Handball

„Für mich ist wichtig, dass ich glücklich bin“

Mit Laura Steinbach kommt die nächste Nationalspielerin zu den Spreefüxxen. Eine große Rolle spielt dabei ihr Freund Iker Romero

Die Handball-Frauen der Füchse Berlin erreichten durch ein 40:19 (17:10) beim Drittligisten SV Henstedt-Ulzburg gerade die dritte Runde im DHB-Pokal. Heute bekommt die Mannschaft von Trainer Lars Melzer, die mit 4:4 Punkten gut in ihre erste Bundesliga-Saison gestartet ist, einen weiteren Grund zur Freude. Da wird Nationalspielerin Laura Steinbach, 29, als weitere Verstärkung vorgestellt. Sie ist die Tochter des früheren NOK-Präsidenten Klaus Steinbach (1972 Silber- und 1976 Bronzemedaillen-Gewinner im Schwimmen bei Olympia) – und seit Sommer mit dem spanischen Füchse-Star Iker Romero liiert. Zuvor hatte die Liebe schon bei der Verpflichtung der Schwedinnen Frida Tegstedt (Freundin von Füchse-Profi Jesper Nielsen) und Daniela Gustin (Freundin des Flensbugers Hampus Wanne) nachgeholfen.

Berliner Morgenpost:

Frau Steinbach, seit wann spielten Sie mit dem Gedanken, zurück nach Deutschland zu kommen?

Laura Steinbach:

Ungarn war meine erste Auslandsstation, und ich habe mir damals gesagt: Entweder ich gehe jetzt und probiere es, oder ich gehe gar nicht mehr. Und es war die richtige Entscheidung. Nach der EM fing es dann im Januar aber an, dass ich mir Gedanken gemacht habe: Ich war in Budapest Vollprofi, vorher habe ich neben dem Handball immer studiert oder gearbeitet, und ich habe gemerkt, dass mir das durchaus fehlt. Ich kann in Ungarn aber nicht einfach noch einen Job machen, weil ich dafür die Sprache nicht gut genug spreche und das auch von den Trainingszeiten her nicht passen würde. Zudem habe ich auch Deutschland vermisst, es ist halt nicht zu Hause. Ich mache alles mit Herz, und wenn mein Herz nicht voll dabei ist und ich zu viel vermisse, dann muss ich etwas ändern, und dann war das jetzt der Punkt.

Wie kam es dann zur Entscheidung für die Spreefüxxe in Berlin?

Füchse-Managerin Britta Lorenz kenne ich seit Dezember, seitdem mit Natalie Augsburg eine meiner besten Freundinnen in Berlin spielt. Natalie hatte schon gescherzt, wir spielen dann zusammen in Berlin, und ich habe dann auch erste Gespräche mit Britta geführt. Sie kannte meine Situation, wir hatten schon über einen möglichen Wechsel gesprochen, und nun hat es sich ergeben. Das Gesamtpaket passte jetzt.

Sie sind von Budapest das Großstädtische gewohnt. Was erwarten Sie von Berlin?

Ich bin total begeistert von der Stadt, seit Budapest habe ich da auch einen recht hohen Anspruch (lacht). Zudem sind da die Möglichkeiten des Klubs und die Trainingsbedingungen gerade für uns Kaderathleten ideal. Wir können zum Olympiastützpunkt, und auch unser Physiotherapeut von der Nationalmannschaft ist vor Ort. Hinzu kommt mit Lars Melzer ein junger und super engagierter Trainer und natürlich auch eine wirklich gute Mannschaft.

Einige Gesichter kennen Sie bereits...

Dass ich mit Nata (Natalie Augsburg) und mit Tine (Christine Beier, d.Red.) zusammenspielen kann, die ich ja beide aus dem Nationalteam kenne, ist natürlich toll. Zudem machen es auch die beiden schwedischen Nationalspielerinnen interessant. Klar, als Aufsteiger ist es nicht einfach, aber ich hoffe, dass ich da dem Team helfen kann.

Was kann man denn erreichen als Aufsteiger in der ersten Saison?

