Bundesliga

Kleine Lösung für die große Krise beim Hamburger SV

Bisheriger U23-Trainer Josef Zinnbauer soll den Klub aus dem Liga-Keller führen

– Am Dienstagnachmittag schien die Welt beim HSV und bei Mirko Slomka für den Moment wieder in Ordnung. „Wenn ein Verein wie der HSV anruft, dann ist das was Besonderes“, sagte der Trainer. Tatsächlich gesagt hat er das natürlich nicht jetzt, sondern im vergangenen Februar bei seiner Präsentation, die aber ausgerechnet am Dienstag in einer TV-Konserve auf allen Flachbildschirmen vom Stadionrestaurant „Die Raute“ via HSV-TV übertragen wurde.

Dass der am Vorabend entlassene HSV-Trainer zu diesem Zeitpunkt bereits seine Sachen aus dem Stadion abgeholt hatte und ganz offiziell vom Klub „freigestellt“ wurde, war längst bekannt. Nicht bekannt war dagegen, was Dietmar Beiersdorfer nur zwei Stunden später in denselben Räumlichkeiten wie bei der Slomka-Präsentation zu verkünden hatte: Der HSV-Chef gab überraschend bekannt, dass neben dem chronisch erfolglosen Coach auch dessen Assistenten Nestor El Maestro, Torwarttrainer Ronny Teuber und Nikola Vidovic gehen müssten, zudem würde man Co-Trainer Zlatan Bajramovic offen lassen, wieder zurück in den Nachwuchsbereich zu wechseln. Neuer Cheftrainer würde „bis auf Weiteres“ U23-Coach Josef Zinnbauer werden, assistiert von Patrick Rahmen, dem bisherigen Cheftrainer der Nachwuchsteams U16 bis U23, Ex-HSV-Keeper Stefan Wächter (Torwarttrainer) und Nachwuchs-Athletiktrainer Carsten Schünemann. Zinnbauers Assistententrio war erst vor drei Wochen von Neunachwuchschef Bernhard Peters für den Unterbau des HSV verpflichtet worden.

„Wir versprechen uns von Joe, dass er unserer Mannschaft eine neue Struktur verpassen kann. Schnelle Taten sind erhofft und erwünscht. Wir stehen hinter dem Team“, sagte Beiersdorfer, der aber ein klares Bekenntnis zum neuen Trainerteam scheute. Zinnbauer und sein Team wären „aktuell die passende Lösung“, erklärte Beiersdorfer, einen entsprechend angepassten Vertrag würde daher keiner der Neuen bekommen.

Seine schwammige Formulierung hat einen ganz einfachen Hintergrund. Denn erst als er und der mächtige Aufsichtsratschef Karl Gernandt keine Chance gehabt hatten, Wunschtrainer Thomas Tuchel als Slomka-Nachfolger zu präsentieren, schwenkten die Verantwortlichen auf die Übergangslösung Zinnbauer um, der nun erst einmal den Nachweis erbringen soll, möglicherweise mehr als nur eine Übergangslösung zu sein. Tuchel, der noch bis 2015 in Mainz unter Vertrag steht, hatte den Verantwortlichen des HSV signalisiert, dass er nicht als Feuerwehrmann zur Verfügung stehe. „Ich kann nicht ausschließen, dass wir an der einen oder anderen Stelle Gespräche mit Kandidaten führen“, sagte Beiersdorfer, der aber vehement die Kritik konterte, dass Investor Klaus-Michael Kühne oder Aufsichtsratschef Gernandt zu viel Einfluss auf das operative Geschäft ausüben würden. „Klaus-Michael Kühne hatte null Prozent mit den Entlassungen von Mirko Slomka oder auch Oliver Kreuzer zu tun. Die Entscheidungen werden noch immer hier im Volkspark getroffen“, so der Vorstandsvorsitzende.

Die Trennung von Slomka kommt dem HSV teuer zu stehen. Demnach stehen dem erfolglosen Trainer vom Tag der Freistellung bis zum Vertragsende im Sommer 2016 noch die Hälfte seines Grundgehalts sowie etwaige Erfolgsprämien zu. Nach Morgenpost-Informationen darf Slomka, der 1,5 Millionen Euro exklusive Prämien verdient haben soll, sich somit bei seinem noch knapp zwei Jahre laufenden Vertrag auf mindestens 1,4 Millionen Euro freuen.