EM-Qualifikation

Löws neuer Vertrauter

Thomas Schneider sitzt gegen Polen erstmals als Co-Trainer der Nationalelf auf der Bank

Er hatte ein paar Freunde zu sich eingeladen. In Straubing, wo er seit Jahren mit seiner Familie wohnt. Gemeinsam schaute Thomas Schneider mit ihnen das WM-Finale von Rio de Janeiro im TV. Und als der Schlusspfiff ertönte und Deutschland Weltmeister war, da brüllte auch Schneider seine Freude heraus. „Ich dachte mir damals: Jetzt müsste man es so machen wie die Spanier – gleich den Europameister-Titel hinterher“, sagte Schneider.

Knapp drei Monate sind seitdem vergangen. Und Schneider, der damals noch arbeitslos war, nachdem ihn der VfB Stuttgart am 9. März entlassen hatte, hat nun die Chance, seinen Teil dazu beizutragen, dass es Deutschland den Spaniern nachmacht. Denn er ist der neue Assistent von Bundestrainer Joachim Löw. Schneider beerbt Hansi Flick, der inzwischen Sportdirektor beim DFB ist. „Ich verspüre eine absolute Vorfreude und bin froh, dass es jetzt für mich losgeht“, sagte Schneider am Dienstag. Es war quasi sein erster Arbeitstag mit den Nationalspielern, die am Mittag in Frankfurt eintrafen, um mit der Vorbereitung auf zwei Qualifikationsspiele für die EM 2016 zu beginnen. Am Sonnabend trifft der Weltmeister in Warschau auf Polen, drei Tage später in Gelsenkirchen auf Irland. Wie sein Chef, der Bundestrainer, sprach auch Schneider von zwei Schlüsselspielen. Am Dienstagmittag stellte er sich den Spielern vor, ehe er am Abend erstmals mit ihnen – und an der Seite von Löw – beim Training auf dem Platz stand. „Ich will mir erst mal ein Bild von Jogis Arbeitsabläufen während des Trainings machen und werde dann nach und nach mehr Aufgaben übernehmen“, sagte Schneider.

Anfang März am Rande des Testspiels der deutschen Elf gegen Chile in Stuttgart, wenige Tage vor seiner Entlassung beim VfB, gab es ein erstes langes Gespräch mit Löw. Doch da ging es nur um Fußballspezifisches, nicht um eine mögliche Zusammenarbeit. Wobei er sich das damals nach der Unterredung für die Zukunft schon hatte vorstellen können, wie Schneider jetzt sagte. Er kannte Löw aus seiner Zeit als Spieler beim VfB. 1997 hatte dieser bei seiner ersten Trainerstation mit Abwehrspieler Schneider den DFB-Pokal gewonnen. Als Löw sich nach der WM dann bei ihm meldete und ihm dem Job als Co-Trainer offerierte, bedurfte es noch eines persönlichen Treffens, um sich einig zu werden. Dass er, der bereits einmal als Chefcoach fungierte, nun wieder in der zweiten Reihe steht, spielt für Thomas Schneider keine Rolle.

„Das ist für mich kein Schritt zurück, sondern ein Schritt nach vorn“, sagte er. „Ich bin ein junger Trainer. Ich kann von einem der besten Trainer der Welt lernen und nun mit den besten Spielern der Welt arbeiten“, sagte Schneider. Löw hält große Stücke auf ihn. Schneider sei als Spieler „hochtalentiert“ gewesen und jemand, der seine eigene Meinung und einen starken Charakter habe.

Seit 2007 ist Thomas Schneider als Trainer tätig. Er hospitierte unter anderem in der Jugendakademie von Sporting Lissabon sowie unter Ralf Rangnick bei 1899 Hoffenheim. Im Alter von 33 hatte er seine Spielerkarriere nach einem Zeckenbiss beenden müssen. Er wollte danach erst einmal nichts mehr vom Fußball-Geschäft wissen, bis er den Wunsch einer Nachbarin nicht ausschlagen konnte. Die hatte ihn gebeten, die Mannschaft ihres Sohnes – den FC Dingolfing – zu betreuen. Schneider machte es und ist inzwischen wieder voll im Geschäft. Am Sonnabend nun wird er erstmals als Co-Trainer jener Mannschaft auf der Ersatzbank Platz nehmen, der er am 13. Juli noch zugejubelt hat.