Basketball

„Bei meinem Wechsel ging es nicht um Geld“

Jan-Hendrik Jagla, vergangene Saison im Alba-Trikot gefeiert, kehrt mit Meister München zurück

Jetzt ist er wieder das, was er fast seine ganze Karriere über war: Berlins verlorener Sohn. Jan-Hendrik Jagla, 33, zog es, nachdem er sein Basketball-Handwerk beim TuS Lichterfelde gelernt hatte, 2001 hinaus in die Welt. Ans College in die USA, nach Polen und in die Türkei, mit Joventut Badalona, den Artland Dragons und Bayern München trat er bereits gegen Alba an, den Klub, der so lange und bis zur vergangenen Saison so vergeblich um ihn geworben hatte. Nach nur einem Jahr im Team von Sasa Obradovic packte der 2,13 Meter große Flügel erneut die Koffer und kehrte zurück zu den Münchner Bayern, mit denen er heute (20.30 Uhr) im Champions Cup, dem Duell des Pokalsiegers gegen den Meister, gegen Alba in der O2 World antritt.

Berliner Morgenpost:

Sie waren ausgerechnet in der Saison nicht in München, als die Bayern das erste Mal seit 1955 wieder Meister wurden. Hat der Titel die Stimmung bei den Bayern verändert, Herr Jagla?

Jan-Hendrik Jagla:

Der Druck ist noch mal größer geworden. Als ich das erste Mal nach München ging, kam ich zu einem Aufsteiger, einem ambitionierten zwar, aber einem Team, das Saison für Saison einen Schritt nach vorn machen wollte. Jetzt geht es darum, an der Spitze zu bleiben und den Titel zu verteidigen.

Was für ein Bayern-Team werden die Berliner heute sehen, nachdem Superstar Malcolm Delaney den Klub verlassen hat?

Wir haben mit Vasilije Micic einen sehr jungen Pointguard und mit Anton Gavel einen sehr erfahrenen Guard, der einen Teil der Rolle ausfüllen kann, die Delaney inne hatte. Anton hat eine unglaubliche Präsenz, weiß immer, wo jeder andere ist. Und er kann für jeden etwas kreieren. Wir werden breiter aufgestellt sein, eine Mannschaft, in der nicht einer eine übermäßige Rolle spielen wird, sondern eine, die Team-Basketball spielen wird.

Wie sehen Sie Ihre Rolle?

So ähnlich wie in der vergangenen Saison bei Alba. Mal werde ich mehr, mal weniger spielen. Ich will der Mannschaft helfen, von der Bank Impulse und Energie bringen, Rebounds holen und ab und an einen Dreier treffen. Bei uns sind viele Rotationen möglich. Ich denke, dass ich meine Spielanteile bekommen werde.

In dieser Rolle hätten Sie viele nach einer guten Saison auch gern weiter bei Alba gesehen.

Ich wäre auch gern bei Alba geblieben. Die Gespräche mit Alba haben irgendwann stagniert, unsere Sichtweisen waren unterschiedlich. Ich sage hier noch mal, dass es nicht ums Geld ging. Erst, als es mit Alba ins Stocken geriet, bekam ich andere Angebote, aus dem Ausland und aus München. Wo kann ich sportlich erfolgreich sein, wo mich wohlfühlen? Darum ging’s – und da habe ich mich für den Deutschen Meister entschieden.

Es war auch eine Art Familienzusammenführung. Jetzt trainieren Sie wieder unter Ihrem Schwiegervater Svetislav Pesic.

In Berlin ist meine Familie, in München die meiner Frau. Die Unterstützung durch ein familiäres Umfeld ist aber ein angenehmer Nebenaspekt, mehr nicht.

Das Verhältnis zwischen den Bayern und Alba war schon oft etwas angespannt, um es vorsichtig auszudrücken. War von der Rivalität in der Vorbereitung auf den Champions Cup etwas zu spüren?

Ich glaube, da ist eine tolle Rivalität zweier sehr guter Mannschaften entstanden. Dabei sollte man es auch belassen. Aus dem Rest habe ich mich immer rausgehalten. Es treffen zwei Teams aufeinander, die große Ambitionen haben. Für beide wird es mehr darum gehen, die eigenen Fehler zu reduzieren, als sich auf den Gegner einzulassen. Der Sieger wird sicher einiges an Selbstvertrauen mitnehmen, wie wir mit Alba letztes Jahr gegen Bamberg. Der Verlierer kann sich trösten: wir waren halt noch nicht so weit ...