Interview

„Spieler sind eben auch egoistisch“

Golf-Legende Bernhard Langer über die Schwierigkeit, aus Individualisten ein Team zu formen

Bernhard Langer gehört zu den erfolgreichsten Ryder-Cup-Spielern aller Zeiten. Er war bei zehn Auseinandersetzungen zwischen Europa und den USA mit von der Partie, absolvierte 42 Golf-Matches, holte 24 Punkte. 2004 gelang ihm beim Ryder Cup in Detroit (USA) als Kapitän Europas mit 18,5 zu 9,5 der bis dato höchste Sieg aller Zeiten. Aufgrund seiner fünf Siege auf der Champions Tour in dieser Saison galt der 57-Jährige sogar als möglicher Kandidat für eine Wild Card.

Berliner Morgenpost:

Herr Langer, wenn Sie den Ryder Cup verfolgen, juckt es Sie da nicht ein bisschen in den Fingern, selbst mit einzugreifen?

Bernhard Langer:

Ja natürlich, juckt das. Der Ryder Cup hat einen großen Teil meiner Karriere ausgemacht. Das ist einfach etwas ganz Besonderes.

Sie waren aufgrund Ihrer herausragenden Leistungen auf der Champions Tour im Gespräch für eine der drei Wild Cards? Hätten Sie sich einen Start zugetraut?

Zugetraut hätte ich mir das auf jeden Fall. Ich weiß, ich schlage nicht ganz so lang wie diese jungen Herren, aber das kann man ja wettmachen mit Präzision, Beständigkeit, gutem kurzem Spiel. Aber mir ist klar, dass es für Paul McGinley eine schwere Entscheidung gewesen sein muss, wem er nun eine Wild Card gibt oder nicht. Er hatte ja kaum eine Möglichkeit, mich mit den anderen Spielern zu vergleichen, nachdem ich nur selten die gleichen Turniere spiele.

Kein anderer Ryder-Cup-Spieler hat mit so vielen unterschiedlichen Kollegen Vierer gespielt wie Sie? Gab es für Sie keinen Traumpartner?

Eigentlich war mir das immer mehr oder weniger egal. So kam es eben zustande, dass ich dann manchmal die bekommen habe, die die anderen nicht haben wollten. Ich komme mit jedem klar.

2004 in Oakland Hills standen Sie als Kapitän selbst vor der Aufgabe, die richtigen Paarungen zusammenzustellen. Wie schwer ist es, eine Truppe von zwölf hochbezahlten Spielern in den Griff zu bekommen?

Man muss sich im Klaren sein, dass es zwölf Individualisten sind, die alle ein gewisses Ego haben. Die will man nun innerhalb von wenigen Tagen zu einem Team machen und außerdem bei Laune halten. Schließlich gibt es ja immer Spieler, die aussetzen müssen. Das Warum muss man diesen dann so erklären, dass sie, wenn sie dann endlich dran sind, immer noch 100 Prozent geben.

Der letzte erfolgreiche US-Kapitän war 2008 Paul Azinger, der seine Spieler nach dem sogenannten Pods-System der Militär-Eliteeinheit Navy Seals in selbstständige kleine Gruppen aufteilte, die anschließend auch untereinander ihre Vierer-Partner bestimmen. Was halten Sie davon?

Ich würde Entscheidungen niemals Spielern überlassen. Deswegen ist man ja zum Kapitän bestimmt worden. Spieler sehen sehr viel aus ihrem Blickwinkel und sind dann eben auch egoistisch.

Wenn Sie den idealen Startspieler für die Einzel benennen müssten, in denen heute zwölf der insgesamt 28 Punkte vergeben werden, wer wäre das?

Wenn ich jemanden nennen muss, was ich nicht gerne tue, weil alle sehr gutes Golf spielen, dann Rory McIlroy. Der hat in den letzten Monaten einfach unglaubliches Golf gespielt. Martin Kaymer würde ich vielleicht auch vorne spielen lassen, auch der hat eine tolle Saison gehabt. Auf der amerikanischen Seite weiß ich es nicht so genau. Andererseits kann man auch immer darüber nachdenken, ob man einen Spieler, der sehr gerne sehr schnellt spielt, vorne spielen lässt, damit er seinen eigenen Rhythmus beibehalten kann.