Interview

„Da wird ein großer Traum Wirklichkeit“

Paul Drux gilt als das größte Talent im deutschen Handball. Mit 19 Jahren bestreitet der Berliner das erste Länderspiel

Im deutschen Handball bricht eine neue Zeitrechnung an: Dagur Sigurdsson verzichtet bei seiner Premiere als Handball-Bundestrainer gegen die Schweiz auf sämtliche Weltmeister von 2007. Mit dabei am Sonnabend in Göppingen (17 Uhr) ist der Berliner Paul Drux, 19. Der Rückraumspieler, dem Experten eine große Zukunft voraussagen, bestreitet in seiner ersten Saison als Profi-Handballer gleich das erste Länderspiel.

Berliner Morgenpost:

Wie haben Sie Ihre erste Nominierung für die A-Nationalmannschaft aufgenommen?

Paul Drux:

Ich habe kurioserweise per Zufall davon erfahren, nach dem Krafttraining beim Surfen im Internet. Dagur (Bundestrainer und Füchse-Coach Sigurdsson, d. Red.) hatte zuvor im Training keinerlei Andeutungen gemacht. Von daher war es für mich wirklich eine tolle Überraschung.

Wie fühlen sich die ersten Stunden im Kreise der Nationalmannschaft an?

Das ist schon etwas ganz Besonderes. Hier sind ja viele Spieler, die ich früher im Fernsehen beobachtet habe und dabei immer dachte: Wow, wenn ich irgendwann mal mit dem oder dem in einer Mannschaft spielen würde, wäre das ein großer Traum. Dass das jetzt schon Wirklichkeit geworden ist, ist ein großartiges Gefühl.

Wie sind Sie beim Trainingslager in Heilbronn aufgenommen worden?

Sehr gut, ich kenne ja fast alle aus der Bundesliga. Und die meisten kennen auch mich mittlerweile. Aber es ist ja nicht so, dass man mit allen schon mal gesprochen hätte. Das passiert jetzt.

Wie empfinden Sie es, dass in Dagur Sigurdsson Ihr Vereinstrainer jetzt auch Nationalcoach ist?

Das ist auf jeden Fall ein Vorteil für Fabi (Fabian Wiede, d. Red.) und mich, weil Dagur uns sehr gut kennt, mit allen Stärken und Schwächen, und für ihn die Ausbildung junger Spieler besonders wichtig ist. Das kenne ich seit Jahren von den Füchsen. Und er weiß genau, wo er uns einsetzen kann. Das wäre bei einem anderen Bundestrainer anders, weil der einen ja nur vom Fernsehen oder vom Sichten kennen würde. Es fühlt sich bei der Nationalmannschaft zwar schon alles ein bisschen anders an, aber Dagur ist in Wahrheit nicht viel anders als beim Vereinstraining.

Am Sonnabend steht im Länderspiel gegen die Schweiz Ihre Premiere an. Was haben Sie sich für die Nationalmannschaft vorgenommen?

Ich denke schon, dass ich da meine Einsatzzeiten bekommen werde. Die Leute können ja nicht durchspielen. Und da es Testspiele sind, gehe ich davon aus, dass dabei dann auch vermehrt gewechselt wird, um ein bisschen etwas auszuprobieren. Und einfach zu schauen, wer kann gut mit wem? Konkrete Ziele habe ich mir jetzt noch keine gesetzt, ich bin aber hierher gefahren, um das Beste daraus zu machen und erst einmal alle kennenzulernen. Ich gucke von Tag zu Tag, und ich denke, das macht Sinn, denn ich merke jetzt schon, dass es von Tag zu Tag besser und entspannter wird.

Und die WM 2015 in Katar?

Darum mache ich mir jetzt noch keinen Kopf. Das wäre viel zu früh. Erst einmal will ich mich hier gut präsentieren.

Haben Sie Lampenfieber?

