Basketball

Duncans Nachfolger ist längst da

Kawhi Leonard soll die nächste Legende der San Antonio Spurs werden

– Beim letzten öffentlichen Training der San Antonio Spurs in der O2 World vor dem Spiel heute gegen Alba Berlin haben die drei Superstars um halb eins längst Feierabend. Tony Parker, Tim Duncan und Manu Ginobili beantworten am Rande des Parketts die Fragen der zahlreichen Journalisten aus ganz Europa. Bei Kawhi Leonard hingegen fließt weiter der Schweiß: Mit einem der Co-Trainer der Texaner simuliert der 23-Jährige wieder und wieder ein Dribbling und steigt dann zum Korbwurf hoch. Danach geht er noch an die Linie und übt ein paar Freiwürfe.

Doch nun hat offenbar auch Spurs-Trainer Gregg Popovich genug vom Trainingseifer seines Small Forwards: Der 65-Jährige mit dem weißen Rauschebart läuft von hinten auf den 2,01 Meter großen Leonard zu, massiert ihm liebevoll-zärtlich die Schultern und redet länger auf ihn ein. Dieser scheint zu verstehen – er beendet als einer der letzten Spurs die Einheit.

Doch gerade sein großer Ehrgeiz und enormer Fleiß haben Leonard zu dem gemacht, der er mittlerweile ist: ein NBA-Star, der jedoch am liebsten keiner wäre. Interviews sind nicht gerade seine große Leidenschaft, fast alle Antworten fallen kurz und einsilbig aus. Rummel um und Aufmerksamkeit für seine Person – so gar nicht sein Ding.

Leonard lässt lieber Taten auf dem Spielfeld sprechen. Das gelang ihm vor allem in den diesjährigen Endspielen gegen Miami beeindruckend. Nach einer eher durchschnittlichen Saison explodierte er im Frühsommer als Gegenspieler von Superstar LeBron James förmlich: Mit 17,8 Punkten im Schnitt (davon 29, 20 und 22 in den letzten drei Partien) führte er sein Team zum fünften Titel und wurde als drittjüngster Profi in der Geschichte der NBA zum wertvollsten Spieler (MVP) der Finalserie gewählt.

Bei den Spurs soll er Nachfolger von Tim Duncan, 38, werden, dessen Karriere mit dem auslaufenden Vertrag 2015 wohl zu Ende geht. Der Klub hat ihm vor seiner vierten Saison eine Verlängerung um fünf Jahre angeboten, noch gibt es keine Einigung. Leonard bleibt bei diesem Thema allgemein: „Ich will ein besserer Spieler werden und habe deshalb im Sommer hart gearbeitet. Ich versuche, aggressiver zu spielen und die schwierigen Würfe zu treffen.“ Von Parker, Duncan und Ginobili könne er vor allem eines lernen: „Wie smart sie sind.“

Von Berlin hat er in den vergangenen Tagen wegen der zahlreichen PR-Termine nicht viel gesehen, in der neuen Saison will er mit den Spurs erstmals die Titelverteidigung schaffen. Was ist dafür wichtig? „Dass wir gesund bleiben und als Team gut zusammen finden.“ Dann ist das Interview beendet. Leonard wirkt irgendwie erleichtert.