweite von 2013 greift nach dem Titel, der auch einen direkten Startplatz bei der WM Mitte Februar in Paris garantieren würde. Im Teamsprint gehen für den Titelverteidiger neben Förstemann wohl Tobias Wächter und Eric Engler an den Start. Sollten die deutschen Asse an die Bilanz des Vorjahres (je drei Gold und Silber) anknüpfen können, wäre der Frust über die Bedingungen schnell vergessen. „Wenn man positive Ergebnisse hat, wird man es im Nachhinein auch lockerer sehen“, sagte Bundestrainer Uibel.