Champions League

Ein verlorener Schienbeinschoner und die Folgen

Lukas Podolski wird mit dem FC Arsenal vom Tempo-Fußball der Dortmunder überrollt

Plötzlich war es verschwunden, das markante Grinsen im Gesicht von Lukas Podolski. Stattdessen verfiel der deutsche Nationalspieler in Diensten des FC Arsenal am späten Mittwochabend mehr und mehr in Hektik. Trainer Arsene Wenger hatte ihm Mitte der zweiten Halbzeit das Signal zur Einwechslung gegeben, doch nun fehlte dem Weltmeister plötzlich sein Arbeitsgerät: ein Schienbeinschoner. Alles Suchen rund um die Auswechselbank der Londoner blieb erfolglos, bis der bereits ausgewechselte Mesut Özil schließlich mit einer Leihgabe aushalf. In der 77. Minute war Podolski endlich einsatzbereit. An der deutlichen 0:2 (0:1)-Niederlage beim Champions-League-Gegner Borussia Dortmund konnte aber auch er nichts mehr ändern.

Es war eine Szene aus der Kategorie „auch das noch“. Nicht mehr als eine kuriose Fußnote zwar, aber dennoch symptomatisch für den Auftritt der Engländer. Der Titelanwärter aus der vermeintlich stärksten Liga der Welt erlebte in Dortmund sein schwarz-gelbes Wunder. Arsenal wirkte streckenweise überfordert und wurde vom Hochgeschwindigkeitsfußball des BVB förmlich überrollt. „Dortmund war in Sachen Laufbereitschaft und Tempo ein Vorbild für uns“, musste Innenverteidiger Per Mertesacker anerkennen. Tatsächlich war das Endergebnis nach den beiden Toren durch Star-Einkauf Ciro Immobile (45. Min) und Pierre-Emerick Aubameyang (48.) noch schmeichelhaft für die Londoner.

Sich über vergebene Chancen zu beklagen, wäre Jürgen Klopp deshalb aber nicht in den Sinn gekommen. „Das Spiel hefte ich mir ab“, sagte der BVB-Trainer. „Wir wollten eine Pressing-Maschine auf den Platz stellen. Das hat nahezu perfekt geklappt.“ Dabei hatten die Dortmunder auf acht Stammkräfte verzichten müssen und mit dem verletzten Sebastian Kehl, der zu Beginn der zweiten Halbzeit durch Matthias Ginter ersetzt wurde, einen weiteren Ausfall zu beklagen.

Die englische Presse fand nach der deutlichen Pleite klare Worte. „Arsenals Defensivleistung war elend“, schrieb der „Daily Telegraph“. Besonders Mesut Özil wurde kritisiert, der Deutsche sei nahezu „unsichtbar“ gewesen. Wie schon bei der Weltmeisterschaft im DFB-Team lief der 25-Jährige erneut auf der Außenbahn statt im Zentrum auf. Akzente konnte er dort nicht setzen. Özil wurde nach 62 Minuten ausgewechselt und verschwand kommentarlos im Teambus.

Der vermisste Schienbeinschoner ist laut Podolski übrigens nicht wieder aufgetaucht. „Ein Reporter sucht bestimmt auch mal seine Autoschlüssel“, sagte der frühere Kölner lapidar. Nach dem verpatzten Start in die Champions League dürften er und Arsenal wahrlich größere Sorgen haben.