Freestyle

Vom „Supertalent“ zum Motocross-Profi

Freestyler Kai Haase lebt seinen Traum. Nun fliegt er durch Berlin

Kai Haase kann sich glücklich schätzen. Der Freestyler hat sein Hobby zum Beruf gemacht. „Ich wollte schon immer nur eine Sache machen: Motocross fahren“, sagt der 23 Jahre alte Berliner. Seit März vergangenen Jahres ist er Freestyle-Profi und verdient damit sein Geld. Entspannt lümmelt sich der Blondschopf im Campingwagen seines Sponsors. Es geht zu Film- und Fotoaufnahmen auf die Strecke nach Wißkirchen.

Haase ist in Deutschland kein Unbekannter. Bei der TV-Show „Das Supertalent“ schaffte er es 2013 bis ins Halbfinale. „Ich war vor Millionen Zuschauern zu sehen und habe den Sport in den Mainstream gebracht“, sagt Haase, „darauf bin ich stolz.“ Noch immer erkennen ihn die Zuschauer bei den Events, und auch auf der Straße wird der blonde Schlacks gelegentlich angesprochen.

Bei den „Monsters-of-Dirt“-Events, die erstmals in Berlin stattfinden, ist Haase am Freitagabend (20 Uhr) das deutsche Aushängeschild. Mit dem Erfinder der Serie, Georg Fechter, verbindet ihn eine langjährige Freundschaft. Ein weiterer Grund, warum Haase bei den spektakulären Flug- und Feuershows in der Max-Schmeling-Halle dabei sein darf.

Mit dem Motocross begonnen hat Haase schon als Dreijähriger, damals fuhr er einfach nur ein paar Runden im Kreis. Später kamen Rennen dazu, Probleme mit dem Vater ließen den Youngster jedoch ausbrechen und etwas Neues probieren. Da traf es sich gut, dass die Freestyle-Größe Sebastian „Busty“ Wolter in der Nachbarschaft wohnte und dem Talent sein erstes Motorrad besorgte. „Busty bin ich ewig dankbar“, sagt Haase, „ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier.“

Ehe er sich voll und ganz auf das Leben als Profi konzentrierte, machte Haase eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker. „Meine Mutter hat gesagt: Egal, was passiert, du musst erst die Ausbildung beenden. Danach kannst du machen, was du willst.“ Zwar verlor Haase schon Mitte der Ausbildung die Lust, die Abschlusspapiere hat er seit März 2013 aber trotzdem in der Tasche. Dass sich sein Leben irgendwann einmal außerhalb der Motocross-Szene abspielen könnte, will er sich allerdings nicht vorstellen.

Wie gefährlich seine Sportart ist, bekam er Ende letzten Jahres zu spüren. Kurz vor Weihnachten zog sich Haase bei einem Sturz einen Kreuzbandriss zu. „Ich fahre jetzt seit 20 Jahren Motocross“, erzählt Haase, „und das war meine erste schwere Verletzung.“ Zuvor gab es höchstens mal eine Pause von drei bis vier Wochen. Nun musste er fünf Monate aussetzen.

Seit Juni sitzt Haase wieder im Sattel und tut das, was ihm am meisten Spaß macht. Dass er nun vor heimischem Publikum antreten darf, ist für ihn etwas ganz Besonderes, schließlich sind die „Masters-of-Dirt“-Veranstaltungen reine Einladungsevents. Seine Teilnahme beweist: Das einstige „Supertalent“ gehört im Motocross-Zirkus inzwischen zur Familie.