Handball

Rückraum-Stars mit Ladehemmung

Warum die Routiniers Pavel Horak und Konstantin Igropulo bei den Füchsen bisher noch nicht die Hoffnungen erfüllen

Bob Hanning greift gern mal zur bildhaften Sprache, wenn er ein grundlegendes Problem anschaulich machen möchte. Nehmen wir also den Verein des Geschäftsführers, den Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, und vergleichen ihn mit einem Formel-1-Boliden. „Wir mussten den Wagen neu justieren“, erklärt Hanning, was in den vergangenen Wochen geschehen ist. Begonnen hatte alles demnach mit einem Motorschaden. Bartlomiej Jaszka, der Spielmacher, fällt wegen einer Schulteroperation für Monate aus. „Jetzt haben wir einen neuen Motor, Petar Nenadic macht das sehr gut“, lobt der 46-Jährige den Serben, der in seinen ersten drei Spielen insgesamt 21 Tore beisteuerte.

Doch dann passierte ja noch ein Malheur. Der Abwehrchef, Denis Spoljaric, fehlt nach einer Handoperation ebenfalls lange, vielleicht bis Weihnachten. „Also brauchten wir auch einen neuen Reifenhersteller“, umschreibt Hanning die Brems-Qualitäten des kroatischen Olympiasiegers. Wieder glückte der Wechsel, der Däne Kasper Nielsen hält die Verteidigung ganz gut zusammen. Das sei jetzt eine sehr spannende Rennphase, fährt Hanning fort, „wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir uns aber auch auf unsere Chefingenieure verlassen können“.

Statistiken unter dem Durchschnitt

Damit steuert er endlich das Problem an, das er ausgemacht hat. Konstantin Igropulo und Pavel Horak sind für ihn aufgrund ihrer Fähigkeiten und ihrer großen Erfahrung wichtige Bestandteile der Mannschaft, auf die es nun besonders ankommt. Doch sie haben in dieser Saison bisher nicht die Erwartungen erfüllt. „Tino und Pavel liefern keine Statistiken, die über dem Durchschnitt sind“, kritisiert der Manager, „sondern unter dem Durchschnitt.“

Obwohl beispielsweise Torhüter Silvio Heinevetter einen bärenstarken Saisonstart hinlegte, auch die Jungen, vor allem der erst 19-jährige Paul Drux, dem Team schon mehr helfen als zu erwarten gewesen war, die Nachverpflichtungen schnell integriert wurden, stottert deshalb der Füchse-Renner noch ein bisschen. Gerade, weil Konstantin Igropulo und Pavel Horak in der Offensive nicht die Akzente setzen, um die Füchse gleich auf die Überholspur zu lenken. Der Russe etwa hat in den ersten drei Bundesligaspielen insgesamt nur sieben Tore erzielt, sein tschechischer Teamkollege sogar erst deren drei.

Trainer Dagur Sigurdsson schließt sich der Kritik an. Doch der Isländer klingt schon deutlich milder. „Pavel war auf einem sehr guten Weg in der Vorbereitung. Aber seine vielen Verletzungen sind einfach Pech.“ Mal war es ein Bänderriss im Finger, dann Wasser im Ellenbogengelenk, das den 31-Jährigen am Wurf hinderte. Trainiert und gespielt hat er trotzdem. Aktuell bremst ihn ein Bluterguss in der Hüftmuskulatur, noch immer hat Horak starke Schmerzen und kann nicht richtig werfen. Sigurdsson hat ihn darum zuletzt gegen Gummersbach nur in der Abwehr eingesetzt, mehr ging nicht.

Anders als bei ihm kann bei Igropulo keine Verletzung als Erklärung herhalten. „Tino braucht noch etwas, um seinen Rhythmus zu finden, ihm fehlt ein bisschen das Selbstvertrauen“, urteilt sein Trainer, „wenn du erst mal nicht richtig reinkommst in ein Spiel, fängst du an zu zweifeln und triffst falsche Entscheidungen.“ Beim Saisonauftakt in Göppingen war dies dem Linkshänder so ergangen. Als die Berliner drauf und dran waren, das Spiel in den Griff zu bekommen, ging es stattdessen verloren – nicht zuletzt, weil Igropulo ungewohnte Fehler unterliefen.

Immerhin: Die beiden anschließenden Heimspiele gegen den Bergischen HC und den VfL Gummersbach wurden gewonnen, die Füchse liegen jetzt mit 4:2 Punkten auf Rang neun der Bundesliga-Tabelle. Mit einem neuerlichen Erfolg in der Schmeling-Halle am Sonntag (17.15 Uhr) gegen HBW Balingen-Weilstetten würde es voraussichtlich weiter aufwärts gehen. Das ist der Plan.

Die beiden Spieler, die in der Kritik stehen, gehen damit unterschiedlich um. „Ich will der Mannschaft helfen, so viel wie möglich“, sagt der Tscheche Horak, verweist aber zugleich auf seinen körperlich alles andere als hilfreichen Zustand: „Ich kann es ja selbst nicht beeinflussen.“ Die medizinische Abteilung habe ihm sogar geraten, bis Donnerstag auf das Training zu verzichten, doch er hat das abgelehnt. „Das wollte ich nicht. Mir bleibt jetzt nicht viel übrig, als zu spielen, zu trainieren und das Beste aus der Situation zu machen.“

Deutlich offensiver reagiert Igropulo. Während Horak bereits in der vergangenen Saison nicht immer die erhoffte Verstärkung gewesen war, wurde der 29-Jährige vor einigen Monaten noch als Held gefeiert, weil er seine Mannschaft beim Final Four in Hamburg mit überragenden Leistungen zum Pokalsieg führte, zum ersten großen Titel in der Vereinsgeschichte. Nun lächelt er. „Mit mir hat Bob nicht gesprochen“, sagt er, „aber ich kann ihn verstehen.“

Sigurdsson wartet noch ab

Er wisse ja selbst, er könne dem Team mehr geben, er könne besser spielen. „Letzte Saison war ich wie eine Maschine. Aber ich gebe alles dafür, jeden Tag, dass es wieder so wird. Ich arbeite gut. Deshalb bin ich auch nicht nervös. Weil ich weiß: Bald gibt es das Resultat.“ Unterschwellige Vorwürfe, er wirke vielleicht deshalb nicht richtig ausgeschlafen, weil er vor wenigen Wochen Vater wurde, weist Igropulo zurück: „Tausend Dank an meine Frau – ich kann sehr gut schlafen.“

Auch Dagur Sigurdsson klingt noch zuversichtlich. Die Saison habe schließlich gerade erst begonnen. „Wir haben das die letzten Jahre immer sehr gut balancieren können. Ohne Stars, alle sind in der Verantwortung.“ Mal sei eben einer gut drauf, ein anderer nicht. Bevor er eine erste Bilanz zieht, will der Trainer erst noch ein paar Spieltage abwarten. „Ich glaube, wir werden noch viel mehr sehen von Pavel und Tino.“

Der nicht ganz perfekte Saisonstart hat zumindest einen Vorteil: Es bleiben genug Konkurrenten, die noch überholt werden können.