Radsport

Jens Voigt verschiebt seinen 43. Geburtstag für einen Weltrekord

Die magische Zahl ist die 199. So viele Runden müsste Radprofi Jens Voigt am Donnerstag auf der 250-Meter-Bahn in Grenchen/Schweiz innerhalb von sechzig Minuten schaffen.

Das wären 49,75 Kilometer. Dann könnte der Berliner seinen 43. Geburtstag (17. September) ordentlich nachfeiern und einen Stundenweltrekord dazu. Den hält der Tscheche Ondrej Sosenka, der am 19. Juli 2005 in Moskau 49,7 Kilometer bewältigt hatte.

Am Morgen nach der Rekordjagd, vermutet Jens Voigt, werde er vor lauter Schmerzen nicht einen Schritt gehen können. Nach seiner Ankündigung, den Versuch zu starten, gingen die Meinungen auseinander. Manche belächelten ihn, andere hielten es für ein ernsthaftes Ansinnen. Doch – ganz geheim – laufen seit Monaten die Vorbereitungen. „Wir haben ein paar Tests gemacht und glauben, dass ich eine faire Chance habe“, sagte Voigt. Mehr als eine Woche vor der finalen Rennstunde seiner 18-jährigen Profilaufbahn reiste er an den Ort des Geschehens. „Es ist eine riesige Herausforderung für mich, körperlich wie mental“, sagte der sechsfache Familienvater.

Für Voigt spricht das Material. Sosenka musste, um regelkonform zu sein, ein normales Rennrad ohne aerodynamische Verfeinerungen benutzen. Voigt darf nach einer Regeländerung durch den Radsportweltverband UCI wieder ein spezielles Zeitfahrrad mit Triathlonlenker (Auflage der Unterarme möglich) und Scheibenrädern besteigen. Ein Vorgang, der seinen Schweizer Trek-Teamkollegen Fabian Cancellara, der eigentlich mit dem Rekordversuch geliebäugelt hatte, „viel Motivation geraubt“ habe.

Boardman war am schnellsten

Neben Cancellara hatten bereits der frühere Tour-Sieger Bradley Wiggins und auch Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin bekundet, durchaus Interesse am Stundenweltrekord zu haben. Wiggins zum Beispiel ist überzeugt von Voigt. „Er wird sich den Rekord holen“, sagte der Brite. Voigt hält ein Scheitern für ausgeschlossen: „Es ist eine der ältesten Disziplinen in unserem Sport. Ich möchte sie ein wenig in den Fokus rücken und bin überzeugt, dass ich es schaffen kann.“

„Gemessen an seinen Fähigkeiten liegt der Rekord in Reichweite“, äußerte sich Trek-Teamsprecher Tim Vanderjeugd zurückhaltend. Der dreifache Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin, der den Rekord im kommenden oder im Olympiajahr angreifen will, erwartet von Voigt „eine belastbare Vorgabe“. Ein Rekord könnte der Stundenjagd neues Leben verleihen. Denn zahlreiche Weltrekorde, die vor allem in den Jahren zwischen 1984 und 1996 auf experimentellen Rädern aufgestellt wurden, hat die UCI annulliert und in „Weltbestleistungen“ umgewandelt. Auf dieser Liste die Nummer eins ist der Brite Chris Boardman, der am 7. September 1996 in einer extremen Sitzposition mit weit vorgezogenem Lenker sogar 56,375 km/h schaffte. Der Franzose Henri Desgrange setzte am 11. Mai 1893 mit 35,325 Kilometern die erste Bestmarke.