Hoffenheim

Plötzlich ein Spitzenteam

Wie Trainer Markus Gisdol der TSG 1899 Hoffenheim eine neue Identität verpasst hat

Die Begrifflichkeit hätte Markus Gisdol gern auf den Index gesetzt. Hoffenheim und eine Spitzenmannschaft? „Das möchte jetzt natürlich jeder schreiben“, sagte der TSG-Trainer, „aber das lassen Sie mal noch weg!“ Es war offensichtlich, wie sich die Hoffenheimer nach dem 2:1 über Schalke 04 um Demut bemühten. „Es ist eine tolle Sache, wenn wir gegen einen Champions-League-Teilnehmer gewinnen. Das ist für uns nicht an der Tagesordnung.“ Hoffenheim steht nun selbst auf einem Champions-League-Rang. Doch bitte, das alles sei nur eine Momentaufnahme. Auch wenn die Fakten Platz für mehr lassen: 13 Punkte, unbesiegt geht die TSG in die Länderspielpause. Als „Bayern-Verfolger“ wird sie gar tituliert. Trainer Gisdol will davon nichts hören.

Dennoch ist bemerkenswert, was er geschafft hat. Seit April 2013 ist er im Amt. Nach den Wirren unter seinen Vorgängern Markus Babbel und Marco Kurz rettete Hoffenheim unter Gisdol den Klassenverbleib. In der Vorsaison reichte es zu Rang neun. Und nun nach sieben Spieltagen zu einem Top-drei-Platz.

Die Tabelle ist das eine. Vor allem hat Gisdol Hoffenheim wieder eine Identität verpasst. Offensivspektakel, schnelles Umschaltspiel, das alles sind Dinge, die mit dem Klub in Verbindung gebracht werden. Personal, das nicht dazu passte, sortierte er unter reichlich Nebengeräuschen in die Trainingsgruppe zwei aus. Die im Vorjahr noch chaotische Abwehr ist stabil geworden. Auch weil die Hoffenheimer clever in neues Personal investierten. In Oliver Baumann etwa, Freiburgs Torwart, in Ermin Bicakcic, Braunschweigs Innenverteidiger, und Frankfurts Pirmin Schwegler, der gemeinsam mit Eugen Polanski im defensiven Mittelfeld für Stabilität sorgt. Knapp 20 Millionen Euro gab der Klub für neue Spieler aus, allein sechs davon für Stürmer Adam Szalai, der gegen sein Ex-Team das 2:0 erzielte.

Die zweite Hälfte gegen Schalke sei das, „was wir gerade leisten können, wenn es optimal läuft“, sagte Gisdol. Natürlich folgte prompt die Relativierung: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, fügte er an. Wohin das alles führen soll? Gut möglich, dass die Vokabel „Spitzenmannschaft“ in Hoffenheim bald nicht mehr tabu ist.