Noch nicht, aber das wird sicher noch kommen. Direkt vor dem Spiel bin ich auch in der Bundesliga immer ein bisschen aufgeregt. Aber sobald das Spiel angepfiffen wird, ist es vorbei. Da bin ich dann nur noch konzentriert, zum Glück.

Sie sind erst 19 Jahre alt, mehrmaliger A-Jugend-Meister und haben zuletzt mit den deutschen Junioren den EM-Titel gewonnen. In den bisherigen Bundesligaspielen haben Sie bislang stark aufgespielt. Woher kommt diese Stärke?

Meine Qualität ist, dass ich abwehrstark und ziemlich dynamisch bin. Das wirkt nach außen hin wie eine Leichtigkeit. Aber es war immer mein großes Ziel, Handballprofi zu werden. Dafür habe ich alles getan und tue das jeden Tag aufs Neue.

Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning hat unlängst gesagt, Sie seien das größte Talent im deutschen Handball, er hat Sie sogar mit dem Weltstar Nikola Karabatic verglichen. Ein großer Name.

Ja, das habe ich schon einmal gelesen (schmunzelt). Das hört sich natürlich klasse an, und das Kompliment geht mir runter wie Öl. Aber ich versuche, bei all dem Lob mich selbst immer auch ein bisschen herunter zu holen. Im Sport ist es doch so, dass du, wenn du dann mal fünf, sechs schlechte Spiele hast, gleich der Buhmann bist. Von daher versuche ich, jeden Tag von neuem in Angriff zu nehmen. Und ich versuche, mir wenig daraus zu machen, was andere über mich sagen. Ich bin ja noch jung und genieße es, dass es so gut läuft. Aber ich bin noch lange nicht zufrieden.

Sie klingen wie ein erfahrener Profi.

Ich habe schon immer versucht, mir selbst so wenig Druck wie möglich zu machen. Jetzt, da in meinem ersten Profijahr die Aufmerksamkeit größer geworden ist, ist natürlich der Druck von außen schon größer geworden. Wenn man dann noch im Kopf verkrampft und über zu viele Dinge nachdenkt, kann man keine gute Leistung mehr bringen. Deshalb versuche ich, immer locker zu sein. Und das klappt ganz gut.

Wie hat sich Ihre Position in Ihrem ersten Profijahr in Berlin verändert?

Ich werde jetzt schon anders wahrgenommen. In der vergangenen Saison hatte ich ja schon eine Art Welpenschutz, wenn mir zum Beispiel ein Fehlwurf unterlaufen ist. Das hieß es dann: Nicht schlimm, er spielt ja noch in der A-Jugend. Jetzt trage ich viel mehr Verantwortung. Das muss man erst einmal können, ebenso wie ich jetzt die Konsequenzen für meine Fehler tragen muss. Da gibt es schon mal härtere Ansagen. Ich bin quasi erwachsen geworden.

Wie sieht es mit den Hierarchien und Aufgaben in der Mannschaft aus?

Ich bin bei den Füchsen für das Harz zuständig. Ich besorge das und bringe es zum Training und zu den Spielen mit. Es gibt zwei große Sorten, von jeder muss immer etwas da sein. Und ich habe das auch zum Glück noch nie vergessen, sonst müsste ich Strafe in die Mannschaftskasse zahlen.

Sie sind nach dem bestandenen Abitur im Sommer mit Ihrer Freundin in Falkensee zusammen gezogen. Welche Qualitäten hat der Hausmann Paul Drux?

Ich bin ja schon mit 16 Jahren zu Hause ausgezogen und nach Berlin gekommen, habe im Internat gewohnt, bin also schon lange sehr selbstständig. Von daher hat sich jetzt gar nicht so viel verändert. Aber ich muss jetzt alle Rechnungen wie Strom, Wasser und Internet selbst regeln und begleichen. Aber es macht auch viel Spaß, den Freiraum zu haben. Im Haushalt bin ich besonders gut beim Aufräumen. Und kochen kann ich auch recht gut. Am liebsten Nudeln. Oder Feldsalat mit Steak und Kartoffeln.