Spielabbruch

Eingeflogener Eklat

Die Drohne mit großalbanischer Fahne sorgt für ein Politikum in der EM-Qualifikation. Uefa nimmt Ermittlungen auf

Gegen die plötzlich heranschwebende Drohne mit der großalbanischen Fahne konnten auch 3500 serbische Polizisten am Boden nichts mehr ausrichten. Der Abbruch des EM-Qualifikationsspiels zwischen den Erzfeinden Serbien und Albanien am Dienstag hat urplötzlich wieder die gespannten Beziehungen der beiden Nachbarn in den Mittelpunkt gerückt und auch im europäischen Fußball für einen Skandal gesorgt.

Fifa-Präsident Joseph Blatter sowie Uefa-Boss Michel Platini zeigten sich gleichermaßen entsetzt. Beide Verbandschefs warnten, der Fußball solle niemals für politische Botschaften benutzt werden. „Ich missbillige zutiefst, was letzten Abend in Belgrad geschehen ist“, schrieb Blatter am Mittwoch auf Twitter angesichts der Jagdszenen im Partizan-Stadion. Die Drohne mit der provozierenden Fahne flog in der 42. Minute über das Spielfeld. Der Freiburger Bundesligaprofi im serbischen Team, Stefan Mitrovic, riss sie an sich. Daraufhin gingen albanische Spieler auf ihn los. Zudem stürmten aufgebrachte serbische Zuschauer auf das Spielfeld. Die Begegnung wurde daraufhin abgebrochen.

Platini erinnerte daran, dass der Fußball die Menschen zusammenbringen und nicht mit Politik jeglicher Art vermischt werden solle. „Die Szenen in Belgrad waren unentschuldbar“, erklärte der Franzose. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) ermittelt gegen beide Verbände. Serbiens Außenminister Ivica Dacic erhob schwere Vorwürfe und sprach von einer geplanten Provokation albanischer Extremisten. „Serbien trägt keinerlei Verantwortung für den Spielabbruch“, sagte der Politiker. „Besonders problematisch ist die Tatsache, dass das der Bruder des albanischen Premiers getan hat, der hier Gast sein sollte“. Albaniens Regierungschef Edi Rama will am 22. Oktober als erster Premier seines Landes nach fast 70 Jahren erstmals Belgrad besuchen.

Bei seinem Bruder Olsi sei die Fernsteuerung für die Drohne gefunden worden, berichteten serbische Medien unter Berufung auf die Polizei. Olsi Rama sei in der VIP-Loge des Stadions vorübergehend festgenommen worden. Rama sei aber schnell wieder freigelassen worden. Er selbst bestritt allerdings jede Verwicklung in den Skandal.

In Tirana und in der Kosovo-Hauptstadt Pristina wurden die serbischen Spieler, die sich gegen die Fahne wehrten, gefeiert. Vizeregierungschef Niko Peleshi und Sportministerin Lindita Nikolla begrüßten die zurückgekehrte Mannschaft. Alle Albaner könnten stolz sein auf das Team, sagten die beiden Politiker vor jubelnden Fans. Die gesamte Regierung stehe hinter dem Team. Die albanische Nation könne stolz sein „auf die Werte, die die Spieler auf dem Rasen gezeigt haben“. Der serbische Fußballverbands-Vize Goran Milanovic sagte: „Stellen Sie sich nur mal eine Situation vor, in der Israel Deutschland in Tel Aviv empfängt und jemand eine Hakenkreuzfahne mit dem Kopf Adolf Hitlers entrollt. Etwas Ähnliches hat sich nun ereignet.“ In serbischen Medien wurde indes eine Mitschuld der Uefa diskutiert. Während politische Kontrahenten wie Spanien und Gibraltar in verschiedenen Gruppen spielten, habe man im Falle Serbiens und Albaniens den Auftritt der politischen Feinde in einer gemeinsamen Gruppe zugelassen. Die Uefa wies die Vorwürfe zurück: „Die beiden Verbände hatten sich nach der Auslosung nur darauf verständigt, die Partien ohne Gästefans auszutragen“, so ein Sprecher.

Der Vorfall in Belgrad könnte darüber hinaus auch Folgen für die Bundesliga haben: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) kündigte an, in einer nächsten Sitzung der Kommission Prävention und Sicherheit über die Gefahren, die von Drohnen für Fußballstadien ausgehen können, zu beraten.