Ich werde Zeit benötigen, um mich einzugewöhnen, anzukommen und auch, um von der Mannschaft akzeptiert zu werden. Ich will niemandem dem Platz wegnehmen, es wird ein fairer Konkurrenzkampf, und jeder wird seine Leistung bringen müssen, um zu spielen. Klar will man so viel spielen, wie man kann. Aber jeder braucht seine Pausen, und in der Mannschaft ist daher jeder wichtig. Ich denke, da wird Lars auch ein gutes Händchen haben.

Das bedeutet am Saisonende?

Dass die Mannschaft nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird, da bin ich mir sicher – auch unabhängig von meinem Wechsel. Ich hatte das schon direkt nach dem Aufstieg gesagt.

Wie wichtig ist Berlin für den Frauenhandball?

Berlin tut dem Frauenhandball auf jeden Fall gut. Es ist in jeder Sportart wichtig, dass die Hauptstadt vertreten ist. Natürlich ist es nicht einfach mit der großen Konkurrenz an hochklassigem Sport in Berlin. In der Bundesliga haben sich aber viele gefreut, dass Berlin aufgestiegen ist, auch von den Spielerinnen, da haben dann auch viele zu Nata gesagt, dass sie dann das Wochenende gleich dableiben. (lacht)

Wie sehen Sie die Unterschiede im Stellenwert des Frauenhandballs in Ungarn und Deutschland?

In Ungarn ist die Aufmerksamkeit für Frauenhandball riesig. Ich wurde da bereits nach ein paar Wochen auf der Straße angesprochen und erkannt – da war ich ganz überrascht, weil ich das aus Deutschland so nicht kenne. Aber ich sehe in Deutschland einen positiven Trend, auch weil wir uns mit der Nationalmannschaft kontinuierlich für die großen Turniere qualifiziert und da immer einen Schritt nach vorne gemacht haben. Und auch durch das neue Präsidium des DHB hat sich einiges positiv entwickelt.

Zur neuen Wahlheimat Berlin haben Sie auch persönliche Beziehungen. Wie sehen diese aus?

Meine Mutter ist in Berlin groß geworden, und sie will mir schon seit Jahren zeigen, wo sie gewohnt hat, wo ihre Schule war – da freue ich mich schon drauf, wenn sie mich dann mal besucht und mir alles zeigen kann.

Durch die Beziehung mit Iker Romero gibt es seit einiger Zeit auch eine weitere Verbindung. Werden Sie bei ihm einziehen?

Ich werde nicht auf der Straße wohnen (lacht).

War die Beziehung denn ausschlaggebend für den Wechsel nach Berlin?

Die Gespräche mit Britta gab es schon, da war meine private Situation noch eine ganz andere. Natürlich war das jetzt aber auch ein weiterer Pluspunkt für Berlin. Unabhängig davon war aber, dass ich mich in Ungarn nicht wohl gefühlt habe und zurück wollte. Ich hätte auch woanders hingehen können, doch ich habe mich für Berlin entschieden. Ich hatte in meinen sechs Jahren in Leverkusen auch bessere Angebote, wo ich mehr Geld hätte verdienen können. Doch ich hatte da ein gutes Umfeld und habe mich da wohlgefühlt. Das ist für mich wichtig, das Rundum muss passen, und da gehört weit mehr dazu als Geld. Für mich ist wichtig, dass ich glücklich bin.

Sie sprachen Ihr Studium an: Wie sieht da die berufliche Perspektive jetzt aus?

Ich komme nicht als Vollprofi zurück, das wollte ich auch nicht. Ich freue mich darauf, dass sich in Berlin auch beruflich eine neue Chance ergeben kann. Ich habe Lebensmitteltechnik studiert und nach dem Bachelor dann noch den Master im Bereich Gesundheitsmanagement mit dem Schwerpunkt Sporternährung und Gewichtsreduktion gemacht. Aber ich habe noch nix Konkretes, ich suche jetzt eine Stelle, die passt, und zwar ab Januar - nach der Europameisterschaft.

Stichwort Nationalmannschaft, was sind da die Ziele?

Ich war 2008 bei Olympia, und mir hat es da sehr gut gefallen, sodass ich 2016 dann gerne noch einmal hinfahren würde. Das ist auf jeden Fall ein Ziel, und das ist auch das Ziel der gesamten Nationalmannschaft. Da haben wir auch einen ganz guten Spirit entwickelt, und bis dahin will ich auch auf jeden Fall weiterspielen.