Hertha BSC

Heimlich, still und leise

Roy Beerens ist auf dem Weg, einer der wichtigsten Transfers für Hertha zu werden

Fußballprofi zu sein, bedeutet heutzutage eigentlich, zwei Jobs gleichzeitig zu verrichten. Der eine, das war schon immer so, besteht darin, vernünftig gegen den Ball zu treten. Der andere verlangt nun aber – und das wird manchmal übersehen – eine hübsche Selbstinszenierung. Wer ganz nach oben will, muss beides können – Liebling der Trainer und der Medien sein.

Salomon Kalou zum Beispiel kriegt das gut hin: Der schillernde Ivorer liefert auf dem Feld und nebenan in der Mixed-Zone. Mit ihm lässt sich jeden Tag in der Woche eine Zeitungsseite füllen, weil er nicht nur gut Fußball spielen kann, sondern auch ein fetziger Typ ist. Roy Beerens dagegen findet selten statt im Blätterwald. Gut Fußball spielen kann auch er, aber so richtig fetzig ist der Niederländer nicht. Keine prominenten Kumpel. Keine gewagten Outfits. Nichts.

Doch während Kalou im Scheinwerferlicht steht, hat sich Beerens im Hintergrund heimlich, still und leise auf den Weg begeben, ein ähnlich wichtiger Transfer des vergangenen Sommers für die Berliner zu werden. Als sie ihn für 1,5 Millionen Euro vom AZ Alkmaar verpflichteten, war der 26-Jährige nur wenigen ein Begriff. Nach einem Fünftel der Saison aber hat sich Beerens – zumindest im ersten seiner beiden Jobs – schon einen Namen gemacht. Neben Kalou ist er von allen neun Zugängen am schnellsten angekommen. Als einziger Hertha-Profi stand er in allen sieben Ligaspielen von Beginn an auf dem Feld. Die langjährige Problemzone im rechten Mittelfeld der Blau-Weißen hat er mit seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke gestopft. Beerens ist einer von der Sorte Ballstreichler, „mehr ein Vorbereiter als ein Vollstrecker“, sagt sein Trainer Jos Luhukay. Ein Tor aufgelegt hat er schon, haufenweise Flanken geschlagen und zuletzt gegen Stuttgart (3:2) seinen ersten Bundesligatreffer erzielt. Aber anstatt das nun zu nutzen, um Part zwei der Jobbeschreibung zu erfüllen, sagt Beerens solche Sätze: „Das war ein schönes Gefühl.“ Oder: „Bislang läuft alles gut. Ich hoffe, dass ich hier das Niveau erreichen kann, das ich mir wünsche.“

Beerens ist ein eher introvertierter Typ, der das mit den Medien mehr pflichtbewusst erledigt. Luhukay kann das dafür umso besser, was deswegen gut ist, weil ja auch Bundesligatrainer zwei Jobs haben. Über Beerens sagt der Niederländer: „Roy ist kein Lautsprecher, aber er gibt uns das, was wir wollten: Schnelligkeit und die Stärke bei Eins-gegen-Eins-Situationen. Wir sind bisher sehr zufrieden mit ihm, aber er hat auch noch Luft nach oben.“ Dass er den Übergang von der niederländischen in die deutsche Liga so schnell geschafft hat, „davor habe ich Respekt“, sagt Luhukay. Nach Stationen in Eindhoven, Nijmegen, Heerenveen und Alkmaar hat Beerens erst mit 26 den Sprung ins Ausland gewagt. „Das ist aus meiner Sicht das perfekte Alter“, sagt er. Er sei auch deshalb so schnell angekommen, weil Landsmann John Heitinga wie bei Kalou als Integrationsbeauftragter fungiert: „Unsere Frauen und Kinder haben einen guten Draht zueinander. So fühlt man sich schnell heimisch.“ Er sei nun auch stärker als zu Saisonbeginn – „physisch und mental. Ich weiß jetzt besser, was der Trainer von mir möchte“.

Roy Beerens hat sich vorgenommen, einfach mal so weiterzumachen und, wenn es geht, noch ein paar Tore mehr schießen. Gern schon gegen Schalke am Sonnabend. „Wenn wir leidenschaftlich spielen, können wir da auch gewinnen“, sagt er. Solche Sätze machen ihn vielleicht nicht zum Liebling der Medien. In Luhukays Gunst aber steht er weit oben.