Europa League

Mit der Garantie für deutsche Enttäuschungen

Bundesliga ist seit Jahren in der Europa League chancenlos

Die Geschichte ist nicht das Problem. Vor 40 Jahren gewann beispielsweise Borussia Mönchengladbach den Uefa-Cup. Aus diesem Anlass durfte der Klub die Originaltrophäe des Championats, das heute Europa League heißt, nun in seinem Stadion ausstellen. „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht gestalten“, sagte Präsident Rolf Königs staatsmännisch, „warum sollte die Borussia nicht noch mal für eine große Überraschung sorgen wie 1975? Das Jubiläum wäre doch ein guter Zeitpunkt.“

Ja, warum nicht? Das fragen sich alle deutschen Fußball-Fans, wenn sie auf Europas einst dritten, seit Abschaffung des Pokalsiegercups 1999 zweiten Klubwettbewerb blicken. Warum ist die Gegenwart so zäh? In der Vorsaison schaffte es kein deutscher Verein ins Achtelfinale, und dies kulminierte ja bloß den jahrelangen Trend des Versagens in einem Wettbewerb, der mal Deutschlands Spezialität war. Nach zwei Gladbacher Triumphen 1975 und 1979 standen im folgenden Jahr vier deutsche Klubs im Halbfinale, am Ende siegte Eintracht Frankfurt. Drei Titel also in fünf Jahren. Seitdem gab es in 34 Jahren – ebenfalls drei Titel. Und die sind auch schon lange her.

Leverkusen 1988, Bayern 1996, Schalke 1997: Der bis dato letzte Sieg stammt aus der Zeit vor der Champions-League-Reform. Seit 1999 können die besten vier – zwischenzeitlich aufgrund schlechterer Position im Uefa-Ranking die besten drei – Bundesligaklubs dort mitmischen. Weil die deutschen Vertreter in der Europa League, so ließe sich argumentieren, schlechter sind als früher, gewinnen sie nichts mehr. Passenderweise haben auch die einstigen Uefa-Cup-Mächte England und Italien damit zu kämpfen. England gewann zwischen 1971 und 1999 fünf Titel, danach nur noch zwei. Italien neun, und danach gar keinen mehr.

Andererseits gibt es in diesen beiden Ländern offensichtlichere Gründe für diese Entwicklung. Der Calcio erlebt seit Beginn des Jahrtausends einen generellen Abstieg. In England wiederum gehen zwei der drei Startplätze an die Gewinner von Pokal und Ligapokal, weshalb die Vertreter bisweilen aus der zweiten Spielklasse kommen. Wolfsburgs heutiger Rivale FC Everton allerdings qualifizierte sich als Liga-Fünfter; ein echter Test also.

Wie auch Gladbachs Gegner FC Villarreal, ein Delegierter aus dem Europa-League-Wunderland. Das Abschneiden der spanischen Klubs nahm den umgekehrten Verlauf wie das derjenigen aus den anderen Top-Ligen: nur zwei Titel bis 1999, sechs danach. Es torpediert die Hypothese, der veränderte Modus könne die deutsche Titeldürre erklären. Denn nicht nur die entsandten Bundesliga-Teams sind schlechter geworden – der ganze Wettbewerb hat nicht mehr die Qualität von früher, als er oft schwerer zu gewinnen war als der Europapokal der Landesmeister.

Offenbar ist es mit der Leistungstiefe, die sich die Bundesliga früher auf die Fahnen schrieb, nicht mehr so weit her. Während in der Champions League die Bayern mit drei Finals in den letzten fünf Jahren zum stabilsten Spitzenklub des Kontinents aufstiegen und Borussia Dortmund brillant die Logik des Geldes herausfordert, widersetzen sich die meisten anderen Klubs hartnäckig der Qualitätsrenaissance im Weltmeisterland.

Auch diese Saison begann nach alter Sitte: Mainz scheiterte in der Qualifikation gegen Asteras Tripolis, den griechischen Tabellen-Fünften der Vorsaison. Bleiben für ein Ende der Leidenszeit also Wolfsburg, für das der üppige Etat spricht, und Gladbach, mit der Geschichte im Rücken. Angesichts der jüngeren Erfahrungen der Bundesliga-Klubs hätte Präsident Königs also Recht: Die Überraschung könnte größer nicht sein.