Bundesliga

Wollt ihr nicht die Bayern jagen?

Der Meister ist noch nicht in Topform, aber Dortmund, Schalke und Leverkusen kriseln

Es gibt ein Zitat, das die Konkurrenz wie ein Mantra aufgesagt hat: „Wenn der FC Bayern schwächelt, müssen wir zur Stelle sein.“ Nur so, hieß es, kann es in absehbarer Zeit einen anderen Fußballmeister geben als den aus München. Nun sind die Bayern nicht berauschend aus der Sommerpause gekommen. Die Brillanz des vergangenen Jahres ist (noch) nicht zu erkennen, die WM hat ihren Tribut gefordert. Doch was machen Klubs wie Borussia Dortmund, FC Schalke und Bayer Leverkusen, die als ärgste Widersacher des Rekordmeisters gelten? Sie winken den Branchenprimus ohne Gegenwehr durch. Weil sie sich ausgerechnet jetzt zum Teil verheerende Krisen leisten.

Borussia Dortmund

Lange haben sie sich gewehrt. Eine Krise? Das Wort hätten sie nicht in den Mund genommen, sagte Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller der „Welt am Sonntag“. Das war vor dem 0:1 gegen den HSV. Nach der vierten Saison-Niederlage und sieben Punkten aus sieben Spielen kamen sie nicht um das Eingeständnis herum, dass etwas verkehrt läuft. „Das war der Tiefpunkt“, sagte Jürgen Klopp nach der erschreckenden Vorstellung. Er wählte die Vergangenheitsform. Seine Hoffnung sei es, dass nach der Länderspielpause eine neue Zeitrechnung anbrechen werde, in der sein Team mit dem einen oder anderen derzeit verletzten Spieler ein anderes Gesicht zeigen könne: „Das war der Tiefpunkt und gleichzeitig der Startpunkt für den Rest der Saison.“

Wahrheit oder Westentaschen-Psychologie? Voraussetzung wäre eine Verbesserung in allen Bereichen. Der BVB hat mehrere Baustellen. Individuelle Fehler in der Abwehr führten zu bislang zwölf Gegentoren. Entscheidende Stabilisatoren der Defensive wie das Innenverteidigerpaar Neven Subotic/ Mats Hummels waren lange verletzt und suchen ihre Form. Speziell Hummels fehlt die Bindung. Mit Außenverteidiger Marcel Schmelzer meldete sich ein weitere Spieler ab: Mittelhandbruch, vier Wochen Pause.

Dass er derzeit das Team nicht führen kann, nagt an Hummels. „Fast eine Katastrophe“ sei die schwache Punktausbeute, sagte Sebastian Kehl, äußerte aber die Hoffnung, seine Mannschaft könne die Situation mit Hilfe der Fans meistern. Dies könnte ein Vorteil sein: Weil es in den sechs Jahren unter Klopp fast nur bergauf ging, können sich die Spieler auf die Geduld ihres Anhangs verlassen: Von der Südtribüne gab es aufmunternden Beifall.

FC Schalke

Es ist ja nicht so, dass es keine Hoffnung gibt. Mehrmals hat es der umstrittene Trainer Jens Keller geschafft, seine Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen. Stabilität allerdings hat er in den 21 Monaten, die er auf Schalke im Amt ist, nicht ins Team gebracht. „Es ist keine Konstanz bei uns drin. Auf gute Ergebnisse folgen Enttäuschungen und unnötige Niederlagen“, sagte Manager Horst Heldt nach dem 1:2 (0:2) bei 1899 Hoffenheim: „Das geht so nicht weiter, das müssen wir abstellen.“

Aber wie? Unbeständigkeit ist die einzige Konstante, die die „Knappen“ seit Jahren begleitet.

So auch in dieser Saison: Zunächst gab es einen schwachen Saisonstart, auch verursacht durch Verletzungsprobleme. Dann folgte eine deutliche Steigerung mit zwei Siegen in Folge. Nach dem 2:1 im Revierderby gegen Borussia Dortmund schien die Schalker Welt endlich in Ordnung zu sein. Prompt schlug die Formkurve aber wieder nach unten aus: eine enttäuschende Leistung in der Champions League gegen NK Maribor (1:1), nun die Niederlage in Hoffenheim. „Wir hatten die Möglichkeit, den Schwung aus dem Derby mitzunehmen. Das haben wir nicht geschafft. Das ist ärgerlich“, sagte Heldt.

Bayer Leverkusen

Leverkusen schien das neue Dortmund zu sein. Roger Schmidt, der neue Trainer, hatte der Werkself einen elektrisierenden Power-Fußball beigebracht. Verbissen wird der Ball gejagt, alle Spieler sind 90 Minuten ununterbrochen in Bewegung. Doch schon jetzt scheint Bayer der Saft auszugehen. 1:4 gegen Wolfsburg, 1:0 gegen Augsburg, 0:0 gegen Freiburg lauteten die letzten Liga-Ergebnisse. Und nun 2:2 gegen den SC Paderborn. Gegen den Aufsteiger musste ein Tor in allerletzter Minute her, um wenigsten einen Zähler zu retten.

„Wir haben nicht immer so diszipliniert und intelligent gespielt, wie wir das können“, sagte Schmidt. „Aber weil wir am Ende das 2:2 erzielt haben, war doch nicht alles schlecht.“ Er macht die Spielfrequenz von zuletzt sieben Partien in 23 Tagen für den Leistungseinbruch verantwortlich: „Alle drei Tage zu spielen, das ist für junge Spieler eine Herausforderung und keine Selbstverständlichkeit.“

Doch in Leverkusen wird der Fehler lieber woanders gesucht, beim Schiedsrichter zum Beispiel. „Zweimal hat er falsch gelegen“, schimpfte Bayer-Geschäftsführer Michael Schade über Günter Perl. Der hatte einen Treffer von Tin Jedvaj (71.) nicht anerkannt und ein Handspiel von Daniel Brückner (78.) nicht mit Elfmeter geahndet.

Am Ende war Schade aber „dankbar“ für das Unentschieden. Seine Zwischenbilanz klingt wenig euphorisch: „Wenn wir mit 14 Punkten die erste Phase abgeschlossen hätten, wäre es unseren Erwartungen entsprechender. Zwölf Punkte sind auch noch im Soll.“ Zur Jagd auf Tabellenführer FC Bayern (17 Punkte) reicht das freilich nicht.