Abstiegskampf

HSV flüchtet sich in der Krise in Durchhalteparolen

Klub-Chef Beiersdorfer stärkt Coach Zinnbauer den Rücken

Der kurzfristige Effekt des Trainerwechsels ist verpufft, der Saisonstart endgültig in den Sand gesetzt: Nur vier Monate nach dem Neustart geht beim Hamburger SV schon wieder die Angst um. Trotz Millionen-Investitionen schlittert das Team von Joe Zinnbauer auf direktem Weg in eine handfeste Krise und bleibt weiter Schlusslicht der Liga – der Trainer steht jedoch nicht zur Debatte.

„Joe macht einen tollen Job, hat der Mannschaft beigebracht, sich zu wehren“, sagte Dietmar Beiersdorfer am Tag nach dem bitteren 1:2 (0:1) gegen Eintracht Frankfurt, der zweiten Niederlage im dritten Spiel unter Zinnbauer. Eine erneute Trainerdiskussion will der Klub-Chef zwei Wochen nach der Trennung von Mirko Slomka unbedingt vermeiden.

„Der Trainer ist mit Leidenschaft dabei“, sagte Beiersdorfer, der Zinnbauer erst am 16. September „bis auf Weiteres“ für den wichtigen Posten berufen hatte. Jeder müsse jetzt im Verein eine Schippe drauflegen, um sich gemeinsam „aus der nicht positiven Spirale herauszuschälen“.

Die Überschriften der Hamburger Presse erinnern allerdings schon nach dem sechsten Spieltag wieder verdächtig an die abgelaufene Saison. „Der Horror geht weiter“, „Im Tal der Tränen“ oder „HSV total am Boden“, heißt es in großen Lettern. Der Bundesliga-Dino ist nach dem bitteren Last-Minute-K.o. durch den herrlichen Freistoß-Treffer von Frankfurts Lucas Piazon (90.) wieder einmal das Sorgenkind der Stadt.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Zinnbauer dennoch und gab sich alle Mühe, Optimismus auszustrahlen: „Wenn die Mannschaft so weitermacht, wird sie irgendwann belohnt werden.“ Und auch Beiersdorfer sieht positive Zeichen, die auf baldige Erfolge hindeuten könnten: „Was Joe den Spielern erzählt, hat Hand und Fuß. Er hat dafür gesorgt, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht, die sich auch als Mannschaft darstellt.“

Tatsächlich bemühte sich der HSV im Duell mit der Eintracht erneut nach Kräften und schaffte es immerhin endlich, nach 507 langen Minuten den ersten Saisontreffer zu erzielen. „Man hat im ganzen Stadion den Stein fallen hören“, sagte Zinnbauer zum Treffer von Nicolai Müller (58.), der die Führung von Haris Seferovic (44.) egalisierte. Anschließend drängte der HSV auf den Sieg, offenbarte abermals Probleme beim finalen Pass.

Die Aussichten sind wieder einmal trüb an der Elbe, dabei war die Hoffnung auf bessere Zeiten noch im Sommer groß. Der Klub wurde nach der abgelaufenen Horrorsaison von Grund auf umgekrempelt und sollte mit der Strukturreform Ende Mai fit gemacht werden für eine bessere Zukunft. Seitdem kamen ein neuer Vorstandsboss, ein neuer Trainer und neue Spieler für insgesamt 26 Millionen Euro. Doch zumindest sportlich ist bislang alles beim Alten.