Hertha BSC

Luhukay sucht sein Team

Zum ersten Mal seit seiner Ankunft in Berlin 2012 droht der Trainer mit Hertha BSC in eine Krise zu rutschen

Nur ein Punkt aus drei Partien. Kein Sieg in den Heimspielen gegen Bremen (2:2) und Mainz (1:3). Hertha BSC ist der Start in die Bundesliga-Saison missglückt. Nach den vergangenen Jahren mit zwei Ab- und zwei Aufstiegen bleibt die Frage: Kann Hertha BSC Krise? Die Morgenpost hat sich die wichtigsten Protagonisten angeschaut.

Der Trainer Jos Luhukay hatte dem Team am Montag frei gegeben. Heute wird zweimal trainiert. Luhukay hat bei Hertha 26 Monate erfolgreich gearbeitet, aktuell gerät er in Berlin zum ersten Mal in schwere See. Er wird wissen, dass nach vielen erfolgreichen Aufstellungen die Startelf gegen den FSV Mainz ein Fehlgriff war. Luhukay wirkte gereizt nach der Heimpleite. Er weiß, dass im Kader diverse Kräfte zum Teil in verschiedene Richtungen wirken. Er muss sie fokussieren auf das Ziel Erfolg. Hertha hat neun Neue geholt, da sind Reibungsprobleme vorprogrammiert. In der Innenverteidigung konkurrieren mit Kapitän Fabian Lustenberger und WM-Finalist John Heitinga zwei Schwergewichte um einen Platz. In der Offensivabteilung wurde Roy Beerens eingebaut. Für Salomon Kalou gilt es, eine Position zu finden, sei es auf der linken Außenbahn, sei es im Zentrum. Auch die Besetzung im offensiven Mittelfeld scheint noch nicht gefunden. Zudem wird es Zeit, Valentin Stocker (vom FC Basel gekommen), den teuersten Einkauf dieses Sommers, zu integrieren.

Der Trainer fordert Zeit und Geduld. Es braucht noch einiges an Arbeit mit der Mannschaft, um das neue Puzzle zusammenzusetzen. Ein Blick auf den Kalender zeigt jedoch: Hertha bestreitet in den kommenden 17 Tagen vier Spiele: beim SC Freiburg, gegen den VfL Wolfsburg, beim FC Augsburg und gegen den VfB Stuttgart. Dann steht Anfang Oktober die nächste zweiwöchige Länderspiel-Pause an, wo erneut viele Herthaner auf Reisen sein werden. Der Faktor Zeit bleibt kompliziert, aber es werden zwölf Punkte vergeben. Das heißt: Trainer und Mannschaft müssen sich schnell finden. Immer wieder wird von Spielern der gute interne Zusammenhalt gelobt. Da ist es kein gutes Zeichen, dass vermehrt Interna aus der Kabine in die Öffentlichkeit durchsickern. Erfolg braucht Vertrauen. Luhukay genießt die interne Unterstützung, an ihm liegt es, das Team zusammenzubringen.

Der Manager Michael Preetz, 47, hat in fünf Jahren seiner Amtszeit samt zweier Ab- und zweier Aufstiege diverse Krisen durchgemacht. Die Zusammenarbeit mit Luhukay funktioniert bisher auf Augenhöhe, beide vertrauen einander. Preetz hat Luhukay die Erfahrung voraus, wie ungemütlich es im Misserfolgsfall in Berlin werden kann. Es ist das erklärte Ziel des Hertha-Managers, Kontinuität auf der Trainer-Position zu erzielen. Könnte sein, dass die kommenden Wochen arbeitsintensiv werden. Aber Luhukay kann sich der Unterstützung durch Preetz sicher sein.

Das Präsidium Mit Werner Gegenbauer sitzt der erfahrenste Krisenmanager auf dem Präsidenten-Posten. Gegenbauer hat 2010, entgegen der damaligen internen Stimmung, Finanzchef Ingo Schiller im Amt gehalten. Im Sommer 2012 hat er, entgegen der Stimmung im Umfeld und auch in Teilen des Vereins, Preetz im Amt gehalten. Gegenbauer und sein achtköpfiges Gremium möchten, dass das Projekt Hertha in Ruhe fortgesetzt werden kann.

Das Umfeld Nach den turbulenten Jahren 2009 bis 2013 gibt es im Verein – Hertha hat mittlerweile 32.000 Mitglieder – und bei den Anhängern eine Sehnsucht nach Ruhe und Kontinuität. Nun ist eine Stadt mit 3,5 Millionen Einwohnern, in der täglich neun Zeitungen erscheinen, immer lebhaft und in Bewegung. Luhukay wird erstaunt sein, wie groß der Resonanzboden in Berlin ist. Das ist so im Negativ-Fall – aber auch im Positiven.