Handball

Nur keine Panik

Trotz eines holprigen Saisonstarts wollen die Handball-Füchse Meister Kiel ärgern

Das Sofa in der Kabine ist begehrt. Vor allem nach dem Training zum Entspannen, oder wenn es mal Redebedarf zwischen den Handball-Profis gibt. Dazu ein Erfrischungsgetränk aus dem Kühlschrank nebenan, und schon laufen die Gespräche. Die große Couch hat Torhüter Silvio Heinevetter organisiert und ist ein Volltreffer. Geredet wurde zuletzt viel in Füchse Town, dem Trainingszentrum des Bundesligisten. Schließlich läuft es in dieser Saison noch nicht ganz rund, mit 8:6 Punkten belegen die Füchse vor dem Spitzenspiel am Sonnabend gegen Meister THW Kiel (16.15 Uhr, Schmeling-Halle) nur Rang acht.

Der aktuelle Tabellenplatz mag angesichts der Erfolge der vergangenen Spielzeiten, wo die Füchse am Ende auf den Plätzen 3 (2011/12), 4 (2012/13) und 5 (2013/14) eingelaufen waren, ein wenig dürftig erscheinen, große Unruhe herrscht im Fuchsbau aber nicht. „Wir werden nicht den Panikknopf drücken, weil wir drei Spiele verloren haben“, stellt Trainer Dagur Sigurdsson klar. Und Heinevetter ergänzt: „Wir haben nicht den komfortablen Vorsprung wie in den letzten Jahren, aber jetzt eine Krise herbeizurufen, wäre völlig übertrieben.“ Und so gucken die Berliner mit Vorfreude auf das Duell mit dem deutschen Rekordmeister, der seinerseits immerhin auch schon zwei Niederlagen kassieren musste. „Wir haben gegen Kiel die Chance, alles wieder ins rechte Licht zu rücken“, frohlockt Heinevetter, „ich freue mich auf das Spiel, wichtiger aber ist, dass wir Punkte einfahren.“

Seit 2009 spielt Heinevetter für die Füchse, er ist einer der dienstältesten Profis beim Hauptstadtklub und hat großen Anteil daran, dass Handball in Berlin wieder in ist und die Füchse zu einer der Top-Adressen im internationalen Geschäft geworden sind. Dass es nicht immer nur bergauf geht, gehört zum Sport dazu. „Und es ist interessant zu sehen, wie die Mannschaft arbeitet, wenn es mal nicht so gut läuft, da zeigt sich doch der wahre Charakter eines jeden“, sagt Heinevetter. Er liefert das Ergebnis seiner Beobachtungen gleich mit: „Fakt ist, alle arbeiten sehr gut, das stimmt mich positiv.“ Man müsse weiter arbeiten, „dann stellt sich der Erfolg auch wieder ein“. Das Klima im Team sei jedenfalls intakt. „Die Moral der Jungs ist super.“

Als ein „Gegner, der sich auf Formsuche befindet“, bezeichnete der THW die Füchse vor dem Anwurf. Die Gründe dafür sind offenkundig. Mit Spielmacher Bartlomiej Jaszka (Schulter) und Abwehrchef Denis Spoljaric (Hand) fehlen zwei Leistungsträger, dazu fallen auch noch Rückraumshooter Pavel Horak (Ellbogen) und Linksaußen Colja Löffler aus (Knie). Zwar wurden mit Regisseur Petar Nenadic und Abwehrrecke Kasper Nielsen zwei Top-Leute nachverpflichtet, doch gerade Spoljaric ist eben nicht gleichwertig zu ersetzen. „Es braucht Zeit, bis die Mannschaft nach dem Einbau von Nielsen harmoniert“, sagt denn auch Coach Sigurdsson.

Eine stabile und aggressive Abwehr um das starke Torhütergespann Heinevetter/Petr Stochl war stets eines der Erfolgsgeheimnisse der Füchse. „Wir haben viele Jahre für diese gute Abwehr gebraucht“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „mit Kasper Nielsen geht das nicht von heute auf morgen.“ Gegen Kiel muss die Defensive freilich stehen, will man dem Branchenprimus von der Förde Paroli bieten. „Wir müssen gegen Kiel die Freude am Handball zurückgewinnen und Stabilität in unser Spiel bekommen. Und natürlich alles in die Waagschale werfen, was geht“, sagt Hanning. „Die Gegebenheiten sind so, wie sie sind. Wir müssen uns da selbst wieder rausziehen – und alles sportlich nehmen.“

Zehn Tage hatten die Füchse Spielpause, Kiel dagegen hatte in dieser Zeit drei Partien zu bewältigen. „Wir haben die Zeit genutzt, um Kleinigkeiten zu verbessern und Energie zu tanken“, berichtet Sigurdsson, der sich mit seinem Team liebend gern für die Supercup-Pleite zum Saisonstart (18:24) revanchieren möchte. Sigurdsson: „Wenn alles stimmt, wir ein super Spiel abliefern und Kiel schwächelt, dann ist alles möglich.“ Viel wird davon abhängen, wie Kasper Nielsen gegen Kiel seine Abwehr zusammenhält. Der Däne sagt: „Wir werden von Anfang an Gas geben. Das wird ein Kampf auf Biegen und Brechen.“