Basketball

Alba besiegt die Bayern im Prestige-Duell

Im Champions Cup behält der Pokalsieger die Oberhand gegen den Deutschen Meister. Pesic aus der Halle verwiesen

Es ist schöne Tradition beim Champions Cup, dem Spiel zwischen Deutschem Meister und deutschem Pokalsieger vor dem Start der Basketball-Bundesligasaison, dass alle Klubs kurz vorgestellt werden. Das geschieht, indem 18 Kinder, jeweils im Trikot einer der 18 Mannschaften, vor der Partie unter freundlichem Applaus in die Arena einlaufen. Gestern Abend in der O2 World nur wurde eines dieser unschuldigen Kinder gnadenlos ausgepfiffen - jenes, das die Farben von Bayern München trug. Ein Zeichen dafür, dass die Münchner weiterhin zumindest in Berlin kein sehr beliebter Kontrahent sind. Anschließend wurde der Mannschaft von Svetislav Pesic auch noch vor Augen geführt, dass ihnen sportlich einiges an Gegenwind aus der Hauptstadt bevorsteht: Der Meister unterlag dem Cupsieger und Meisterschaftszweiten Alba Berlin mit 68:76 (25:45).

„Alba ist stärker als vergangene Saison“, hatte Bayern-Sportdirektor Marko Pesic schon vor dem Spiel erklärt. Nun ist der Champions Cup, den die Berliner bereits im vergangenen Jahr gegen Bamberg gewonnen hatten, am Ende der Vorbereitung nicht unbedingt sehr aussagekräftig für den Rest der Saison. Aber schließlich hat Alba ja danach auch eine beeindruckende Spielzeit geboten. Und zumindest der Eindruck blieb gestern bei den 11.105 Zuschauern haften, dass dem Team von Trainer Sasa Obradovic erneut einiges zuzutrauen ist.

Pfiffe gegen Schaffartzik

Von Beginn an war dem Alba-Team anzumerken, wie hungrig es ist. Giftig in der Verteidigung, variabel und entschlossen im Angriff – so wie Obradovic seine Mannschaft sehen will. Dazu wirkte es schon recht gut eingespielt – acht Spieler sind schließlich in Berlin geblieben. Svetislav Pesic dürfte weniger zufrieden gewesen sein. Der ehemalige Alba-Trainer wurde ebenso wie Heiko Schaffartzik („Ich höre da nicht hin“), der ehemalige Alba-Spieler, vom Berliner Publikum ausgepfiffen. Doch mehr wird Pesic gestört haben, wie wenig die Bayern eine Halbzeit lang dem Druck entgegenzusetzen hatten.

Alba übernahm gleich die Führung, baute sie schon in der siebten Minute auf elf Punkte aus (17:6), auf 19 in der 14. Minute (32:13) und ließ auch jetzt nicht einen Zentimeter nach. Der höchste Vorsprung lautete in der 18. Minute 43:19. Schon beim Einwurf bedrängten sie ihren Gegner und kamen so zu mehreren Ballgewinnen. Die Bayern wirkten überrascht und bald auch frustriert. Im zweiten Viertel gelang ihnen erst mit der Schlusssirene der erste Feldkorb dieses Abschnitts. Zuvor hatten die Berliner sie wieder und wieder an die Freiwurflinie gezwungen; keinen ihrer Angriffe konnten sie wie gewünscht zu Ende bringen.

Obradovic konnte es sich leisten, von Anfang an fleißig durchzuwechseln. Auch der erst am Mittwoch verpflichtete Marko Banic kam zu seinen ersten Einsatzminuten. Der Kroate führte sich mit einem Offensiv-Rebound ein und wirkte nicht wie ein Fremdkörper. Anders sah es bei den Gästen aus, bei denen Spielmacher Anton Gavel (Schulterverletzung) ebenso vermisst wurde wie Kapitän Bryce Taylor (Adduktorenprobleme). Während das Berliner Spiel bereits lief, als wäre die Saison mitten im Gange, hakte es bei ihnen merklich. Svetislav Pesic nahm die Demontage seines Meister-Teams dermaßen mit, dass er sich beim Halbzeitgang in die Kabine bei den Schiedsrichtern so nachdrücklich beschwerte, dass er zunächst mit einem Technischen, danach mit einem Disqualifizierenden Foul bestraft wurde. Das bedeutete: Er musste sich das Elend nicht mehr mit ansehen. Wobei die Münchner sich in der zweiten Hälfte deutlich mehr zur Wehr setzten. Die Partie fand nun auf Augenhöhe statt, der Deutsche Meister verteidigte nun auch aggressiver. Mehrfach waren die Bayern nah dran, ihren Rückstand auf zehn Punkte zu verringern. Nun rächte sich, dass sie selbst an der Freiwurflinie einen sehr schwachen Tag erwischt hatten; acht dieser Chancen vergaben sie schon in der ersten Spielhälfte, weitere sieben folgten in der zweiten.

Knapp zwei Minuten vor Schluss kamen die Bayern tatsächlich durch einen Dreier Heiko Schaffartziks zum 68:76 noch einmal bedrohlich nahe. Doch die nächsten Versuche durch Nihad Djedovic und Dusko Savanovic verfehlten ihr Ziel. Der Champions-Cup-Gewinner kommt erneut aus Berlin.

Albas mit 15 Punkten erfolgreichster Schütze Jamel McLean sagte nach dem Prestige-Duell: „Jeder Titel zählt. Es ist ein gutes Gefühl, so in die neue Saison zu starten. die Spiele gegen Bayer werden immer hart und besonders umkämpft sein.“

Ein bitterer Wermutstropfen im Freudenbecher der Berliner war, dass sie einen weiteren verletzten Spieler zu beklagen haben. Ismet Akpinar war beim Training am Freitagabend umgeknickt. Am Montag bei der MRT muss sich zeigen, ob er nach Jonathan Tabu und Martin Seiferth der nächste längere Ausfall sein wird.