1. FC Union

Düwel sucht sein System

Gleich bei seiner ersten Station als Cheftrainer muss der 46-Jährige mit Union eine schwierige Situation meistern

Nur drei Punkte aus fünf sieglosen Partien, zuletzt die Niederlagen gegen den 1. FC Nürnberg (0:4) und nun beim 1. FC Heidenheim (1:3) – der 1. FC Union findet sich nach einem kapitalen Fehlstart auf dem vorletzten Platz wieder. Kann der Berliner Fußball-Zweitligist auch Krise? Die Morgenpost schaut auf die Hauptakteure.

Der Trainer Norbert Düwel arbeitete mit seiner Mannschaft die Pleite von Heidenheim am Montag akribisch per Videostudium auf. Dabei hielt er den Spielern nicht nur die Fehler vor Augen, sondern vor allem die positiven Dinge. „Das ist schon wichtig“, findet Stürmer Sören Brandy, „wie wir das Spiel gestaltet und uns die Chancen erarbeitet haben – da hat er uns klar aufgezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Nur muss dieser Weg auch recht bald von Erfolg gekrönt sein, will Düwel, ehemals Co-Trainer in Hannover, nicht gleich auf seiner ersten Station als Chefcoach in richtig stürmische See geraten. Den Umbau der Mannschaft und des Spielstils treibt er seit Wochen mit Volldampf voran, eine Negativserie und den Sturz auf die Abstiegsränge in hauptverantwortlicher Position sind für den 46-Jährigen jedoch Neuland. Das ist ihm bei aller Professionalität, die er an den Tag legt, durchaus ein wenig anzumerken.

Erst Dreier-, in Heidenheim wieder Viererabwehrkette, mal zwei Stürmer, dann wieder einen – es sind nicht nur die sieben Zugänge, auf die sich die Mannschaft immer noch einstellen muss, sondern auch die nach wie vor nicht gefundene Idealformation. Die Experimentierphase scheint noch nicht abgeschlossen. Wie soll sie auch, wenn die letzten drei Neuen erst vor zwei Wochen zur Mannschaft gestoßen sind und Sperren (Martin Dausch und Christopher Trimmel) oder Verletzungen (Martin Kobylanski fällt wegen eines Innenbandteilabrisses im rechten Knie wochenlang aus) ein Einspielen stören. Alles Dinge, die dazu beitragen, dass Union nicht gewinnt und der Druck auf den Trainer automatisch zunimmt. Mit RB Leipzig (21.9.), Kaiserslautern (24.9.) und Aufsteiger Darmstadt (27.9.) wartet auf Union eine anspruchsvolle englische Woche. Inwiefern Düwel wirklich damit umgeht, sollte sein Team im Ligakeller verharren, wird sich dann zeigen.

Das Präsidium Klubchef Dirk Zingler ließ erst nach dem Abgang von Ex-Kapitän Torsten Mattuschka nach Cottbus wissen: „Wir lassen Norbert Düwel arbeiten.“ Selbst dass „wir in so einer Umbruchsaison gegen den Abstieg spielen“, sei laut Zingler einkalkuliert. Dass es nun tatsächlich so weit kommen kann, damit dürfte man an der Alten Försterei aber nicht wirklich gerechnet haben. Es sind Aussagen, die dem Trainer den Rücken frei halten sollen, um den Umbruch in Ruhe fortführen zu können. Rückendeckung, die der Coach auch gerade in den Tagen der Mattuschka-Trennung dringend gebraucht hat. Doch angesichts des Fehlens eines hauptamtlichen Vereinsmanagers – Nico Schäfer fungiert als kaufmännisch-organisatorischer Leiter der Lizenzspielerabteilung – fehlt der zweite Mann, der in solchen Situationen als Blitzableiter fungieren oder dem Trainer zur Seite springen kann.

Neuer Trainer, kein Erfolg – die aktuelle sportliche Situation ist die schwierigste in der zehnjährigen Amtszeit Zinglers. Lediglich in der Saison 2012/13, als Union mit nur einem Punkt aus fünf Spielen gestartet war, war sie ähnlich bedrohlich. Mit einem Unterschied: Die Union-Führung wusste seinerzeit, dass der damalige Trainer Neuhaus in der Lage war, die Mannschaft wieder aus dem Keller zu führen. Einen ähnlichen Nachweis kann es von Düwel logischerweise noch nicht geben. Dennoch dürfte klar sein, dass Düwel selbst bei anhaltend ausbleibendem Erfolg weitermachen darf. Schon weil sich bei einer frühzeitigen Trennung Unions Trainerfindungskommission selbst einen Fehler eingestehen müsste.

Das Umfeld Die Fans feiern ihr Team selbst nach einem Debakel gegen Nürnberg. Die Zahl der Düwel-Befürworter und -Ablehner dürfte sich jedoch die Waage halten. Während viele inzwischen vom Weg des Trainers überzeugt sind, weil es selbst in Heidenheim gute Ansätze vom schnellen Offensivspiel gab, haben andere ihm die Trennung von Mattuschka, über Jahre Klubidol und Identifikationsfigur, (noch) nicht verziehen. Man darf gespannt sein, wie lange dieses Gleichgewicht bleibt, sollte der Erfolg ausbleiben.