FC Bayern

„Wir verlangen zu viel von den Spielern“

Vor dem Duell gegen den Bundesliga-Spitzenreiter Paderborn hadern sie beim FC Bayern mit dem Terminkalender

Spitzenspiel. Paderborn. Man glaubt es kaum. Es las sich deswegen auch erheiternd, als die Pressestelle des FC Bayern die Einladung zum Medientermin mit Pep Guardiola tags darauf verschickte. Dort hieß es, der Trainer werde Rede und Antwort stehen vor dem Aufeinandertreffen mit „Tabellenführer SC Paderborn“.

Für den Bayern-Trainer selbst ist das ein neues Gefühl, mit seinen Bayern gegen einen Tabellenersten zu spielen. Ging ja auch kaum, in der Voraison lagen die Münchner meist selbst vorn. Der neutrale Betrachter mag sich freuen angesichts der Tabellensituation: Zwei Punkte liegen zwischen den ersten zehn Mannschaften, Mainz und Hoffenheim sind die ärgsten Verfolger von Spitzenreiter Paderborn.

Nach der häufig geäußerten Unzufriedenheit über die Dominanz der Münchner mag diese Momentaufnahme viele erfreuen – beim FC Bayern eher niemanden. Die Bilanz nach den ersten vier Spieltagen ist mäßig. Zwei Siege, zwei Unentschieden, das gereicht schon zum Stimmungskiller. Bei Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge etwa, der sich im neuen „Bayern-Magazin“ Luft machte.

Rummenigge benannte die Fifa und die Uefa als mitschuldig an der Misere des eigenen Klubs, wetterte über die englischen Wochen mit Spielen im Drei-bis-vier-Tages-Rhythmus. Das war freilich in früheren Spielzeiten genauso, der Rahmenterminkalender mit Länderspielen und Champions League ist immer der gleiche. Nur war das bislang selten ein Thema, weil die Bayern die Mehrfachbelastungen zuletzt recht souverän meisterten. Anders als in diesem Jahr mit einem wieder einmal holprigen Saisonstart nach einer erfolgreichen Weltmeisterschaft, und darum ist jetzt schlechte Stimmung.

„Die Belastung hat ein gesundes Maß längst überschritten und ist am Limit angelangt“, klagte der erzürnte Vorstandschef. „Dafür sind die Dachverbände mit ihrer Flut von Länderspielen verantwortlich. Es kann nicht angehen, dass wir irgendwann 40 Spieler unter Vertrag nehmen müssen, um qualitativ hochwertig durch die Saison zu kommen.“

Ein gutes Stichwort, das mit der Qualität, genau diese Frage stellte sich nämlich beim Spiel in Hamburg. Denn von der Bayern-Philosophie, jede Position im Kader zweimal gleichwertig zu besetzen, war wenig zu sehen. Xherdan Shaqiri, erstmals in dieser Saison in der Startelf, versäumte es, seine Chance zu nutzen, genauso wie Claudio Pizarro als Sturmspitze oder der 19-jährige Mittelfeldmann Pierre-Emile Höjbjerg. So blieb neben einem unerquicklichen Unentschieden die bittere Erkenntnis, dass die verletzten Stammkräfte eben doch nicht ebenbürtig ersetzbar sind. Ob sie jetzt doch Toni Kroos hinterhertrauern?

Einigkeit jedenfalls bei der Frage nach der derzeitigen Belastung. Mit deutlichen Worten kritisierte auch Guardiola am Montag den straffen Kalender. „Die Spieler haben immer Druck, Druck, Druck. Wir verlangen zu viel von den Spielern.“ Guardiola erinnerte an die Basketball-Profis in der NBA und sagte: „Die spielen auch alle zwei, drei Tage. Aber dafür haben sie im Sommer fünf Monate Urlaub.“ Urlaub, das ist bei den Bayern ein Fremdwort, und deswegen fürchtet der Bayern-Coach, dass sich seine Mannschaft noch die nächsten drei Monate durchquälen wird. „Wir werden uns verbessern, aber das wird noch länger dauern. Bis zur Winterpause.“