1. FC Union

Auf der Suche nach Plan B

Nach dem Sturz ans Tabellenende wird beim 1. FC Union auch über Trainer Düwel diskutiert

Die warme Herbstsonne taucht das Stadion an der Alten Försterei in ein beschauliches Ambiente. Ringsherum sorgen die Bäume mit ihren Blättern für bunte Vielfalt. Ein schönes Umfeld zum Trainieren. Das tun die Spieler des 1.FC Union wie gehabt an diesem Sonntagmorgen. Ein bisschen Kraft, ein bisschen Regeneration, ganz viel unaufgeregte Routine.

Ganz so friedlich und heile ist die Welt beim Berliner Fußball-Zweitligisten aber längst nicht mehr. Nach dem 0:3 am Sonnabend beim FC St. Pauli herrscht zwar nach außen noch Ruhe, doch alle beschäftigt etwas. Die Spieler grübeln. „Wir lösen einfache Dinge schlecht. Wie man das ändert, ist die Frage, die wir uns stellen“, sagt Verteidiger Michael Parensen. Der Trainer analysiert. Das Präsidium überlegt, wie es reagieren soll. Union ist nach dem neunten Spieltag geteilter Tabellenletzter, die Köpenicker stecken ganz tief im Abstiegskampf.

Unweigerlich gehen die Gedanken bei einigen Verantwortlichen in Richtung Cottbus. Dort verleugnete die Klubführung vergangene Saison lange die Situation der Mannschaft, wurde zu spät tätig und sah das Team letztlich in einer nicht mehr aufzuhaltenden Negativspirale in die Dritte Liga absteigen. Die Mannschaft der Berliner macht sich inzwischen nichts mehr vor bezüglich ihrer Lage. „Wir müssen offen mit der Sache umgehen“, sagt Parensen. Natürlich war die Partie in Hamburg eine mit erschwerten Bedingungen, eine Rote Karte und ein Elfmeter nach 23 Minuten störten früh alle Planungen. Parensen: „Wir dürfen uns nicht hinter unglücklichen Momenten verstecken. Es passieren viele individuelle Fehler, wir kassieren Platzverweise, viele Gelbe Karten, das wiederholt sich. Das ist nicht immer unbedingt unglücklich.“

Von diesem Terminus will auch die Vereinsspitze wohl nichts mehr hören. Präsident Dirk Zingler blieb nach der Partie in Hamburg, beim Training am Sonntag gab es daher keine Hilfe zur Krisenbewältigung von ihm. Dem Vernehmen nach soll der Frustpegel bei Zingler und seinen Präsidiumskollegen nach dem Spiel bei St. Pauli auf ein Höchstmaß gestiegen sein, das in der Frage kulminierte, wie mit Trainer Norbert Düwel nun umzugehen sei.

Die Spieler sind verunsichert

Bei den Fans rumort es immer lauter, die ersten fordern schon, den Mann, der im Sommer die Verantwortung übernommen hat, wieder freizustellen. Für die Mannschaft wäre das kein notwendiges Signal. „Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Da hilft es auch nicht, am Trainer zu rütteln. Wir sind die, die auf dem Platz stehen und es nicht umgesetzt bekommen“, sagt Verteidiger Fabian Schönheim. Er und die Kollegen sind verunsichert. „Es ist offensichtlich, dass ein bisschen das Selbstverständnis fehlt“, sagt Parensen. Wie sie sich das zurückholen wollen, dafür fehlt den Unionern das Patentrezept. „Ich habe zurzeit wirklich wenig Antworten“, so Parensen. Immerhin ist nun erst einmal Länderspielpause. Zeit zum Durchatmen, sich zu sortieren.

Auch ein guter Zeitpunkt, um noch einmal neu anzufangen. Dahin tendieren anscheinend auch die Gedanken der Chefetage. Jetzt handeln oder eine letzte Chance einräumen? Nach der Pause treffen die Berliner auf Sandhausen (18.10.) und Aalen (24.10.), zwei direkte Konkurrenten. Um gleich aktiv zu werden, scheint Union die Alternative zu fehlen. Andererseits muss sich die Klubführung sehr genau mit dem Thema beschäftigen, was sie Norbert Düwel noch zutraut. Unumstritten dürfte der Trainer nicht mehr sein.

Dass es generell nicht einfach werden würde, war allen bewusst gewesen. Düwel wurde verpflichtet, um aus dem Kader mehr herauszukitzeln, als es zuvor Uwe Neuhaus gelungen war. Union rief ein Jahr des Umbruchs aus, Düwel justierte hier, änderte dort. Sein Auftrag lautete, die Mannschaft umzukrempeln, frischeren Fußball spielen zu lassen. Zielstrebig und temporeich. Als für Klub-Idol Torsten Mattuschka dabei kein Platz mehr blieb, er nach Cottbus wechselte und es dennoch nicht lief, räumte Zingler ein, dass man sich auch auf Abstiegskampf eingestellt habe. Und dass Düwel viel Geduld entgegengebracht würde. Auch deshalb, weil der 46-Jährige erstmals alleinverantwortlich einem Profiteam vorsteht.

Zingler hielt sein Wort. Düwel konnte bislang in Ruhe arbeiten, abgesehen von dem Theater um Mattuschka. Nur ist von den neuen Prämissen im Spiel der Mannschaft immer noch kaum etwas zu sehen. Union bildet mit sechs Treffern das Schlusslicht der Liga, ebenso sind die Berliner mit nur einem Sieg das Team mit den wenigsten Erfolgen. Es geht einfach zu wenig vorwärts, obwohl Trainer Düwel viel unternimmt, durchspricht mit den Spielern und per Video analysiert. „Alles, was man beeinflussen kann, haben wir getan. Wenn man sagen würde, wir würden zu wenig tun oder nicht mit dem richtigen Engagement trainieren, hätte man Ansatzpunkte. Aber das ist ja nicht der Fall bei uns“, sagt Parensen. Wo also ansetzen?

Ruhige Tage werden sie bei Union in der Pause keinesfalls erleben, einiges kommt nun auf den Prüfstand. Es müssen Weichen gestellt werden, um die ohnehin großen Probleme nicht eskalieren zu lassen. In welche Richtung man dabei steuert, ist derzeit nicht klar. Ausgeschlossen jedenfalls scheint dabei nichts zu sein.