Premier League

Van Gaal ist trotz Kaufrausch schlechter als sein Vorgänger

Nach ManUniteds historischer Blamage wächst die Kritik

Nach dem Spiel schaltete Louis van Gaal den Fön an. Er soll zumindest sehr laut geworden sein in der Kabine von Manchester United. Die 3:5-Pleite seines Teams bei Aufsteiger Leicester City hatte den Niederländer so auf die Palme gebracht, dass er seine Mannschaft ähnlich gnadenlos zusammenstauchte, wie es sein Vorgänger Alex Ferguson zu tun pflegte. „Das ist so, als wenn dir ein Hochleistungs-Fön mitten ins Gesicht bläst“, hatte Stürmer Wayne Rooney mal erzählt.

Van Gaal trat also mit seiner deftigen Ansprache in Fergusons Fußstapfen, zu deutlich war die Schmach seiner Millionentruppe gegen den Liganeuling, zu erschreckend die Schwächen, die Manchesters Defensivverbund offenbarte. Nach einer knappen Stunde hatten die „Red Devils“ nach toll herausgespielten Toren von Robin van Persie, Angel Di María und Ander Herrera schon 3:1 geführt. „Da hätten wir den Sack zumachen müssen“, schimpfte van Gaal nach dem Spiel.

Stattdessen gelangen Leicester nach haarsträubenden Abwehrfehlern innerhalb von 21 Minuten vier Tore, zwei davon per Elfmeter. Zudem verletzte sich Uniteds Innenverteidiger Johnny Evans, und der 20-jährige Tyler Blackett flog nach einer Notbremse vom Platz. Ein historisches Desaster für den englischen Rekordmeister. In 853 Premier-League-Partien hatte United erstmals nach einem Zwei-Tore-Vorsprung noch verloren, rangiert jetzt acht Punkte hinter Spitzenreiter Chelsea auf Tabellenplatz zwölf.

Hummels auf der Wunschliste

Der Lack beginnt zu blättern beim Niederländer. Obszön viel Geld stellten die United-Eigner van Gaal vor der Saison zur Verfügung, mit dem er vornehmlich teure Stürmer verpflichtete. Der Defensive fehlt dagegen weiter ein Spiritus rector, jemand, der die Dinge in die Hand nimmt, wenn es mal nicht läuft. Trotz allem nahm van Gaal das ganze Team in Haftung: „Man kann nicht sagen, dass die Abwehr schwach war. Wir haben in der zweiten Hälfte einfach nicht als Mannschaft gespielt.“ Mag sein, dennoch war das Ungleichgewicht zwischen Offensive und Defensive für jeden ersichtlich. So leichtfüßig das magische Dreieck aus Falcao, van Persie und Di María vorne Tore herausspielt, so hüftsteif und desorientiert präsentiert sich das Team defensiv.

Deswegen soll in der Winterpause, wenn das Transferfenster öffnet, frischer Wind für die Defensive hereingelassen werden. Oben auf van Gaals Wunschliste soll der Dortmunder Weltmeister Mats Hummels stehen. „Jeder will für einen Klub wie Manchester United spielen“, sagte der Trainer im Bewusstsein des Glanzes, den der Klub verbreitet – wenn er nicht leichtfertig verspielt wird. Die britische Presse unterstellt van Gaal aber genau das. „157 Millionen Pfund ausgegeben – und van Gaal ist schlechter als Moyes“, verwies „The Sun“ darauf, dass Vorgänger David Moyes zum gleichen Saisonzeitpunkt sogar noch zwei Punkte mehr auf dem Konto hatte.