EHC Eisbären

Der Mann mit der Werkzeugkiste

Die Verpflichtung des Finnen Antti Miettinen zeigt, dass die Eisbären sich vorgenommen haben, wieder an der Spitze mitzuspielen

Manager müssen früh dran sein. Das empfiehlt sich einfach berufsbedingt, wenn man gute Geschäfte machen will. Eigentlich hat Peter John Lee keine Probleme damit, sonst wäre der EHC Eisbären kaum siebenmal Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) geworden. Doch diesmal ging es ihm fast zu schnell. Für Dienstag lud er Antti Miettinen nach Berlin ein. Der jedoch hatte es eilig. Er komme schon Montag, ließ er wissen. Und dann auch noch morgens um kurz nach sieben.

Egal, für einen wie ihn kann man schon mal früh aufstehen. Kaum war er in der Stadt, unterschrieb er den Vertrag beim EHC. „Ich möchte in einer tollen Stadt in einem tollen Team spielen, das immer gewinnen will. Das ist alles, was ich brauche“, sagte Miettinen bei der Stippvisite in der O2 World immer noch recht ausgeschlafen, obwohl er aus Helsinki angereist war. Dank ihm steigt das Potenzial der Mannschaft, die immer gewinnen will, um einiges, dies auch tatsächlich öfter zu tun.

Ambitionierter Botschafter

Spieler wie Miettinen finden nicht selbstverständlich den Weg in die DEL. Der Finne gewann in seiner Karriere jeweils Silber und Bronze bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, in der NHL stand er 563 Mal auf dem Eis. Der Stürmer spielte in Russland und zuletzt in der Schweiz. „Wäre ich 24, würde ich es sicher wieder in der NHL versuchen“, sagt er. Miettinen ist aber 34 Jahre alt. Wieder ständig in Finnland zu leben, erzählt er, dazu sei die Familie noch nicht bereit. Da erschien ihm die DEL als keine schlechte Option. „Das ist eine gute Liga, die Spieler in Finnland wissen das nur nicht so richtig bislang. Zuletzt hat sich die DEL gut entwickelt. Ich würde mich nicht wundern, wenn in Zukunft mehr Spieler wie ich hier landen“, so der Angreifer. Miettinen könnte der neue finnische Botschafter in Berlin werden.

Vielleicht zusammen mit Petri Vehanen, Torwart, sogar Weltmeister und schon gut zwei Monate länger beim EHC. „Wir haben ein paar mal telefoniert. Es ist schön, einen Landsmann in der neuen Umgebung zu haben“, sagt Miettinen, der den Kollegen aus der Nationalmannschaft und gemeinsamen Monaten in Kasan/Russland kennt. Zusammen mit dem tschechischen Stürmer Petr Pohl und dem deutschen Torhüter Mathias Niederberger stehen die beiden Finnen dafür, dass bei den Berlinern wieder etwas breiter gedacht wird. Erstmals seit Jahren werden die eingetretenen Pfade mit nordamerikanischen Verpflichtungen verlassen. „Letztlich suchen wir immer nach guten Spielern, das ist jetzt ein Glücksfall“, sagt Lee. Zumal Vehanen und Pohl schon ihre Klasse zeigten in den ersten Saisonspielen.

Am Freitag gegen Hamburg soll auch Miettinen auflaufen. „Ich weiß, was ich kann und was ich will. Mal sehen, wohin das führt“, sagt er. Ein klassischer Torjäger ist er nicht: „Ich bin ein Allrounder, der alles machen kann und gut machen will.“ Vor allem das defensive Spiel hat er im Blick, dort soll er bei seinen Stürmer-Kollegen mehr Verantwortungsbewusstsein entwickeln. Wo genau er sich in der Mannschaft einordnen wird, müssen die nächsten Tage zeigen. Aber Schwierigkeiten, einen Platz zu finden, dürften sich kaum ergeben. „Sein Eishockeyverstand ist brutal. Er kommt mit einer großen Werkzeugkiste, und er kann alles daraus benutzen“, illustriert Trainer Jeff Tomlinson die Fähigkeiten Miettinens.

Das ist nur ein Aspekt. Finnen gelten als extrem gut ausgebildet, „mit denen kannst du nichts falsch machen“, so Tomlinson. Sie verfügen auch über unglaubliche Energie, ihre Leidenschaft versiegt nie. Das kann der Mannschaft einen Schub verleihen. Zusammen mit dem technisch anspruchsvollen Stil Pohls bringen die neuen Spieler interessante Elemente in das Team, das sich so besser weiterentwickeln kann.

Unbedingt darauf hingearbeitet haben die Berliner nicht. Dass sie qualitativ hochwertig wie lange nicht eingekauft haben, war vor allem der Marktlage zu verdanken. „Seit Petri hier unterschrieben hat, haben sich schon einige bekannte Spieler bei ihm gemeldet und ihr Interesse an den Eisbären gezeigt“, sagt Lee. Miettinen hatte die Wahl zwischen vier Klubs. Lee unterbreitete ihm wohl ein gutes Angebot. Auch um die Chance zu nutzen, die sich nach einer zuvor schwachen Saison ergeben hat.

In den vergangenen Jahren agierten die Berliner eher zurückhaltend bei ihren Transfers. „Da wurde viel davon geredet, dass wir sparen“, sagt Lee. Ganz von der Hand zu weisen war das nicht, aber noch eine Saison mit Pre-Play-off-Aus kann und will sich der Klub nicht leisten. Die Verpflichtungen jetzt seien auch „ein Statement, dass wir oben mitspielen wollen“, so der Manager. Die Eisbären wollen zeigen, dass sie noch da sind, dass sie attraktiv sind, dass sie etwas vorhaben. Lee: „Auch für die Zuschauer ist es schön, es macht Spaß, solchen Spielern zuzusehen.“

Kampfansage, neue Wege, Teamentwicklung – die erstaunlichen Transfers der Berliner kombinieren eine ungewohnte Vielzahl an Ebenen. Miettinen soll zudem seine Erfahrung einbringen. „Da hatten wir zuletzt Probleme“, sagt Lee. Mit seinen vielfältigen Qualitäten eröffnet sich im Angriff eine Flexibilität, „die wir vorher so nicht hatten“, erzählt der Sportliche Leiter Stefan Ustorf. Für die Champions Hockey League kommt das wohl zu spät. Dort spielen die Berliner in einer Woche gegen Fribourg, den Schweizer Klub, für den Antti Miettinen vor dem Sommer auflief. Für die Gruppenphase ist aber bereits Meldeschluss. Da war der Manager nicht früh genug dran.