Basketball

Den Göttern so nah

Was sich die Alba-Spieler für das Duell mit den Superstars der San Antonio Spurs vornehmen. Chancenlos sehen sie sich nicht

Angst? Kennt ein Profi nicht. Die meisten Spieler von Alba Berlin wollen vor dem Aufeinandertreffen mit den San Antonio Spurs an diesem Mittwoch (20 Uhr) in der O2 World im Rahmen der „NBA Global Games“ nicht einmal Nervosität verspüren. „Die kochen auch nur mit Wasser“, sagt Berlins Kapitän Alex King tapfer vor dem Kräftemessen mit den Basketball-Göttern aus den USA. Selbst die Aussicht, gegen den fünfmaligen NBA-Champion Tim Duncan eins gegen eins spielen zu müssen, schreckt ihn nicht. „Natürlich haben die eine Qualität, die wir vielleicht nicht haben. Mal schauen, was wir draus machen. Wir werden jedenfalls unser Bestes geben und versuchen, das Ergebnis knapp zu halten.“

Das wird sehr schwer. „Die Wahrscheinlichkeit zu verlieren, ist für uns sehr hoch“, ordnet Alba-Trainer Sasa Obradovic die Verhältnisse nüchtern ein. Das Team aus Texas ist gespickt mit Stars, von denen jeder einzelne weit mehr Gehalt bezieht als die gesamte Mannschaft des deutschen Pokalsiegers zusammen. Auf der anderen Seite aber auch mit Spielern, die noch keinen festen Vertrag haben und sich zerreißen werden, einen zu ergattern. Berlin bietet ihnen die Möglichkeit, zu beweisen, dass sie ihn verdienen.

Die Regeln werden etwas andere sein (siehe Infokasten), die Atmosphäre wird eine ganz besondere sein – ein bisschen wie in der NBA eben, die fast alle Berliner Spieler nur aus dem Fernsehen kennen. Die O2 World ist mit 14.500 Zuschauern proppevoll, nur zwei Stunden hatte es gedauert, bis alle Tickets verkauft waren. Ein Millionenpublikum in den USA wird die Partie am TV verfolgen; in Deutschland ist sie in einem kostenlosen Livestream zu sehen unter www.nba.com/nbatv.

Spiel gegen Dallas macht Mut

Es ist ein spezielles Erlebnis für die Alba-Spieler – abseits des gewohnten Wettkampfgeschehens. Zwar nur eine Showveranstaltung, aber eine, bei der sich der deutsche Basketball auch präsentieren kann und will. „Einzigartig“, nennt Alba-Spielmacher Clifford Hammonds die besondere Motivation der Amerikaner in Reihen des Gastgebers, „ich freue mich darauf. Obwohl ich noch lieber in den USA gegen die Spurs spielen würde“, fügt er lachend hinzu. Dann würde er ja selbst in der besten Basketball-Liga der Welt spielen.

Und hat sich der beste Verteidiger der Bundesliga denn schon einen Plan zurechtgelegt, wie er seinen direkten Gegenspieler Tony Parker stoppen kann? Parker wurde gerade zu „Europas Basketballer des Jahres“ 2013 gewählt und wird die Auszeichnung vor der Partie gegen Alba erhalten. „Man darf ihn nicht zum Wurf kommen lassen, denn meistens trifft er“, weiß Hammonds. „Ich darf aber auch nicht zu nah an ihn ran gehen beim Verteidigen, sonst macht er einen schnellen Schritt und ist an mir vorbei.“

Egal, „es wird eine gute Erfahrung für uns, und es ist schön für mich, ein Teil davon zu sein“, sagt Jamel McLean. Der Berliner Power Forward wird es ebenfalls mit Kalibern wie Duncan, Boris Diaw oder Tiago Splitter zu tun bekommen. „Ich werde versuchen, gut zu verteidigen. Aber ich will diese Erfahrung auch genießen“, sagt er. Der jüngst zum deutschen Nationalspieler aufgestiegene Akeem Vargas würde sich über ein Duell mit dem Argentinier Manu Ginobili freuen: „Er ist in den letzten acht, neun Jahren eines meiner großen Vorbilder gewesen.“

Als Spielball wollen sie sich trotz allem nicht sehen. „Wir spielen hart, wir verteidigen hart. Wenn es gut läuft, haben wir eine Chance“, glaubt Hammonds. „Es werden sich zwei gute Teams gegenüberstehen, und wir werden alles geben, den Fans eine gute Show zu bieten“, ergänzt Vargas. Auch wenn keiner der aktuellen Alba-Spieler 2012 dabei war, als der Klub gegen die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki antrat: Dass diese Begegnung nur 89:84 zugunsten des NBA-Teams endete, stärkt ihre Zuversicht. Wobei Obradovic relativiert: „Die Spurs sind viel besser, als die Mavs sich vor zwei Jahren präsentiert haben.“ Er stand damals schon an der Linie.

Schlaflose Nacht für Wagner

Am offensten gibt seine Aufregung der jüngste Alba-Spieler Moritz Wagner zu. „Als ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Basketball-Zeitschrift in die Hand bekam, waren die Spurs gerade Meister geworden. Das war 2007. Auf dem Titelbild war Tim Duncan. Seitdem ist er mein Idol“, erzählt der 17-Jährige. Sieben Jahre später wäre er schon happy, wenn er nur auf der Bank sitzen würde. „Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass ich eingesetzt werde, wäre das echt eine abgefahrene Story.“ Da hatte ihm Obradovic noch nicht eröffnet, dass er spielen wird. Nun wird der junge Mann eine sehr unruhige Nacht hinter sich haben.