Champions League

Boatengs Traumtor erlöst die Bayern

Der Weltmeister trifft in letzter Minute zum 1:0-Sieg gegen Manchester City. Schalke überrascht mit Punktgewinn bei Chelsea

Schon in Brasilien war Jerome Boateng einer der besten Spieler im Team des Weltmeisters Deutschlands. Doch als Verteidiger verrichtete der gebürtige Berliner seine Arbeit eher unauffällig. Am Mittwochabend trat der 26-Jährige einmal aus dem Schatten der anderen heraus. Und wie: Mit seinem Traumtor in der 90. Minute hat der ehemalige Herthaner seinem Klub FC Bayern München einen erfolgreichen Start in die Champions League beschert. Er erzielte den entscheidenden und deshalb umjubelten Treffer beim 1:0 (0:0) gegen Manchester City.

Zuvor hatte der deutsche Fußball-Meister eine Vielzahl an Tormöglichkeiten vergeben, war dabei aber auch mehrfach am guten City-Torwart Joe Hart gescheitert. Zum elften Mal in Folge gelang den Bayern damit ein Auftakterfolg in der europäischen Königsklasse. Der Sieg vor 68.000 Zuschauern war umso wichtiger, da auch der AS Rom mit einem 5:1-Kantersieg gegen den ersten Münchner Auswärtsgegner ZSKA Moskau in die knifflige Gruppe E starten konnte.

Matchwinner Boateng sagte: „Es war super wichtig zu gewinnen. Das war ein hartes Stück Arbeit. Am Ende haben wir verdient gewonnen.“ Auch sein Trainer Pep Guardiola war in prächtiger Stimmung: „Wir sind sehr glücklich, dass wir in dieser harten Gruppe die ersten drei Punkte gegen einen starken Gegner gewonnen haben.“ Wie groß der Respekt des Spaniers vor dem englischen Meister war, drückte sich in seiner Aufstellung aus. Ein massives Mittelfeld mit dem nach sechs Wochen von einem Bänderriss genesenen Rafinha, Philipp Lahm, Xabi Alonso und Juan Bernat sollte helfen, das Zentrum zu kontrollieren. Dahinter postierte er eine Dreierkette mit Mehdi Benatia, der sein Bayern- und Champions-League-Debüt gab, Boateng in der Mitte und David Alaba links.

Müller kann ruhig schlafen

Die Matchplan von Guardiola wäre beinahe schon kurz nach dem Anpfiff erstmals aufgegangen. In der 38. Sekunde der Partie setzte Thomas Müller nach schöner Kombination mit Mario Götze und Robert Lewandowski den Ball aber ans Außennetz. Mit kontrolliertem Offensivspiel und vielen Positionswechseln kam der deutsche Champion immer wieder zu Abschlüssen gegen die massierte Deckung der Gäste. Größtes Manko: die schwache Chancenverwertung. Vor allem City-Keeper Hart erwies sich in mehreren Situationen als scheinbar unüberwindbar.

So scheiterte Müller (19.) per Kopf nach Flanke des offensiv starken Bernat an dem Torhüter. Auch gegen Götze (21.) war der englische Nationalspieler zur Stelle. Alabas Fernschuss (32.) parierte Hart ebenfalls glänzend, eine Minute zuvor hatte der Österreicher in Bayern-Diensten beinahe von derselben Stelle knapp verzogen. Lewandowski (36.) traf wenig später aus spitzem Winkel nur das Außennetz. Müller zeigte dennoch den von ihm schon gewohnten Humor. „Solange die Mannschaft gewinnt, liege ich heute Abend mit einem Lächeln im Bett“, sagte er fröhlich. Für Gefahr von Seiten Manchesters sorgte allein der Ex-Wolfsburger Edin Dzeko, der in der 13. und 22. Minute zweimal gefährlich vor dem Tor von Manuel Neuer auftauchte.

In der zweiten Halbzeit hatten auch die Münchner nur noch wenige gute Chancen durch Götze (55.) und Alaba (60.). In der Schlussphase wollte Guardiola mit den Einwechselungen von Arjen Robben und Claudio Pizarro den Sieg erzwingen. Doch die Erlösung schaffte ausgerechnet Bayerns Abwehrchef Boateng mit seinem Traumschuss aus schwierigem Winkel.

Huntelaar schockt den Favoriten

Dank Torjäger Klaas-Jan Huntelaar hat Schalke 04 einen ersten Schritt aus der Krise gemacht. Die Königsblauen, die auf neun verletzte Spieler verzichten mussten, erkämpften sich nach dem Bundesliga-Fehlstart und dem Aus im DFB-Pokal beim FC Chelsea ein überraschendes 1:1 (0:1). Der Niederländer sicherte den Schalkern mit seinem 42. Europapokaltor (62.) einen Punkt beim Topfavoriten der Gruppe G.

„Ich bin wahnsinnig stolz. Das war unglaublich gegen so eine Mannschaft und bei den Problemen, die wir haben“, freute sich Trainer Jens Keller. „Wir haben uns richtig reingekämpft in das Spiel“, ergänzte Huntelaar. Die Schalker hatten gegen den Tabellenführer der englischen Premier League auch noch Pech, denn dem 0:1 durch Cesc Fabregas (11.) ging ein Foul des Spaniers an Max Meyer voraus.

Der Punkte war auch deshalb hochverdient, weil schon kurz vor der Pause Kevin-Prince Boateng mit einem Distanzschuss (39.) und Julian Draxler nach einem Solo (45.) gute Chancen zum Ausgleich hatten.