Bundesliga

Gipfel der Frustrierten

Im Revierderby wollen Schalke und Dortmund Boden auf die Spitze gutmachen. Viele Verletzte auf beiden Seiten

Das ewig junge Revierderby wird zum Gipfel der Verletzten. Wenn sich die Erzrivalen FC Schalke 04 und Borussia Dortmund heute zum 167. Mal duellieren, werden den Gastgebern vermutlich acht, dem BVB sieben Stammkräfte fehlen. Doch auch der hohe Krankenstand und der nur mäßige Saisonstart beider Teams schmälert die Attraktivität nach Meinung von Schalkes Sportvorstand Horst Heldt nicht: „Was Atmosphäre, Renommee und mediale Begleitung betrifft, gehört das Derby zu den Top 3 in Europa.“

Von einem Spitzenspiel kann jedoch nicht die Rede sein. Der Vorjahreszweite aus Dortmund belegt Platz acht, Schalke liegt gar nur auf dem 13. Rang. Deshalb stehen beide Klubs unter Druck. Für den Verlierer würde die Tabellenspitze in sehr weite Ferne rücken. Angesichts dieser Konstellation erwartet der Dortmunder Mats Hummels ein umkämpftes Match: „Das Ding wird prickeln.“

Als Hauptgrund für die bescheidene Saisonbilanz gilt die Personalnot. „Deswegen sind beide Motoren noch am Stottern“, kommentierte Jens Keller. Gleichwohl überwiegt auch beim Schalker Coach die Vorfreude: „Die Truppen werden alle Kräfte freisetzen und die Probleme wegstecken. Egal, wer auf dem Platz steht. Jeder, der dabei ist, wird heiß sein, dieses Derby spielen zu können.“

Immerhin steht beim BVB der lange vermisste Weltmeister Hummels vor einer Rückkehr in die Startelf. Das soll helfen, die zuletzt wankende Defensive zu stabilisieren. Zum Leidwesen von Trainer Jürgen Klopp ist aus dem einstigen Prunkstück eine Problemzone geworden. Kein Bundesliga-Spiel überstand sein Team bisher ohne Gegentor. „Das ist schon die gesamte Saison so, dass für den Gegner wenig Aufwand zu viel reicht“, klagte Hummels.

Auch beim Rivalen aus Gelsenkirchen steht in Kevin-Prince Boateng ein Leistungsträger wieder zur Verfügung. Allerdings ließ Keller offen, ob der Mittelfeldspieler nach abgelaufener Sperre von Beginn an dabei ist. Den Schalkern gelang am vorigen Dienstag beim 3:0 in Bremen der erste Saisonsieg – ohne Boateng.

Zumindest Keller und Heldt sind sich einig: „Einen Favoriten gibt es am Samstag nicht.“ Wenngleich beim BVB in Weltmeister Matthias Ginter, Erik Durm und vermutlich Ciro Immobile die klangvolleren Namen auf der Reservebank sitzen. „Gute Verstärkungen und gute Qualität“, bestätigt Keller den Borussen und verrät Respekt. Man wolle dem BVB nicht ins offene Messer laufen.

Appelle, Durchhalteparolen und die Hoffnung auf eine Trendwende prägen die Stimmung beider Lager. Zumal nächste Woche Auftritte in der Champions League auf dem Programm stehen. Schalke erwartet am Dienstag NK Maribor, während der BVB am Mittwoch beim RSC Anderlecht antreten muss.

Nicht nur für die Profis, auch für die Polizei wird das Duell zu einer besonderen Herausforderung. Vor dem als Risikospiel eingestuften Klassiker wurden zusätzliche Kräfte aus anderen Bundesländern angefordert. Vorkommnisse wie vor elf Monaten auf Schalke, als die Partie wegen randalierender BVB-Fans erst verspätet angepfiffen werden konnte, sollen sich nicht wiederholen. Aus Sicherheitsgründen werden 800 Plätze im mit 61.153 Zuschauern ausverkaufen Stadion frei bleiben. Heldt erinnerte an das friedliche Derby Ende März in Dortmund: „Das ist der Maßstab. Ich hoffe, dass sich alle daran orientieren.“