Einsatz

Eine Keilerei, die Freude macht

Bei Hertha geraten Ronny und John Heitinga aneinander. Trainer Luhukay sieht das vor dem Schalke-Spiel als gutes Omen

Wenn es tatsächlich so ist, was erfahrene Fußballfachmänner sagen, dass man nämlich so spielt, wie man trainiert, dann müssen sie sich in Gelsenkirchen auf etwas gefasst machen. Beim Berliner Bundesligaklub Hertha BSC, der am Sonnabend auf Schalke antreten wird, haben sie am Dienstagmorgen beim Training schließlich schon einmal eine besondere Härte im Umgang geprobt.

Ronny fiel da in der Trainingspartie auf den Hosenboden, und weil sein Gegenspieler John Heitinga hinter ihm nicht mehr abbremsen konnte, haute er dem Brasilianer sein Knie kräftig an den Hinterkopf. Das gefiel Ronny natürlich nicht, und der nahm das sogleich zum Anlass, eine kleine Keilerei vom Zaun zu brechen: Noch am Boden liegend trat der 28-Jährige seinem Teamkameraden in den Allerwertesten. Als Heitinga das seinerseits ebenfalls wenig erbaulich fand und sich böse guckend über Ronny beugte, sprang dieser auf und rempelte den Niederländer grimmig zur Seite. Und wer weiß, was das noch gegeben hätte, wäre nicht der besonnene Christoph Janker schlichtend dazwischen gesprungen, um die Streithähne zu trennen. Dass man sich unter Kollegen auch mal aufs Maul haut, hat es ja in der reichhaltigen Geschichte der Bundesliga alles schon gegeben.

Jene Geschichte aber zeigt auch, dass erfahrene Fußballfachmänner derlei Fälle von überbordender Maskulinität im Nachhinein gern zu etwas Positivem umdeuten. Steckt halt Feuer drin in der Truppe. Die sind schön gallig, heißt es dann. Jos Luhukay ist so ein erfahrener Fußballfachmann und in dieser Funktion tat er, was er tun musste: „Alles gut“, sagte Herthas Trainer auf das Handgemenge angesprochen. „Ich will ja Aggressivität sehen. Auch am Sonnabend auf Schalke wird uns ein aggressiver Gegner erwarten, der vor den eigenen Fans ein bisschen Wiedergutmachung betreiben will.“ So eine Trainingskeilerei kann also nicht nur die Zuschauer am Spielfeldrand belustigen, sondern auch dem Trainer Freude machen. Und ein gutes Omen ist sie auch noch. Erwähnt sei hier noch, dass Heitinga das Ganze später ebenso unproblematisch sah: „War nicht schlimm, so ist Fußball eben“, sagte er. Ein weniger gutes Omen allerdings ist der Umstand, dass sich Hertha gerade mal wieder aus einer Länderspielpause zurück in den Ligaalltag schieben muss. Als das zuletzt Anfang September geschah, da bekam das bis dahin einigermaßen vernünftige Spiel der Berliner eine heftige Delle. Zwei erschreckend schwache Auftritte gegen Mainz (1:3) und Freiburg (2:2) folgten, und Luhukay klagte, dass er aufgrund der Absenz zahlreicher Nationalspieler seine neu zusammengestellte Mannschaft nicht wirklich habe zusammenführen können. Nun waren erneut neun Spieler bei ihren Nationalteams in den vergangenen anderthalb Wochen und trudeln nur langsam wieder bei Hertha ein. Der letzte wird am Donnerstag Stürmer Salomon Kalou sein, der noch am Mittwoch mit der Elfenbeinküste gegen den Kongo antreten muss. Luhukay behagt das nicht: „Wir konnten die Mannschaft kaum weiterentwicklen, weil eine echte Taktikschulung mit so wenigen Spielern kaum möglich war“, sagte der 51-Jährige. Im Endeffekt habe er sein Team nur einen Tag vor dem Schalke-Spiel komplett zusammen. Schön ist anders.

Nach der vorigen Länderspielpause hatte sich Luhukay entschieden, einige der weit gereisten Nationalspieler wie Hajime Hosogai und Kalou gegen Mainz gar nicht oder erst spät aufzubieten. Das ging schief, und nun würde der Trainer am liebsten wieder dieselbe Mannschaft aufstellen, die zuletzt gegen Stuttgart (3:2) gewann. „Eigentlich braucht man nichts zu ändern an der Startelf, weil es gegen Stuttgart eine gute Mannschaftsleistung war. Aber ich weiß noch nicht, in welcher Verfassung die Spieler zurückkehren werden“, sagte er. Seit der kleinen Trainingsprügelei am Dienstag kann sich Luhukay zumindest gewiss sein, dass sein Team so richtig schön gallig ist.